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Rodgau Die DDR ist Geschichte

Viele Jahre stellte Günther Jäkel seine private Sammlung aus: Exponate, die die innerdeutsche Teilung dokumentieren., Gegenstände des Alltags in der DDR. Das Interesse war nicht überragend. Im Mai schloss er das Privatmuseum - für immer und unbemerkt von der Öffentlichkeit.

In Rodgau nicht mehr zu sehen: Historische Exponate, die vom Alltag an der innerdeutschen Grenze zeugen. Foto: Andreas Arnold

Die DDR ist Geschichte. Und das DDR-Museum in Nieder-Roden auch. Bereits im Mai hatte Günther Jäkel, ein ehemaliger Bundesgrenzsoldat, seine private Sammlung mit Original-Exponaten aus der DDR geschlossen. Der Schlussakt erfolgte unbemerkt von der Öffentlichkeit. So unbemerkt wie die jahrelange Existenz der Ausstellung selbst. Denn trotz medialer Berichterstattung in Zeitungen und Fernsehen war die nur wenigen bekannt – und blieb bis zum Schluss ein Geheimtipp.

Sein Vermieter habe die beiden 63 Quadratmeter großen Kellerräume selbst nutzen wollen, sagt Günther Jäkel. Aber das Interesse sei sowieso nicht so groß gewesen. „Zwei Drittel der Besucher kamen aus den neuen Bundesländern, vor allem aus Sachsen und Thüringen“, erzählt er. Im Rhein-Main-Gebiet aber ging das Interesse „gegen null“.

Ein Umstand, den viele Medienvertreter, die ihn besuchten, ins Staunen versetzt habe. Neue Räume habe er nicht finden können, zumal er die doppelte Fläche hätte gebrauchen können, erzählt Jäkel weiter. Unterstützung von der Stadt habe er nicht erhalten und auch Schulklassen seien nur selten zu Besuch gekommen.

Winfried Döring, Schulleiter der Georg-Büchner-Schule in Jügesheim, bedauert: Von einem DDR-Museum habe er nichts gewusst: „Gerne hätten wir dieses aus unserer Sicht interessante Angebot für den anschaulichen Geschichts- und Politikunterricht genutzt“, schreibt er der FR. „So wäre uns womöglich die weite Anreise mit einigen Klassen nach Bonn erspart geblieben.“

Natürlich konnten Jäkels privat zusammengetragene Exponate nicht mit dem Haus der Geschichte mithalten. Doch zeigte seine Sammlung nicht nur zahllose selbst gemachte Fotos und Exponate, die vom Alltag der Soldaten an der innerdeutschen Grenze und vom Leben in der DDR zeugen. Jäkel selbst ist ein Zeitzeuge, der zwischen Sandmännchen und Pionieruniform viele Geschichten erzählen konnte von seiner Zeit am Todesstreifen, und davon, wie es ist vom Nachbarn als Klassenfeind betrachtet zu werden.

Auch andere Schulen wussten nichts von diesem historischen Kleinod vor ihrer Haustür. Andrea Haus, Schulleiterin der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden, sagt: „Wenn wir davon gewusst hätten, hätten wir das Museum natürlich gern für uns genutzt.“

Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) sagt, die Existenz des Museums sei in den Schulen durchaus kommuniziert worden. „Ich selbst war zwei oder drei Mal da.“ Pressesprecherin Sabine Fischer sieht die Stadt nicht in der Verantwortung: „Wir hängen uns auch nicht in die Heimatmuseen in Jügesheim oder Nieder-Roden hinein. Und die Kommune wirbt auch nicht an den Schulen. Die Öffentlichkeitsarbeit müssen die Träger selbst machen. Das ist keine kommunale Aufgabe.“

Doch die historische Sammlung ist nicht verloren. Günther Jäkel will sie der Öffentlichkeit im nächsten Sommer wieder zugänglich machen: auf Schloss Wespenstein in Gräfenthal. Das ist in der südthüringischen Provinz, im ehemaligen Grenzgebiet. Vom neuen Standort verspreche er sich ein größeres Interesse, sagt Jäkel. Obwohl Südthüringen selbst auch ein Geheimtipp ist, ein touristischer.

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