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Skulpturen Lilipark Offenbach Kaugummi im Ohr

Die Skulpturengruppe am Lilipark ist Opfer von Vandalen geworden. Die Nasen sind abgeschlagen, die köpfe verschmiert und mit Kaugummi beklebt. Auch der Zahn der Zeit nagt am Sandstein.

Steinköpfe in der Öffentlichkeit haben es nicht leicht: ein Kaugummi im Ohr, eine Zielscheibe auf der Stirn. Foto: Monika Müller (3)

Stinksauer schauen die steinernen Herren drein. Kein Wunder, denn sie sehen grausig aus. Als hätten sie sich gegenseitig die Nasen poliert. Keiner der Vier ist noch im Besitz seines gesamten Riechkolbens.

Gemeint sind die Skulpturen aus Sandstein gegenüber dem Haus der Stadtgeschichte. Sie stellen den Geschäftsmann Adam Seelmann und den ehemaligen Oberbürgermeister Wilhelm Brink im Streitgespräch dar. Der junge Mann links ist Seelmanns Sohn Engelbert und der Alte rechts Architekt Max Schröder.

Streitende Köpfe

Dem OB Brink prangt eine Zielscheibe auf der Stirn. Vielleicht eine Provokation an Tauben? Denn diese können wegen eines Rahmens aus Metall unmöglich seinen Kopf mit ihrem Unrat treffen.

Adam Seelmann soll der bärtige Anzugträger sein. Ihm stecken ein gekauter Kaugummi im einen und ein Eichelhäubchen im anderen Ohr. Sicher wollten umsichtige Passanten ihn vor Fluglärm schützen.

Die Steinköpfe sind streitend dargestellt, weil Seelmann seiner Zeit mit der Obrigkeit in Konflikt geriet. Die Stadt beschnitt für einen breiten Bürgersteig sein Grundstück. Darauf errichtete Architekt Max Schröder 1902 in Seelmanns Auftrag das Offenbacher Kaufhaus „Consumhaus“ an der Ecke Marktplatz, Frankfurter Straße. Die Skulpturengruppe zierte den Eingang. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kaufhaus beschädigt und 1968 abgerissen.

Erbärmlicher Zustand

Bis 2009 befand sich die Skulpturengruppe im Stadtmuseum, dann wurde sie am Eingang zum Lilipark für die Öffentlichkeit sichtbar aufgestellt und seitdem schon des öfteren Opfer von Vandalismus. Leiter des Hauses für Stadtgeschichte Jürgen Eichenauer schlug selbst einmal eine brennende Zigarette aus einem der steinernen Münder: „Jugendliche hatten sie hineingesteckt“, sagt er. Laut Fachreferentin für Stadtgestaltung Hanne Münster-Voswinkel nagt auch der Zahn der Zeit an den Nasen der Herren.

Eichenauer und Münster-Voswinkel wollten das Werk zugänglich machen und sind bis heute davon überzeugt: „Es lädt die Bürger ein sich mit der Stadtgeschichte zu identifizieren“, sagt Eichenauer. Schwere Schäden, so Münster-Voswinkel, habe es nicht gegeben. Es seien lediglich „Schönheitskorrekturen“ notwendig.

Demnächst steht eine Reinigung an. Die Schnute des jungen Seelmann sieht aus, als hätte er ein Nutellabrot genüsslich verzehrt. Am schlechtesten steht es jedoch um Architekt Schröder. Sein Ohr scheint zu bluten, sein Gesicht ist um die dunklen Augenhöhlen eingefallen. Kein Passant hat sich bis jetzt getraut, ihn noch mehr zu verschandeln. Kein Wunder, denn er sieht grausig aus.

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