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Rodgau Rad statt Rollstuhl

Trotz Multipler Sklerose führt Andreas Beseler eine Tour nach Barcelona an. Der Rodgauer Sportler des Jahres will in zwölf Tagen die Stadt in Nordspanien erreichen.

Andreas „Besi“ Beseler und sein Team vor dem Start. Foto: Monika Müller

Dem Rodgauer Sportler des Jahres fällt das Gehen schwer. Längere Strecken legt er nur mit Stock zurück. Seit mehr als 20 Jahren leidet Andreas Beseler an Multipler Sklerose. Die chronische Krankheit lässt seine Muskeln verkrampfen, den ganzen Körper versteifen. Sie raubt ihm die Konzentration und lässt ihn schnell ermüden.

Längst könnte Beseler, den seine Freunde „Besi“ nennen, im Rollstuhl sitzen. Stattdessen ist der 48-Jährige gestern Morgen aufs Rad gestiegen. Und das nicht für eine kleine Runde rund um Jügesheim. In zwölf Tagen will Beseler in Barcelona sein. Knapp 1750 Kilometer liegen vor ihm, 22 500 Höhenmeter sind zu überwinden.

Etwa 70 Radfahrer werden Beseler begleiten. Einige fahren nur ein paar Etappen mit. 33 wollen den gesamten Weg nach Barcelona schaffen. Gut 200 Menschen sind gestern früh morgens in die Jügesheimer Radsporthalle gekommen, um sie zu verabschieden. Kurz nach 9 Uhr gibt Bürgermeister Jürgen Hoffmann den Startschuss. Erstes Ziel ist Heidelberg. Ein Fernsehteam wird die Tour begleiten.

Das Feld ist sehr gemischt. Spitzensportler wie die Triathletin Meike Krebs sind dabei, gut trainierte Hobbyradfahrer, aber auch Sportler, die wie Beseler an schweren Krankheiten leiden. Einer der Teilnehmer wird jeden Abend eine Dialyse benötigen. Außer Beseler leiden noch drei weitere Sportler an Multipler Sklerose. Ein Mann war sogar trotz eines Hirntumors für die Fahrt angemeldet. Es wird still in der Radsporthalle als „Besi“ mitteilt, dass der Radfahrer vergangene Woche an seinem Leiden gestorben ist.

Katharina Kutger hat „Besi“ in einem MS-Forum kennengelernt – und ist offenbar genauso sportverrückt. Klar sei sie am Boden gewesen, als die Ärzte die unheilbare Krankheit diagnostizierten, sagt die 34-Jährige, die schon ihr Radtrikot trägt. „Aber ich hab mich schnell wieder aufgerappelt.“ Sie arbeitet wie jeder andere, fährt viel Rad und läuft sogar Marathon. „Wenn ich den Sport weggelassen hätte, wäre es schlimmer“, vermutet die Mannheimerin.

Spenden für eine Stiftung für MS-Kranke

„Das Radfahren ist wie eine Krankengymnastik für mich“, sagt Beseler, der gut ein Jahr in die Organisation der Tour gesteckt hat. „Das macht die Muskeln locker.“ Für ihn ist es nicht die erste große Tour. Im vergangenen Jahr fuhr er mit Freunden durch Kanada. Längst gilt er vielen als ein Hoffnungsträger, seine Geschichte als ein Beispiel, das Mut macht.

Beseler und seine Freunde wollen aber auch ganz konkret Erkrankten helfen, mit ihrer Tour nach Spanien Spenden sammeln für die Nathalie-Todenhöfer-Stiftung, die Menschen mit Multipler Sklerose unterstützt. Wer will, kann etwa einen Cent pro Kilometer geben. Beseler hofft, dass 50 000 Euro zusammenkommen.

www.rad-statt-rollstuhl.de

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