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Stellenabbau Siemens schließt Werk in Offenbach

Siemens streicht rund 2900 Stellen. Die Standorte Görlitz und Berlin bleiben, in Offenbach wird dicht gemacht.

Siemens Logo in Offenbach
Die Siemens-Niederlassung in Offenbach wird geschlossen. Foto: Renate Hoyer

Fast punktgenau zur Beendigung des Ende September auslaufenden Geschäftsjahrs hat sich Siemens nach langem Ringen mit Personal und IG Metall auf einen Stellenabbau in zwei Krisensparten geeinigt. In Deutschland werden dabei binnen zwei Jahren rund 2900 Arbeitsplätze abgebaut, 500 Jobs weniger als ursprünglich angekündigt. Siemens verzichtet nun auf die Schließung des ostdeutschen Standorts Görlitz, der zum Politikum geworden war, und erhält entgegen früheren Plänen auch die Fertigung im Berliner Dynamowerk. „Wir müssen die Maßnahmen jetzt schnell umsetzen, um unsere Wettbewerbsfähigkeit abzusichern“, sagte die im Vorstand für die kriselnde Kraftwerkssparte zuständige US-Managerin Lisa Davis. Abgebaut wird auch bei Prozessindustrie und Antrieben.

Der reduzierte Kahlschlag ist umso bemerkenswerter, da sich die Marktprognosen für die Krisengeschäfte in den vergangenen Monaten noch einmal deutlich verschlechtert haben, betonte Siemens-Personalchefin Janina Kugel. Die globale Nachfrage nach großen Gasturbinen und Elektromotoren bricht immer weiter ein. Kugel nannte auch Details zum jetzt mit dem Gesamtbetriebsrat erreichten Interessenausgleich.

Görlitz wird demnach nicht nur erhalten, sondern auch zur globalen Zentrale für das Geschäft mit Industriedampfmaschinen ausgebaut. 170 Stellen kostet das dort trotzdem. Am stärksten vom Abbau betroffen sind nun die Standorte Berlin und Mülheim. Berlin wird zwar weltweites Kompetenzzentrum für große Gasturbinen und erhält innovative Fertigung wie 3D-Druck, verliert aber inklusive dem Dynamowerk insgesamt 700 Stellen. Mülheim trifft es mit 600 Arbeitsplätzen. Der Standort spezialisiert sich neben dem Bau großer Gasturbinen nun zusätzlich auf große Elektromotoren. 

370 Stellen in Offenbach weg 

Einziger Standort, der komplett geschlossen wird ist Offenbach. Dort fallen aber nur 370 der 700 Stellen weg. Der Rest wird auf andere Standorte im Rhein/Main-Gebiet verteilt. Weitere 500 Jobs werden im bayerischen Erlangen gestrichen. Der Standort Erfurt in Thüringen wird grundlegend umgebaut, konzentriert sich auf kleine Generatoren, verliert aber rund 200 Jobs. Etwas mehr werden in Duisburg gekappt. Das Werk in Leipzig soll verkauft werden. Fabriken in Baden-Württemberg sind vom Kahlschlag nicht betroffen.

IG Metall und Siemens-Gesamtbetriebsrat werten die Einigung trotzt verbleibender schmerzhafter Einschnitte als akzeptablen Erfolg. Nach zehnmonatigen Verhandlungen seien Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen vom Tisch.

Das Aus für Offenbach lässt die IG Metall nicht als Standortschließung gelten, weil die Jobs größtenteils im regionalen Umfeld erhalten bleiben. Kugel wollte allerdings nicht bestätigen, dass es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommt. Das wolle man zwar durch Vorruhestand und ähnlichem zu vermeiden versuchen. Sicher sei es aber nicht. „Wir haben erreicht, dass die vor rund einem Jahr verkündeten Restrukturierungspläne entscheidend verändert wurden“, erklärte indessen Jürgen Kerner, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt. Gesamtbetriebsrätin Birgit Steinborn forderte von Siemens flankierend einen Masterplan im Energiebereich, den Energiewenden rund um den Globus dringend erforderlich machten.

Unverändert geblieben ist das finanzielle Einsparziel von Siemens mit global einer halben Milliarde Euro. 270 Millionen Euro davon entfallen auf Deutschland. Außerhalb deutscher Grenzen sollen nach bisherigen Plänen noch weitere 3500 Jobs gestrichen werden. Die Frage, ob hier wegen des reduzierten Personalabbaus in Deutschland eventuell mehr gestrichen wird, beantwortete Kugel ausweichend.

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