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Stadt und Kreis Offenbach Die Mistel schmarotzt sich durch

Der Parasit befällt im Forstamtsbezirk Langen immer mehr Bäume. Forstamtsleiter Christian Münch sieht das mit Sorge.

Mistelbefall an Bäumen
Laubbäume geben derzeit den Blick frei auf ihre Kronen - und zeigen, wie stark die Mistel auf dem Vormarsch ist. Foto: Monika Müller

Die Mistel ist im Forst rund um Offenbach und in den Wäldern im Kreis Offenbach auf dem Vormarsch. „Ein Drittel aller Kiefern ist bereits von dem pflanzlichen Parasiten befallen“, sagt Christian Münch, der Leiter des zuständigen Forstamts Langen. Mit tierischen Schädlingen hat der Förster aktuell dagegen wenig Probleme. Nur die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners sieht er mit Sorge.

Vielerorts sieht man jetzt Misteln in den Baumkronen hängen, meist in entblätterten Laubbäumen. Im Wald sind hauptsächlich die Kiefernbestände von den kugelig wachsenden Pflanzen befallen. „Die Mistel zapft den Baum an und entzieht ihm Nährstoffe. Das schwächt ihn“, sagt Münch.

Der Halbparasit wird über Vögel verbreitet und „geht an Bäume, die eine Vorschwächung haben“, erläutert Münch. Insofern sei der schmarotzende Busch für das Forstamt ein Bioindikator und ein Indiz, „dass die Vitalität der Bäume latent abgleitet“.

Auch Neophyten – Pflanzen, die gebietsfremd einwandern – sind für den Forstamtsleiter problematisch. Der Mensch schleppt sie ein. „Gartenbesitzer entsorgen ihre exotischen Pflanzen über den Zaun in den Wald, und dort pflanzen sie sich explosionsartig fort.“ Beispielhaft nennt Münch den asiatischen Götterbaum und vor allem die aus Nordamerika kommende spätblühende Traubenkirsche. „Die ist so aggressiv, dass sie die heimische Vegetation komplett verdrängt. Außer der Buche wächst dort kein Baum mehr.“

Die Revierleiter müssten „ziemliche Klimmzüge“ unternehmen, um die heimische Baumart „wieder in den Boden zu bekommen“. Wenn bei Rodungen nämlich kurze Wurzelstücke im Untergrund steckenbleiben, könne aus jedem ein neuer Baum herauswachsen – ähnlich der Hydra in der griechischen Mythologie.

„Pflanzliche Organismen sind ein langfristiges Problem. Sie sind dauerhafter als ein Insekt, das einer Populationsdynamik unterliegt“, sagt Münch. Seit den 80er Jahren setzen die Forstbetriebe keine Schädlingsbekämpfungsmittel mehr ein. „Großkalamitäten“ seien dem Forstamt Langen dennoch erspart geblieben. Einzig der Eichenprozessionsspinner, eine Schmetterlingsart, deren Raupen Brennhaare mit Eiweißgift tragen, bereitet Münch Kopfzerbrechen. „Innerstädtisch werden die Raupen von den Bäumen abgesaugt, im Wald können wir nur großflächig absperren.“ Der Schädling kam ursprünglich im Mittelmeerraum vor und breitete sich als Folge des Klimawandels nach Deutschland aus.

Der Borkenkäfer, der Fichten heimsucht, spielt dagegen im Langener Forstamtsbezirk so gut wie keine Rolle. „Im Kreis Offenbach hat die Fichte einen Anteil von 0,5 Prozent“, sagt Münch. Überhaupt sei die Fichte eine aussterbende Baumart, weil sie mit den trockenen Sommern nicht zurechtkomme. „Die Fichte ist ein Flachwurzler und steckt nur 50 Zentimeter tief im Boden.“ Eiche und Kiefer hingegen besitzen ein Pfahlwurzelsystem und können Wasser aus großen Tiefen ziehen.

40 000 neue Bäume hat das Forstamt Langen im Vorjahr im Kreis Offenbach gepflanzt. „Aber wir hatten etliche Ausfälle“, sagt Münch. Alle Neupflanzungen mit zehn bis 15 Zentimeter Durchwurzelung seien in Wasserstress gekommen, weil die Niederschläge im Mai, Juni und teilweise Juli ausblieben. Erst im August habe es genug geregnet. Trotzdem bezeichnet Münch das Jahr 2017 als „waldfreundliches Jahr“.

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