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Sport und Kirche Der Geistliche im Sportverein

Pfarrer Roberto Medovic ist im Vorstand des katholischen Sportvereins DJK Eiche und hadert damit. Beim Neujahrsempfang des Clubs stellt er seine eigene Rolle innerhalb der Vereinigung in Frage. Aber

Spricht auf dem Neujahrsempfang des katholischen Dekanats Offenbach: Roberto Medovic. Foto: Martin Weis

Zur Vorstandssitzung ein Bibelspruch, zum Familientag einen Gottesdienst, zum Spielenachmittag religiöse Impulse – beim Sportverein DJK Eiche ist das Alltag. In der Satzung ist festgelegt, dass der katholische Sportverein einen geistlichen Beirat haben soll. Der Geistliche, der zurzeit mit dieser Aufgabe betraut ist, ist Roberto Medovic. Doch es gibt Momente, in denen er damit hadert.

„Sport hat nichts mit Religion zu tun, und das ist gut so!“ Das sagt Medovic, 39, beim Neujahrsempfang des katholischen Dekanats am Montag, und das wirkt durchaus provokant. Schließlich findet der Empfang ausgerechnet im Business-Bereich des Kickersstadions statt. „Wir gehen bewusst in die Gesellschaft, in Schulen, ins Rathaus, ins Krankenhaus“, erklärte Dekan Michael Kunze den Ort, „denn Kirche ist eine gesellschaftliche Größe, die gehört werden muss.“ Medovic kontert in seiner Ansprache: „Muss denn über alles das Sahnehäubchen Religion gestülpt werden? Ist das nicht übergriffig?“ Will der Mann seine eigene Position kritisieren?

Der Vorstandsvorsitzende des DJK Eiche, Bernd Hörber, sieht die Aufgabe des Geistlichen positiv. „Pfarrer Medovic hilft sehr. Er unterstützt den Vorstand im Miteinander“, sagt er. Medovic ist Schulpfarrer in der katholischen Marienschule und hat eine halbe Stelle als Pfarrer der Gemeinde Heilige Dreifaltigkeit. Die Tätigkeit des geistlichen Beirats ist ehrenamtlich.

Hörber gibt zu, dass einige Vereinsmitglieder nach einem Jahr ohne Geistlichen – es fand sich keiner – skeptisch waren, als sich wieder ein Pfarrer im Verein blicken ließ. Medovic, gebürtiger Berliner, ist seit 2009 in Offenbach. Die Vereinsmitglieder hätten sich überzeugen lassen. Schließlich sei das ein Pfarrer, der mitten im Leben stehe und es gelinge ihm, Bibelzitate auf den Alltag zu übertragen. Die christliche Prägung finde sich ohnehin im DJK Eiche. Nicht umsonst verschreibe sich der Verein dem Breitensport und nicht dem Leistungssport. Das bedingungslose Siegen passe nicht zum christlichen Ansatz. Mitglied werden darf jeder, egal ob oder welcher Religion er angehört. Hörber ist evangelisch.

Geht Religion und Sport also doch zusammen? „Ich habe nur mal drüber nachgedacht, die Funktion im Verein in Frage zu stellen“, sagt Medovic. Aus Zeitmangel sei er nicht zufrieden mit seinem Engagement. Aber aufgeben sei auch nicht drin. So ganz viel Engagement ist wohl gar nicht nötig. Die Kirche solle sich etwas abschauen davon, wie die Menschen in Vereinen miteinander umgehen, sagt Medovic abschließend. Da könne die Kirche etwas lernen.

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