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Schulstart „Fast jede Kita hat ein Sprachprogramm“

Ärztin Barbara Schneider spricht im Interview über Defizite im Elternhaus und fehlende Bewegungsangebote.

Barbara Schneider
Barbara Schneider, Ärztin, ist seit 1992 für die Kinder- und Jugendmedizin im Offenbacher Stadtgesundheitsamt zuständig. Foto: privat

Haben die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchung Sie überrascht?
Nein, wieso?

Weil die Stadt angeblich so viel für Zuwandererkinder tut, sich aber deren Deutschkenntnisse drastisch verschlechtert haben.
Diese Entwicklung hat sicher mit der massiven Zuwanderung zu tun. Diese Kinder haben die Kita häufig nur sehr kurz besucht. Ein weiteres Problem ist, dass sie sich in den Kitas mit Muttersprachlern zusammentun.

Sind die Kindergärtnerinnen nicht genügend sensibilisiert?
Das kann ich nicht sagen. Aber ich weiß, fast jede Kita hat ein Sprachprogramm. Möglicherweise ist die Gruppenstärke nicht optimal für eine Förderung.

Sie fordern, Erzieherinnen sollten gut Deutsch sprechen. Das ist aber wohl nicht immer der Fall.
Das ist auch so, das betrifft aber nicht alle Kitas.

Ich habe Erstklässler erlebt, die noch nie ein Buch in der Hand hatten. Wie kann das sein?
Nach zwei, drei Jahren in der Kita sollte das nicht mehr passieren. Es gibt in Offenbach einige Projekte, die Familien versuchen klarzumachen, was Kindern für eine gute Entwicklung hilft. Aber die frisch zugezogenen Kinder konnten von diesen Programmen nicht profitieren.

Kinder haben auch motorische Defizite, und sie sind zu dick.
Wegen des Übergewichts sind wir hessenweit leider Spitze. Das hat vermutlich kulturelle Gründe. Alles muss heute schnell gehen. Ich höre oft, dass Essen kein Familienereignis mehr ist. Das läuft nebenbei, dabei wird Fernsehen geschaut. Es gibt teilweise keine Esstische mehr. Und es herrscht in einigen Kulturen ein anderes Schönheitsideal. Gerade in der Innenstadt müssen mehr Angebote zur Bewegung geschaffen werden, und Eltern müssen darauf achten, dass die Kinder weniger vor dem Fernseher sitzen oder andere Medien nutzen.

Warum sind Jungen besonders betroffen?
Bei der sprachlichen Entwicklung sind sie generell etwas langsamer als die Mädchen, holen das aber später teilweise auf.

Interview: Agnes Schönberger

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