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Stadt und Kreis Offenbach Mit Humor gegen Vorurteile

Das Projekt Out-OF möchte etwas gegen Homophobie tun. Seit Januar gibt es ein neues Angebot: Mit Humor sollen Vorurteile bekämpft werden.

Sechs Buchstaben, die nur allzu oft als Schimpfwort genutzt werden: schwul. Um das zu ändern, etwas gegen Homophobie zu tun und Jugendlichen bei ihrem Coming-out zu helfen, haben Dirk Hartmann, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes Offenbach-Land, und zwei Mitstreiter Mitte 2013 das Projekt Out-OF gegründet. Eine Beratungs-Hotline wurde eingerichtet, zur Eröffnung kam als Ehrengast der ehemalige Regierende Bürgermeister Berlins, Klaus Wowereit.

Doch danach wurde es still um das Projekt: Lange Zeit konnte man auf der Internetseite des Projekts nur vom Besuch Wowereits lesen, Aktualisierungen blieben aus. „Ich habe immer wieder die Facebook-Seite aktualisiert“, sagt Hartmann, gibt aber zu, dass das Projekt etwas „versackt“ sei. Es hätten sich keine weiteren Unterstützer gefunden. „Untätig waren wir nicht, aber es hat sich gezeigt, dass sich die Leute eher an Vereine oder Beratungsstellen in Frankfurt wenden als an uns.“

Hanau hat mit dem Verein Queer ein Angebot für Lesben und Schwule, aber im Raum Offenbach gibt es laut Hartmann nichts Vergleichbares. „Die gehen alle nach Frankfurt“, sagt er; dort gebe es weiträumigere Angebote. „In und um Offenbach ist es daher schwer, etwas aufzubauen.“ Das war nicht immer so: Als 16-Jähriger hat Hartmann in Offenbach selbst einen schwulen Jugendstammtisch gegründet. „Aber vor allem das Internet hat viel verändert“, sagt er. Manches Engagement habe eben nicht „den Ewigkeitswert“.

Neues Angebot

Im Falle von Out-OF möchte Hartmann aber nicht aufgeben. „Die Beratungshotline besteht noch. Wir haben damals alle Schulen angeschrieben und ihnen Angebote zur Beratung von Klassen gemacht.“ Hartmann macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, dass sich daraufhin lediglich eine Schule in Hainburg gemeldet hatte. Mit einer achten Klasse wurde dort in Rollenspielen erarbeitet, was es bedeutet, Außenseiter zu sein „oder was auf einen zukommt, der sich outen möchte.“

Seit Januar gibt es ein neues Angebot: Mit Humor sollen Vorurteile bekämpft werden. „Wir haben mit dem Theaterpädagogen Timo Becker ein Programm erarbeitet, das sich an Schulen richtet.“ Unter dem Namen Malte Anders hat Becker sein Programm im Frankfurter Gallustheater präsentiert, vier Offenbacher Schulklassen haben es bisher besucht. „Homologie“ nennt es sich. Becker nimmt in dem fiktiven gleichnamigen Schulfach Halbwissen und Vorurteile auf die Schippe und spricht mit den Schülern über Toleranz und Akzeptanz. „Die Vorstellungen kamen gut an, ich hoffe, dass noch mehr Schulen das Angebot annehmen.“

Dass es noch viele Vorurteile und teils offene Ablehnung gegenüber Lesben und Schwulen gibt, zeigt eine Schüler-Umfrage, die das Projekt an vier Schulen in Stadt und Kreis durchgeführt hat. Manch Erschreckendes ist dort zu lesen – etwa, dass Homosexualität „eine psychische Störung“ sei oder „sündhaft“ oder manche gewalttätig reagieren würden. Ein Mädchen schreibt, würde sie feststellen, homosexuell zu sein, „würde ich mich schämen und den Fehler in meinem Kopf suchen“. Aber auch von Akzeptanz ist zu lesen. Nach Weltanschauungen aufgelistet, findet sich die größte Akzeptanz unter nicht-religiösen Jugendlichen, die größte Ablehnung in der Gruppe der muslimischen Schüler.

„Die Alltagshomophobie gibt es immer noch, ‚schwul‘ ist eines der beliebtesten Schimpfworte“, sagt Hartmann. Er will nun diese Vorurteile mit Humor in Frage stellen statt zu belehren. „Vielleicht kommt es dadurch bei einigen zum Umdenken“, sagt der 40-Jährige. Für 2016 habe man sich bei Out-OF vorgenommen, das Programm Homologie einigen Schulen kostenlos anzubieten. „Ich hoffe, es werden sich Schulen und Lehrer melden.“

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