Lade Inhalte...

Stadthalle Offenbach Kunst im Bau

Marcus Dörr von der Offenbacher Firma "artmos4" gestaltet Wandbilder zu den Veranstaltungsthemen in der Stadthalle.

Frisch gesprayt: Porträt einer Soulsängerin im Afrolook. Foto: Michael Schick

In Abendgala und Punker-Kluft, Business-Dress und Lederjacke – das Publikum der Offenbacher Stadthalle ist so vielfältig wie ihr Programm. Möglichst allen der bis zu 4000 Besucher pro Veranstaltung soll die Stadthalle gefallen. „Aber es sind nur geringe Mittel da, um das Gebäude optisch aufzuwerten“, sagt Geschäftsführerin Birgit von Hellborn. Baulich sei an der knapp 45 Jahre alten Halle nur mit mehreren Millionen Euro etwas zu machen. Also haben sich von Hellborn und Projektleiterin Katrin Rau für eine künstlerische Variante entschieden. Jetzt arbeitet Marcus Dörr, Leiter der Offenbacher Kreativagentur „artmos4“, an einem neuen Farbkonzept, das großflächige Bilder mit Motiven aus dem Programm der Halle beinhaltet.

Gerne hätte Dörr die Konterfeis von Rock- und Pop-Größen, die hier ihre Auftritte hatten, an die Wände gesprüht. „Aber das war von den Rechten her unglaublich schwierig“, bedauert von Hellborn. Statt Michael Jackson, der hier noch mit Jackson Five aufgetreten ist, Motörhead, Kurt Cobain, Santana und Xavier Naidoo werden jetzt also Symbolfiguren die Wände zieren. Einem an Bruce Springsteen erinnernden Redner sprudeln die Buchstaben aus dem Kopf, Detailansichten schweben in Blasen durch das Bild und zeigen Laptop und Mikro. Ähnlich gestaltet ist das große Porträt einer Soulsängerin im Afrolook, die von Noten umtanzt wird. Sie schmückt eine weitere Wand.

Etwa zehn großflächige Bilder sollen bis etwa Mitte des Jahres hinzukommen. Ein Sprühwerk im Obergeschoss der Halle soll auch von außen sichtbar sein. Das Thema wollen Künstler und Geschäftsführerin noch nicht verraten. „Aber es wird der Knaller“, verspricht von Hellborn. „Die Halle wird so interessanter und netter als viele neu gebaute Glaspaläste“, sagt Dörr. „So etwas hat nicht jeder Veranstaltungsort.“ Von Hellborn pflichtet ihm bei: „Vorher war die Halle schon sehr steril, komplett in kalten rot-weißen Tönen gehalten, mit Neonröhren zwischen roten Balken und Türen, von denen fast jede einen anderen Holzton hatte – echt grausam.“

„Wir mussten bei der Motivwahl darauf achten, allen Besuchergruppen gerecht zu werden“, sagt die Geschäftsführerin. „Wenn wir Graffiti genommen hätten, wären die Betriebsveranstaltungen nicht mehr gekommen. Heavy-Metall-Motive passen nicht zu den Abschlussbällen der Tanzschulen, die aus dem weiteren Umkreis hierherkommen.“

Mit Optimismus ins neue Jahr

Im Schnitt sind es jährlich 80 bis 100 Veranstaltungen, meist Konzerte, aber auch Faschingsveranstaltungen, Kongresse, Messen und Sportevents, die auf den 1.200 Quadratmetern Fläche der Stadthalle ausgetragen werden. Das Jahr 2010 war allerdings ein deutlicher Ausreißer: Nur an 60 Tagen war die Halle gebucht. „Das war das schlechteste Ergebnis in den fünf Jahren, die ich hier bin“, sagt von Hellborn. Aber die Zukunft werde besser: Schon jetzt liegen für 2011 53 Buchungen vor, dazu kämen Reservierungen.

Mit den Bildern von Dörr solle die Halle nun ein unverwechselbares Gesicht bekommen, sagt von Hellborn, während Marcus Dörr das artomos4-Logo in die Ecke des Soul-Bildes sprüht. Dann kommt eine Versiegelung „gegen Ergänzungen von Schmierfinken“ auf das Werk. „Aber die Werke von artmos4“ sind ja inzwischen bekannt, und wo sie sind, halten sich auch andere Sprayer fern. Wir hoffen, dass die hier auch an der Stadthalle Respekt vor den Werken der Künstler zeigen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen