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Türkische Zeitung In die Hauptstadt

Die Deutschland-Redaktion von Zaman, der größten türkischsprachigen Tageszeitung in Deutschland, ist nach Berlin umgezogen. Nur noch drei Redakteure bleiben hier, während Verlag und Druckerei unverändert in Offenbach arbeiten.

Mustafa Altas und Hakan Kalayci in der Druckerei. Foto: Monika Müller

Gegen 18 Uhr ist Hakan Kalayci im Stress. Stimmen die Überschriften? Stehen die richtigen Unterschriften unter den Fotos? Keinen Rechtschreibfehler übersehen? In wenigen Minuten muss Andruck sein.

Kalayci ist Schlussredakteur bei der Zeitung Zaman Avrupa, der größten türkischsprachigen Tageszeitung in Deutschland. Seit 2004 hat sie ihren Sitz in der Sprendlinger Landstraße in Offenbach. Kalayci ist nur noch einer von drei Redakteuren, die in Offenbach arbeiten. Die sieben Redakteure, mit denen er bis vor kurzem für die Deutschland-Ausgabe zuständig war, arbeiten nun in Berlin.

Zaman hat zum Jahresbeginn ihre Redaktion in die Hauptstadt verlegt und vergrößert. Mit den Zaman-Kollegen, die bislang ein Büro im Bundespressehaus hatten, ist die Redaktion in die Reinhardtstraße in der Nähe des Bundestags gezogen. „In Berlin sind wir mitten im Geschehen und bekommen mehr mit“, sagt Mustafa Altas, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Worldmedia Group, die Zaman herausbringt.

Fokus auf Deutschland

„Diese Entscheidung hätten wir schon früher treffen sollen“, ergänzt er. Zaman möchte den Fokus ihrer Berichterstattung auf Deutschland und die Bundespolitik verstärken. Der Deutschland-Teil wird erweitert. Die Leser, die oft der zweiten oder dritten Auswanderergeneration angehören, wollten mehr über das Land erfahren, in dem sie leben, sagt Altas.

Gedruckt wird die Zeitung weiterhin in Offenbach - auf einer Roland 300. Schlussredakteur Kalayci muss den Druck so früh vorbereiten, weil die Zeitung keinen eigenen Vertrieb hat und mit der Post verschickt wird. Von der 24-seitigen Ausgabe thematisieren drei bis vier das Geschehen in Deutschland und drei das in der Türkei. Diese und die beiden Auslands-Seiten werden in der Zaman-Redaktion in der Türkei gemacht. Berichtet die dortige Zaman über Deutschland, kommen die Beiträge aus Berlin. „Wir kennen das Land besser“, begründet Altas. Rechtlich sind die Ausgaben unabhängig voneinander, obwohl sie den gleichen Titel tragen. Es gibt aber Kooperationen.

Am Wochenende liegt eine Beilage über das lokale Geschehen aus den deutschen Städten bei. Für Nordrhein-Westfalen gibt es eine eigene Wochenendbeilage. Auch für andere europäische Länder macht Zaman eigene, auf sie zugeschnittene Ausgaben.

Altas bezeichnet den politischen Standpunkt von Zaman als werteorientiert und demokratisch. Kritiker betrachten ihn als islamisch-konservativ. Die Zeitung verzichte auf Sensationsgier, Nacktfotos und Privates von prominenten Zeitgenossen. Sie wolle sachliche und zuverlässige Nachrichten liefern.

Teil der Gülen-Bewegung

Inspiriert wird das Blatt von Imam Fethullah Gülen, der einmal in der Woche einen Beitrag schreibt. Gülen predigt einen konservativen Islam, der sich mit moderner Bildung, interkulturellem Dialog und sozialem Engagement verbinden soll. In Deutschland unterhalten Gülen-Anhänger zahlreiche Nachhilfe-Vereine, zu denen auch die Offenbacher Bildungsakademie gehört.

„Zaman in Europa vermittelt, dass das Erlernen der Landessprache, Ausbildung und Bildung wichtig sind – denn das ist integrationsfördernd“, sagt Altas. Die türkischen Mitbürger sollten sich als Teil der deutschen Gesellschaft fühlen und sich in allen gesellschaftlichen Bereichen engagieren. Deshalb interessierten sie sich auch mehr und mehr für nicht-türkische Themen in der Zeitung.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

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