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Problem-Wels Weiter Aufregung um Problem-Wels

Der Problem-Wels aus dem Offenbacher Dreieichweiher ist noch nicht gefangen. Die FR erklärt, welche Gesetze bei einem Fang zu beachten sind und wie der Wels in den kleinen Teich gekommen sein könnte.

Tiere in Offenbach
Diese beiden Jungen sind extra in den Dreieichpark gekommen, um den Wels zu sehen. Doch der lässt sich nicht blicken. Foto: Monika Müller

Gesehen hat ihn noch keiner: den Wels aus dem Weiher im Dreieichpark, den manche Medien unfreundlich als „Enten-Killer“ und „Monster“ bezeichnen. Der Fisch mit den Glubschaugen ist berühmt geworden, weil er sich nicht nur von Artgenossen unter Wasser (also unbeobachtet) ernährte, sondern vor etwa zwei Wochen auch flauschige Entenküken verspeiste. Dabei stehen die unter Artenschutz. Zum großen Sommerlochthema konnte der Wels werden, weil es bislang nicht gelungen ist, ihn zu fangen. Und weil Tierschützer mächtig Wirbel machen, um seine Tötung zu verhindern. Andere halten das für eine gute Idee und schlagen ein Nachtangeln mit Grillparty vor.

Warum konnte der Wels noch nicht gefangen werden?
Die Stadt hatte einen Angelsportverein beauftragt, den Wels zu jagen. Die Hobby-Angler machten nach Protesten von Tierschützern, die Aktionen vor Ort angekündigt hatten, einen Rückzug. Es habe „Hasstiraden“ gegen die Angler gegeben, sagte ein Vereinsmitglied. Die Aufgabe soll nun ein Berufsfischer übernehmen, die Stadt ist noch nicht fündig geworden.

Wie kam der Wels in den nur 2530 Quadratmeter großen und 30 bis 80 Zentimeter tiefen See?
Darüber gibt es nur Vermutungen. Eine besagt, Enten hätten ihn als Fischlaich an den Flossen eingeschleppt. Aber auch Vögel könnten den Laich von einem See in den anderen übertragen haben.

Warum frisst der Wels Küken?
Angeblich hat er bereits alle Artgenossen im Weiher vertilgt und sich deshalb an den Kücken von Stockenten und Teichhühnern vergriffen. Der Verband hessischer Fischer spricht von einem „ganz natürlichen Vorgang“, der täglich mehrfach an unseren Gewässern stattfinde.

Was weiß man über den Wels?
Er ist ein Raubfisch, zu dessen Beutespektrum auch kleine Wasservögel, Ratten, Mäuse oder Frösche gehören. In Hessen gibt es für ihn keine Schonzeit, das heißt er kann jederzeit geangelt und verzehrt werden. Der Wels im Dreieichweiher war erstmals 2017 gesichtet worden. Damals war er 1,30 Meter groß. Inzwischen dürfte er etwa 1,50 Meter groß sein.

Was wollen Tierschützer?
Die Tierrechtsorganisation Peta verlangt, den Wels umzusiedeln statt ihn zu töten. „Genau wie die Vögel und die anderen Fische im Weiher will der Wels unversehrt und in Freiheit leben“, meint Peta-Meeresbiologin Tanja Breining.

Wie ist die rechtliche Situation?
Nach Angaben des Fischerverbands würde ein Umsetzen des Fisches in ein anderes Gewässer dem Tierschutz- und dem Fischereigesetz widersprechen. „In einem solchen Fall würden wir Strafanzeige erstatten“, so VHF-Vorsitzender Günter Hoff-Schramm. Auch das Umsiedeln in stehendes Gewässer, wie es die Stadt anstrebt, sei nach dem Gesetz kein vernünftiger Grund. Nur das Angeln zum Zwecke des Verzehrs sei legitim, sagt er. Das Regierungspräsidium (RP) hat eine Umsiedlung des Welses in den Main oder Rhein verboten, da es sich um einen nicht heimischen Raubfisch aus der Donau handle.

Wie könnte der Wels überleben?
Laut RP könnte er in ein stehendes Gewässer umgesiedelt werden. Sollte dies mit Elektro-Fischerei geschehen, würde die dafür erforderliche Genehmigung kurzfristig erteilt, so RP-Sprecher Christoph Süß. Er betont: „Ansonsten bleibt natürlich auch noch die Möglichkeit zum Abfischen und Verzehr des Tiers.“ Nach Angaben der Stadt haben sich mehrere Interessenten gemeldet, die den Wels nehmen würden. Das Problem: Der Fischerverband sieht auch in diesem Fall einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz und will in diesem Fall Anzeige erstatten.

Stimmt es, dass der Wels den ganzen Teich leergefressen hat?
Fachautor Ruwen Koring glaubt das nicht. Denn ein Wels würde im Jahr nicht mehr fressen, als er selbst wiege. Das Gewicht des 1,50-Meter-Welses schätzt er auf 20 bis 25 Kilogramm. Hoff-Schramm vom Fischerverband nennt die Behauptung Unfug.

Wird der Wels jetzt verhungern?
Das halten der Fischerverband und Ruwen Koring für unwahrscheinlich. Er komme lange Zeit ohne Nahrung aus und ernähre sich auch von Schnecken, Würmern und Insekten.

Warum wurde der Wels nicht mehr gesehen?
Zum einen ist er nachtaktiv, zum anderen treibt sich der Wels nach der Nahrungsaufnahme auf dem Grund herum und verdaut. Das kann bei einem großen Fisch bis zu zwei Wochen dauern.

Der Wels saugt sein Opfer an und zieht es unter Wasser. Müssen Menschen vor ihm Angst haben?
Nein, sagen Experten. Der europäische Flusswels sei für Menschen ungefährlich, weil wir nicht in sein Beuteschema passten.

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