Lade Inhalte...

Verkehr in Offenbach Der Traum vom belebten Bahnhof

Eine Initiative will ein neues Nutzungskonzept für den Offenbacher Hauptbahnhof entwickeln. Ihr Vorstoß ist kein Zufall. Die Zugänglichkeit des Bahnhofs für die Öffentlichkeit ist infrage gestellt.

Hauptbahnhof Offenbach
Vier von bald vielen Mitgliedern der Initiative? In den Mittelpunkt stellen möchte sich beim Thema Hauptbahnhof niemand. Foto: Rolf Oeser

Die Bezeichnung „Hauptbahnhof“ ist in Bezug auf die Station in der Offenbacher Bismarckstraße etwas irreführend – denn ein pulsierender Verkehrsknotenpunkt befindet sich dort seit dem Bau der S-Bahn-Strecke durch die Innenstadt nicht mehr. Gerade einmal 3500 Reisende nutzen die Station am Tag. Den S-Bahn-Halt am Marktplatz frequentieren indes täglich rund 30 000 Personen. Und so kommt es, dass sich in der expressionistischen Empfangshalle des Hauptbahnhofs der Leerstand breit macht – das letzte Geschäft hat schon vor Jahren aufgegeben.

Die frisch gegründete Initiative „HBF OF“ will den Dornröschenschlaf des 1873 errichteten und 1927 umgebauten Gebäudes beenden. „Jetzt ist es an der Zeit, Nutzungskonzepte zu entwickeln und eine rechtssichere Trägerschaft aufzubauen“, heißt es in einem ersten Schreiben der bislang achtköpfigen Gruppe, die unter anderem Kompetenzen aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung und Kulturmanagement mitbringt. Für Samstagmittag ist ein erstes Treffen für Interessierte im Kunstverein im Komm angesetzt – unter anderem, um „weitere sachkundige Akteure zur Bewältigung der anstehenden Aufgaben ins Boot zu holen“.

Große Teile fristen ein Schattendasein

Ideen, was man mit dem großen Gebäude so alles machen könnte, gibt es einige – äußern möchte man sie aber noch nicht, damit beim ersten Treffen ohne Schere im Kopf nachgedacht werden kann. Nahe liegt sicherlich eine kulturelle Nutzung, vor allem aber soll das Gebäude für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben – beziehungsweise zugänglicher werden. Denn jenseits des Durchgangs zum Senefelder Quartier und des Zugangs zu den Gleisen darben große Teile des Bahnhofs verriegelt und verlassen vor sich hin.

Es ist kein Zufall, dass die Initiative jetzt zum Brainstorming aufruft, denn eben diese Zugänglichkeit des Bahnhofs für die Öffentlichkeit ist infrage gestellt, seit der Magistrat Anfang des Jahres einen Grundsatzbeschluss zum Thema Hauptbahnhof gefasst hat. Eine Idee, die damals formuliert wurde, ist, die Bahnsteige von einem separaten Zugang zu erschließen, damit das Empfangsgebäude besser von der Deutschen Bahn vermarktet werden kann. Einer solch gewinnorientierten Entwicklung der Immobilie will die Initiative zuvorkommen.

„Uns geht es darum, in der Auseinandersetzung um den Hauptbahnhof einen Diskussions- und Handlungsraum für Viele zu eröffnen, in dem das Selbermachen und aktiv Mitgestalten im Vordergrund steht“, sagt eine der Gründerinnen von „HBF OF“. Positivbeispiele, wo so etwas geklappt hat, gibt es tatsächlich einige: Zum Beispiel in der Elberfelder Nordstadt in Wuppertal, wo ein denkmalgeschützter Bahnhof aus Backstein und Fachwerk von einer Gruppe namens „Utopiastadt“ hergerichtet wurde. Die Aktivisten haben dort nicht nur eine Szenekneipe und Konzert-Location etabliert, sondern auch Werkstätten und einen Co-Working-Space – unter anderem eine Kita soll folgen. Möglich wurde das, weil die örtliche Sparkasse das aus einer Insolvenzmasse hervorgegangene Gebäude günstig verpachtete.

Solche erfolgreichen Projekte geben der neuen Initiative Mut, dass es auch in Offenbach klappen könnte. Bei dem Treffen am Samstag wird es deshalb auch schon um mögliche Finanzierungsmodelle gehen. Derzeit ist der Bahnhof noch in Besitz der Bahn. Dort heißt es auf Nachfrage nur knapp, dass es „aktuell keine Planungen“ gebe, „das Empfangsgebäude mittelfristig zu veräußern“. Das könnte der Initiative zeitlich etwas Luft verschaffen.

Der künftige Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sagte der Frankfurter Rundschau, dass es „traumhaft“ und „geradezu ideal“ wäre, wenn die Initiative Erfolg hätte. Die klamme Stadt könne sich hier finanziell nämlich nicht einbringen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen