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Vorwurf gegen Sicherheitsleute Angriff auf Rabbiner in Offenbach

Ein jüdischer Geistlicher wird in einem Offenbacher Einkaufszentrum von Jugendlichen beleidigt und bedrängt. Die Polizei nennt in ihrer Pressemitteilung keine Details zur Religionszugehörigkeit des Opfers, erst die Jüdische Gemeinde macht den Angriff gegen ihren Rabbiner öffentlich - und schlägt Alarm.

Er lebe gerne in Offenbach, betont Mendel Gurewitz. „Aber ich habe jetzt schon ein bisschen Angst.“ Grund dafür ist ein antisemitischer Übergriff auf den Rabbiner, der sich bereits am Sonntagabend im Offenbacher KOMM-Center ereignet hat und zu dem nun der Staatsschutz ermittelt. Eine Gruppe von rund zehn Jugendlichen – etwa 15, 16 Jahre alt, schätzt Gurewitz – habe ihn im Einkaufszentrum beleidigt, verfolgt und körperlich bedrängt, als er dort am verkaufsoffenen Sonntag unterwegs war.

Nachdem die Polizei am Montag in einer bewusst vage gehaltenen Meldung nur von einem „Vorfall“ gesprochen hatte, bei dem sechs bis acht Jugendliche einem „39 Jahre alten Anzeigenerstatter“ etwas hinterhergerufen hätten, hat die Jüdische Gemeinde den Übergriff auf ihren Geistlichen öffentlich gemacht. „Wir wollen, dass alle Menschen, Kirchen und Moscheen Antisemitismus entgegentreten und zeigen, dass Offenbach eine tolerante Stadt ist“, sagte Vorstandsmitglied Henryk Fridman der FR.

Der Gemeindevorstand hat in einem Brief an das Center-Management auch das Verhalten des Sicherheitsdienstes kritisiert. Nach Schilderungen von Gurewitz und Fridman, der während des Vorfalls als Zeuge am Telefon mithörte, hatten die Sicherheitsleute den Rabbiner nicht geschützt und ihn daran gehindert, Fotobeweise zu sichern. Centermanager Frank Middendorf sagte der FR, das Verhalten des Sicherheitsdienstes werde „vernünftig und lückenlos aufgeklärt“. Er habe sich bei der Jüdischen Gemeinde entschuldigt und werde sich in der kommenden Woche zu einem Gespräch mit Gemeindevertretern treffen.

"Ich höre so was jede Woche"

Laut Gurewitz und Fridman hatte sich am Sonntag Folgendes abgespielt: „Als ich die Rolltreppe runterkam, riefen die Jugendlichen ,Jude, Scheißjude‘“, berichtet der Rabbiner, der anhand seiner Kleidung als solcher zu erkennen war. „Ich wohne seit 15 Jahren in Offenbach, ich höre so was jede Woche. Normalerweise reagiere ich darauf gar nicht.“ Dieses Mal aber habe er sich umgedreht und ein Foto von der Gruppe gemacht.

Im Supermarkt seien dann die Jugendlichen mit zwei Angestellten des Sicherheitsdienstes zu ihm gekommen und hätten verlangt, dass er die Fotos lösche. „Die Sicherheitsleute haben gesagt, es sei illegal, zu filmen“, sagt er – und dass sie auf sein Verlangen hin die Polizei angerufen hätten, die ihm dies bestätigte. Unklar ist bislang, ob es sich bei dem Angerufenen tatsächlich um einen Polizisten handelte. „Wir prüfen das noch“, sagte Polizeisprecher Rudi Neu der FR. Das Fotografieren durch den Rabbiner sei nicht rechtswidrig, sondern „wäre zielführend für unsere Ermittlungen gewesen“. Vor Auswertung eines Überwachungsvideos konnte Neu noch keine Angaben über den genauen Tathergang machen. Auch die Identität der Angreifer sei noch unklar.

Laut Gurewitz hatten die Jugendlichen nach dem Löschen der Fotos verlangt, sein Handy zu sehen. Im Beisein der Sicherheitsleute hätten sie ihn bis zum Ausgang verfolgt und dabei permanent fotografiert, ohne dass der Wachdienst eingegriffen hätte. Draußen hätten ihn die Jugendlichen umringt, „einer hat mich geschubst“. Keiner der vielen Passanten sei ihm zur Hilfe gekommen. Erst als zufällig ein Freund im Auto vorbeigekommen sei, habe er flüchten können. Das Geschehene mache ihn traurig, sagt Gurewitz. „Es gibt ein Problem mit der Erziehung.“ Als er nach der Anzeige aus dem Polizeirevier getreten sei, seien wieder drei Jugendliche an ihm vorbeigelaufen. Sie riefen: „Viva Palästina!“

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