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Porträt Kein Blut im Goethehaus

Der Offenbacher Autor Bernd Köstering schickt einen Literaturwisenschaftler auf die Jagd nach einem Kunstdieb. Dieser hinterlässt am Tatort stets ein Goethe-Gedicht. Von Madeleine Reckmann

Goethe steht im Mittelpunkt des Literaturkrimis "Goetheruh" des Offenbacher Autors Bernd Köstering. Offenbach hat in dem Buch nur einen Gastauftritt: Hier lebt die Mutter des Ich-Erzählers Hendrik Wilmut. Foto: dpa

Immerhin, Offenbach wird in Bernd Kösterings erstem Roman kurz erwähnt. Der Autor aus Offenbach lässt die Mutter des Ich-Erzählers Hendrik Wilmut dort leben. Ansonsten spielt der Literaturkrimi "Goetheruh" in Weimar und Frankfurt. Es geht um Goethe.

Natürlich Goethe, Köstering liebt Goethe. "Wie er die wichtigen Dinge des Lebens in Worte packt, man möchte sofort begeistert zustimmen, und so schöne Worte", schwärmt er und rezitiert auswendig das Gedicht "Eigentum": "Ich weiß, dass mir nichts gehört/ als der Gedanke, der ungestört/ aus meiner Seele will fließen...." Es ist, als hätte der 55-Jährige sich immer mit Literatur beschäftigt, so versiert, tiefsinnig und feingeistig, wie er wirkt.

Dabei ist Köstering, der seit 1991 mit Frau und zwei Töchtern in Offenbach lebt - und das gerne, wie er beteuert -, ein Spätberufener. Köstering ist Ingenieur für Medizintechnik und in einem amerikanischen Unternehmen für Ultraschallgeräte in Solingen für Vertrieb und Marketing zuständig.

Nur für Geburtstage texten ist ihm zu wenig

Die Arbeit mit Texten hat ihm immer Spaß gemacht. Beruflich erklärt er hoch komplizierte Geräte in allgemeinverständlichen Worten. Privat ist er auf Hochzeiten oder Geburtstagen gerne mit eigenen Gedichten oder Liedtexten dabei. "Der kreative Bewegungsspielraum wurde mir zu eng", sagt Köstering.

Er beginnt zu schreiben. Nachdem er sich zu Beginn der 2000er Jahre regelmäßig seine Geburtsstadt Weimar und dort das Goethehaus besucht, kommen ihm die Ideen. "Ich wollte kein Blut im Goethehaus fließen lassen", sagt er. Köstering lässt Goethe-Exponate verschwinden und den Dieb Goethe-Zitate hinterlegen. Die Polizei zieht einen Literaturwissenschaftler zurate, Hendrik Wilmut. Der tastet sich an den von Goethe besessenen Dieb heran.

Jetzt prickelt das Leben

Sechs Jahre recherchiert Köstering, entwirft Plot und Figuren, schreibt und korrigiert. Zunächst für sich, lässt später Familie und Freunde lesen. Die empfehlen, das Werk schließlich einem Verlag anzubieten. Der Gmeiner Verlag beißt an. Im Februar ist das Werk auf dem Markt. Inzwischen sind die 2000 Stück der Erstauflage fast verkauft und eine zweite Auflage in Planung.

Seit Februar verändert sich Kösterings Leben. "Es prickelt jetzt", erzählt er. Das sachliche und strukturierte Leben des Technikers tritt in den Hintergrund. Er trifft kreative Menschen, besucht Lesungen, tauscht sich rege über Dichtung aus. Die Zeitung ruft an, der Mitteldeutsche Rundfunk hat einen Beitrag über ihn gedreht.

"Ich habe mit dieser Entwicklung nicht gerechnet", sagt er. Er habe sein Buch betrachtet wie eines der Produkte, die er vermarktet, habe nüchtern Stückzahlen und Zielgruppe abgeschätzt. Und nun? "Die kreative Welt gefällt mir", gibt er zu. Köstering arbeitet bereits an seinem zweiten Roman.

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