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Schmuck Auf der Goldwaage

Viele Offenbacher verkaufen ihren Schmuck und machen gute Geschäfte mit alten Familienstücken.

Goldkäufer Toni Dogan begutachtet die Ware kritisch. Foto: Michael Schick

Die Leute sind außer Rand und Band“, sagt Goldankäufer Toni Dogan. Seit der Goldpreis vor einigen Wochen die 40000-Euro-Marke pro Kilo geknackt habe, böten die Leute ihm alles zum Kauf an, was sie fänden. „Sie bringen vor allem unmodischen alten Schmuck vorbei“, so Dogan. „Meist sind es Erbstücke.“ Vor zweieinhalb Jahren war Gold nur halb so viel wert. Jeder, der irgendwo eine Schatulle mit Schmuck der verstorbenen Oma hat, scheint die in diesen Tagen herauszukramen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass der Goldpreis immer weiter steigt. Am Geldautomaten wird geworben, sogar die Bildzeitung hat groß darüber berichtet.

„Es gibt zwei Arten von Kunden“, hat Dogan beobachtet, der in der Offenbacher Fußgängerzone eine Franchise-Filiale für den Ankauf von Gold führt. Einige hätten sich einen Preis zum Ziel gesetzt, bei dem sie ein Schmuckstück verkaufen. Andere hätten schon entschieden, dass sie ein bestimmtes Stück verkaufen wollten und suchten nur noch nach dem besten Angebot.

Geld bar auf die Hand

In den letzten Wochen hat Dogan aber auch schon ein paar Mal erlebt, dass Passanten Schmuckstücke aus Neugierde hätten schätzen lassen wollen und dann gleich mit dem Geld nach Hause gegangen sind. Rund 20 Kunden kämen derzeit pro Tag, um ihm Gold zu verkaufen. Manchmal auch mehr. Früher waren es vielleicht fünf.

Das Geld für die Stücke zahlt er bar aus. Die Gunst der Stunde hat auch Sonia Aguedo Lopez genutzt. Die Spanierin kommt an diesem Morgen mit einem großen Goldring, einem Armband und einer Halskette in den Laden.

Dogan begutachtet die Stücke mit der Lupe; sucht die Prägung, die die Legierung verrät. Steht 333 drauf, dann ist 33,3 Prozent Gold darin enthalten; das entspricht acht Karat Gold; steht 585 drauf, enthält sie 58,5 Prozent Feingold; das gilt als 14 Karat. „Auf dem Ring ist ein arabischer Stempel“, sieht er. „Das sind 18 Karat“ – die Legierung enthält also 75 Prozent Gold. Auf dem Armband steht nichts.

„Sieht aus wie acht Karat“, sagt er. „Aber ich prüfs trotzdem mal.“ Dazu nimmt der 28-Jährige das Geschmeide und reibt es auf einem etwa fünf Zentimeter langen schwarzen Stein, bis darauf ein Goldstreifen sichtbar wird. Dann nimmt er Salpetersäure zu Hilfe. Für jede Legierung gibt es eine Lösung. Verfärbt sich das Gold nicht, hat er die richtige Karatzahl gefunden. „Verfärbt es sich, dann frisst die Säure das Gold auf.“

Altgold wird eingeschmolzen

Steht die Karatzahl fest, die den Prozentsatz an Gold in der Metallverbindung bezeichnet, kommen die Stücke auf die Goldwaage. Der Preis, den Dogan den Kunden anbietet, orientiert sich am aktuellen Kurs, abzüglich einer Gewinnmarge. „Das waren alte Sachen“, sagt Aguedo Lopez. Sie trage eh lieber Silberschmuck. Mit 250 Euro verlässt sie freudig das Geschäft. Kaum ist sie weg, bricht Dogan mit der Zange den Stein aus dem Ring. Ihn interessiert das Gold. Es wird im Mutterhaus des Franchisegebers in Gießen eingeschmolzen und an die Scheideanstalt in Hanau verkauft. Die verarbeitet es zu Feingoldbarren mit einem Goldgehalt von 99,9 Prozent und verkauft es an Großhändler. Käufer der Goldbarren sind etwa Goldschmieden oder Investoren.

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