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Stadtentwicklung in Offenbach Einfamilienhäuser nehmen dringend benötigten Platz weg

Peter Schneider, der scheidende Bürgermeister von Offenbach, sieht seine Stadt vor großen Herausforderungen. Zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit findet der Grüne klare Worte.

Abschied in Offenbach
Sorgte stets für Entspannung vom stressigen Rathausalltag: der mit grünen Figuren bestückte Tischkicker vor Schneiders Büro.

Nördlich von Offenbachs Stadtteil Bieber, direkt an der S-Bahn, entsteht auf der grünen Wiese Wohnraum für rund 2 100 Menschen. Doch die niedrige Bebauungsdichte dort ist Peter Schneider ein Dorn im Auge. Man könne angesichts des Einwohnerwachstums und der beschränkten Entwicklungsmöglichkeiten Offenbachs nicht weiter im großen Stil „schöne Einfamilienhäuschen“ errichten, sagt der Bürgermeister und ergänzt: „Das ist in einem immer enger werdenden Raum nicht die Art der Architektur, die wir brauchen.“ In den Neubaugebieten, die Offenbach noch entwickeln kann, müsse man dichter bauen – auch, damit „nicht alles zubetoniert wird“.

Es sind klare Worte, die Offenbachs Spitzen-Grüner zum Ende seiner sechsjährigen Amtszeit als Bürgermeister findet. Am Donnerstag ist Schneiders letzter Arbeitstag, dann geht der 62-Jährige, der 1985 den Grünen beitrat und seit 1992 mit seiner Frau in einer Hofreite im dörflichen Stadtteil Rumpenheim lebt, in den Ruhestand. Seine Nachfolgerin Sabine Groß beginnt am Freitag mit der Arbeit.

Schneiders Blick auf die Entwicklung Offenbachs ist zwiegespalten: Zum einen sieht der Sozial- und Gesundheitsdezernent, der auch für Statistik, öffentlichen Nahverkehr und das Jobcenter zuständig ist, in dem Zuzug Chancen für die Stadt und die Stadtkasse. Doch müsse auch geförderter Wohnraum entstehen. Die Vorgabe, dass Investoren erst ab einer Projektgröße von 50 Mietwohnungen geförderten Wohnraum schaffen sollen, müsse herabgesetzt werden, findet Schneider. Auch über Milieuschutzsatzungen – etwa im Nordend – werde man nachdenken müssen: „Da müssen wir höllisch aufpassen!“ Als große Herausforderung sieht er auch die Verbesserung der Luftqualität in der Stadt. Trotz Anstrengungen im Bereich ÖPNV-Ausbau und E-Mobilität denkt Schneider, der während seines Studiums in Frankfurt Taxi fuhr und heute ein E-Auto hat, dass es in Offenbach zu Diesel-Fahrverboten kommt. 

Auch das Thema Gewerbe ist Schneider wichtig: Man müsse darauf achten, dass Offenbach keine „Schlafstadt“ wird, in der die Leute nur wohnen. „Es ist wichtig, darauf zu achten, dass hier auch Arbeitsplätze entstehen“, sagt Peter Schneider, der letztes Jahr unter dem Slogan „Stadt zum Bleiben“ für die Grünen in den Oberbürgermeister-Wahlkampf zog und 14,2 Prozent der Stimmen holte. Mit der Forderung nach mehr Wirtschaftsförderung liegt er auf Linie mit OB Felix Schwenke (SPD). Es sei vorstellbar, dass die Grünen in Offenbach künftig wieder einmal mit der SPD koalieren, sagt Schneider – auch wenn man in der aktuellen Vierer-Koalition einige grüne Themen habe umsetzen können und dementsprechend zufrieden sei. 

Mit Peter Schneider verlässt ein Freund der leisen Töne die Offenbacher Lokalpolitik und kein Polterer. Auf die Frage nach seinen Erfolgen antwortet er zurückhaltend: Da sei etwa die Wasserversorgung, die die Stadt in seiner Zeit als Wasserdezernent „in kommunale Hand zurückgeholt“ habe. Man halte seitdem die Gebühren „stabil“ und sorge für gute Wasserqualität. Auch der Ausbau der U3 und die Betreuung der Schulen sei vorangekommen. Im Gegensatz zu Frankfurt habe man den Schulausbau in Offenbach „rechtzeitig in den Blick genommen“, findet Schneider – auch wenn noch einige Schulen auf Sanierung oder Ausbau warten. Erwähnenswert findet der ehemalige Lehrer die Umwandlung der Rumpenheimer Ernst-Reuter-Schule in eine IGS.

Nicht gut sei die Teilnahme am Sportevent „Mission Olympic“ 2013 gewesen, die die klamme Stadt rund 300 000 Euro kostete. Hier würde Schneider heute anders handeln. Allerdings habe er damals auch „90 Prozent“ seiner Arbeitskraft für das städtische Klinikum aufgebracht, das vor der Insolvenz stand. „Das war kein großer Spaß“, sagt Schneider, er sei „bei allem Schmerz“ aber froh, dass das heutige Sana-Klinikum, an dem die Stadt noch zehn Prozent hält, „gut“ dastehe.
Schneider hofft nun auf mehr Zeit mit Familie und Freunden – ist aber weiter als Schöffe tätig und hat noch Posten beim Energieversorger EVO und beim Zweckverband Wasserversorgung inne. Meiden will er künftig Ehrenämter, „die etwas mit Gremiensitzungen“ zu tun haben: „Das ist jetzt auch mal gut.“

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