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Umbau Siemens gibt Standort Offenbach auf

1. UpdateSiemens will den Standort Offenbach schließen, Beschäftigten aber Perspektiven im Großraum Frankfurt bieten.

Siemens
Der Siemens-Standort am Offenbacher Kaiserlei hat im Konzern keine Zukunft mehr. Foto: Renate Hoyer

Vor dem Siemens-Haupteingang an der Kaiserleistraße herrscht am Dienstagnachmittag gespenstische Stille. Kein Mitarbeiter lässt sich blicken. Es gibt keine Proteste und keine Demonstration der Beschäftigten, die am Morgen in einer kurzfristig anberaumten Mitarbeiterversammlung erfahren haben, dass der Standort Offenbach „perspektivisch aufgegeben wird“.

Die Betonung liege auf „Offenbach“, heben Betriebsratsvorsitzender Matthias Tiessen und Marita Weber von der IG-Metall nach der nächtlichen Einigung von Siemens, dem Gesamtbetriebsrat und der IG Metall hervor. Nach ihren Worten sieht der „Kompromiss“ vor, dass das Geschäftsfeld Power & Gas erhalten bleibt und ein „beträchtlicher Teil der Offenbacher Belegschaft“, so Tiessen, im Großraum Frankfurt weiterbeschäftigt wird. 

Der Betriebsratsvorsitzende wertet das als Erfolg, der auf den „Kampf“ der vergangenen Monate und die Unterstützung durch die Politik zurückzuführen sei. Das habe wohl auch bei der Konzernleitung Spuren hinterlassen. Diese habe im November die „totale Werksschließung“ und eine Verlagerung eines Teils der 800 Arbeitsplätze von Offenbach nach Erlangen verkündet. Das sei nun vom Tisch. „Jetzt ist wieder Hoffnung da.“ Tiessen sagte aber auch, es werde einen „massiven Personalabbau geben“.

Stimmung ruhig und gefasst

Die Stimmung in der Mitarbeiterversammlung war nach Angaben von Siemens-Beschäftigten ruhig und gefasst, „nicht wie in der Vergangenheit, als es tumultartig zuging“, so Bernhard Molitor. Es seien nur wenige Fragen an die Betriebsleitung gestellt worden. Diese habe gesagt, die Hälfte der Arbeitsplätze bleibe erhalten. Das bedeutet, 400 Arbeitsplätze stehen in Offenbach zur Disposition. Ursprünglich soll das Siemens-Management geplant haben, lediglich 40 Mitarbeiter in Frankfurt und 210 an anderen Standorten weiterzubeschäftigen. Laut Gewerkschaft beginnen nun die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung. Sie sollen bis Ende September in einen Interessenausgleich und Sozialplan münden. 

Auch wenn Betriebsrat und Gewerkschaft Optimismus verbreiten: Viele Detailfragen sind offen. Unklar ist beispielsweise, wie es funktionieren soll, dass die Kraftwerkssparte neben Erlangen auch weiter in Rhein-Main bleiben soll, obwohl Siemens-Sprecher Michael Friedrich gestern erneut betonte, es gebe zu viele Standorte für die drastisch gesunkene Auftragslage. In dem Eckpunktepapier heißt es dazu: „Das Lösungsgeschäft von Power und Gas der Standorte Offenbach und Erlangen soll wie geplant gebündelt werden.“ 

Offen ist auch der Zeitrahmen für die Restrukturierung. Versammlungsteilnehmer berichteten, es sei die Rede von zwei bis drei Jahren gewesen. Friedrich sagte, das Unternehmen wolle ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen. Um die Kosten    in der kriselnden Kraftwerkssparte zu senken, will Siemens nach seinen Worten einen „hohen“ dreistelligen Millionen-Betrag einsparen..

Offenbachs Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) sagte, „wir kämpfen bis zum Schluss um den Standort“. Er warnte vor „falschen Aufgeregtheiten“ und meinte, die Stadt könne die Entwicklung bei Siemens wirtschaftlich verkraften, weil es bei Gewerbeansiedlungen inzwischen eine gute Nachfrage gebe.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einem „bitteren Tag“ für die Siemens-Beschäftigten, die nicht im Unternehmen bleiben könnten. Hessens Arbeitsminister Stefan Grüttner (CDU) zeigte „kein Verständnis“ für die Pläne des Unternehmens. Er forderte „nachhaltige Lösungen“ für die Mitarbeiter.

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