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Stadtplanung Offenbach stoppt Marktplatz-Umbau

Baudezernent Paul-Gerhard Weiß stoppt das Vorzeigeprojekt zur Aufwertung der Offenbacher City kurz vor Baubeginn. Es gab nur ein Angebot, die Stadt will deshalb eine neue Ausschreibung.

Marktplatz in Offenbach
Der Marktplatz in Offenbach soll umgestaltet werden. Foto: Michael Schick

Nach jahrelangen Planungen und Diskussionen sollten Anfang Juli die Bagger auf dem Marktplatz anrücken. Doch der geplante Umbau, mit dem die Stadt die City attraktiver gestalten und den Einkaufsstandort stärken wollte, wurde überraschend gestoppt. Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FPD) teilte seine Entscheidung gestern in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mit, an der auch Kämmerer Peter Freier (CDU) und Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) teilnahmen. Grund für den Stopp sind die enorm gestiegenen Baukosten, die das Projekt von veranschlagten 5,1 Millionen Euro auf 8,5 Millionen Euro verteuern würden.

Auf die Ausschreibung für die Bauleistungen (kalkuliert waren 3,1 Millionen Euro) ist nur ein Angebot über 5,6 Millionen Euro eingegangen. Zudem hat sich laut Weiß während der Vorarbeiten herausgestellt, dass die Leitungsanschlüsse an den Kanal tiefer als erwartet liegen. Dies mache eine Grundwasserabsenkung während der Bauzeit nötig.

Die Kostenschätzung dafür liegt bei 300 000 Euro. Um eine halbe Million Euro verteuert sich der Umbau durch die längere Bauzeit von fast drei Jahren. Ursprünglich sollten die Arbeiten 22 Monate dauern. Weiß sagte, er könne nicht garantieren, dass die prognostizierten 8,5 Millionen Euro „das Ende der Fahnenstange sind“. Deshalb habe er die Reißleine ziehen müssen.

Die Stadt will die Ausschreibung aufheben, weil sie, so Weiß, kein wirtschaftliches Ergebnis gebracht habe. Schließlich weiche das Angebot der Baufirma um 80 Prozent von der eigenen Kalkulation ab. Das Planungsamt werde eine neue Vorlage erarbeiten. Er sei zuversichtlich, ein wirtschaftlicheres Angebot zu bekommen.

Der Stadtrat deutete an, dass möglicherweise einzelne Bauabschnitte ausgeschrieben würden. Das erleichtere Unternehmen die Kalkulation. Denkbar sei auch, dass das Projekt reduziert umgesetzt werde, heißt es auf der städtischen Webseite. In einem Punkt ist sich Weiß sicher: „In diesem Jahr werden wir nicht mehr zu Potte kommen.“ Er rechne damit, auch beim Baubeginn Bewerbern entgegenkommen zu müssen. Dies bedeutet auch, dass für 2018 zugesagte Fördergelder in Höhe von 900 000 Euro verfallen.

Der Baudezernent dürfte sich nicht nur wegen der Kostenexplosion zu dem drastischen Schritt entschlossen haben. Der Stopp ist auch dem Umstand geschuldet, dass bei höheren Baukosten die Anliegerbeiträge von 1,4 Millionen Euro auf 3,1 Millionen Euro steigen würden.

Bei nur 34 Anliegern würde dies zu einer Durchschnittsbelastung von fast 100 000 Euro je Anlieger führen. Solche „horrenden Beiträge“ seien nicht vertretbar, sagte Weiß. Nach seinen Worten ist die Entscheidung in „konstruktiven Gesprächen“ mit den Koalitionspartnern und der SPD gefallen. Ihm sei dies wichtig gewesen, da es auch Überlegungen gegeben habe, eine Mehrkostenvorlage einzubringen.

Da sich die Neugestaltung des Marktplatzes verschiebt, der eigentlich eine Straße und Verkehrsknoten mit Bushaltestellen und S-Bahn-Station ist, wird es vorerst auch keine Busumleitungen geben. Das heißt: Es bleibt zunächst einmal alles beim Alten. Weiß betonte, das Projekt sei „nicht gestorben“. Aber er könne derzeit nicht sagen, wann und wie es weitergehe. Aber die Aufgabe, den Marktplatz umzugestalten, um die Verkehrssituation, die Aufenthaltsqualität und die Anbindung der Fußgängerzone an den beliebten Wilhelmsplatz zu verbessern, bleibe bestehen.

Auf die Frage, ob das Ausschreibungsergebnis dem Bauboom geschuldet sei oder die Stadt falsch kalkuliert und die Kosten zu niedrig angesetzt habe, erklärte Weiß: „Das wurde ordentlich kalkuliert.“ 2010 war der Grundsatzbeschluss für den Marktplatz-Umbau gefallen. Er wurde 2015 erweitert. Die Kosten stiegen von ursprünglich 3,7 Millionen Euro auf 4,8 und 8,1 im Juli 2017. Im November 2017 billigten die Stadtverordneten 5,1 Millionen Euro für die Neugestaltung,

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