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Rassismus-Vorwurf Fahrgäste beklagen ruppigen Ton von Busfahrern

Der FR-Bericht über das Erlebnis einer Marokkanerin in Offenbach löst eine Welle von Reaktionen aus.

Rassismus-Vorwurf in Offenbach
Glaubt, dass Hemmschwelle für rassistisch motiviertes Handeln sinkt: Yasmaa El-Mallah vor ihrer Bushaltestelle in Offenbach-Bürgel. Foto: Monika Müller

Die Busfahrerin hat mich als dreckige Fotze und Schlampe betitelt und gesagt, dass wir hier in Deutschland wären und sie deshalb tun und lassen kann, was sie will.“ Das hat Yasmaa El-Mallah aus Offenbach-Bürgel vergangene Woche der FR erzählt, woraufhin wir einen Bericht über den Fall veröffentlichten. Die 40-jährige Marokkanerin hatte sich zuvor über den ruppigen Fahrstil der Busfahrerin beschwert. Diese bestreitet, ausfällig geworden zu sein – unbestritten ist aber, dass sie sich einige Wochen später weigerte, El-Mallah zu befördern. Erst als diese den Bus wieder verlassen hatte, fuhr sie los. Ein Sprecher der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) entschuldigte sich und sprach von einem „Ausnahmefall“. Man werde „arbeitsrechtliche Maßnahmen“ ergreifen.

Etliche Kommentare

Im Internet zog der Bericht unter dem Titel „Linie 101 fährt ohne Frau El-Mallah“ eine wahre Flut an Kommentaren nach sich – auf www.fr.de und auf Facebook. Manche beschwerten sich wie Yasmaa El-Mallah über ausländerfeindliche Kommentare. Facebook-Nutzerin Nora L. etwa schrieb, sie habe zwei Mal erlebt, wie Fahrer Fahrgäste mit Sätzen wie „lern gefälligst besser Deutsch“ beschimpft hätten.

Die meisten Kommentare bezogen sich jedoch auf den rüden Fahrstil oder die Unfreundlichkeit mancher Fahrerinnen und Fahrer in Offenbach. Frau J. bestätigte das auf Nachfrage telefonisch: Sie habe neulich in einem Bus der Linie 104 gesessen, als dieser äußerst abrupt anfuhr, weshalb eine alte Frau mit Rollator zu Boden stürzte. „Zwei, drei Fahrgäste haben der Dame wieder aufgeholfen, aber der Fahrer hat sich null dafür interessiert“, hatte J. zuvor als Kommentar unter den FR-Artikel geschrieben. Andere Fahrgäste berichten davon, wie Busse an Stationen vorbeifahren, mit Tempo 60 durch enge Straßen rasten oder so stark bremsten, dass Leute zu Boden stürzten.

Mit den Kommentaren konfrontiert, antwortet die OVB ausführlich. Zum einen führe man regelmäßig unangekündigte Qualitätskontrollen durch, zum anderen befrage ein unabhängiges Institut zwei Mal im Jahr Fahrgäste nach ihrer Bewertung von Pünktlichkeit, Sicherheit und anderen Kriterien. „Das Gesamtergebnis ist seit Jahren gut“, sagt OVB-Sprecher Jörg Muthorst. Im Bereich „Freundlichkeit und Kompetenz des Fahrpersonals“ sei 2017 die Note 2,2 vergeben worden – und im ersten Halbjahr 2018 die Note 2,3.

„Das sind gute Werte, wir arbeiten aber natürlich daran, noch besser zu werden“, so Muthorst. Das soll durch Schulungen des Fahrpersonals erfolgen. Außerdem führe man drei Mal im Jahr Mitarbeiterinformationen durch, bei denen auch der Fahrstil und der Umgang mit Fahrgästen thematisiert werde. Und es werde allen Beschwerden nachgegangen.

Probleme gesteht Muthorst bei der Pünktlichkeit ein – es gebe „gelegentlich“ zu frühe Abfahrten: „Wir versuchen, dieses Ärgernis in den Griff zu bekommen.“ Der OVB-Sprecher erwähnt aber auch, dass es Beleidigungen und körperliche Übergriffe von Fahrgästen gebe: „Langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestätigen übereinstimmend, dass die Kundschaft schwieriger geworden sei.“

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