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Polizist vor Gericht Dein Freund und Erpressungs-Helfer

Ein Offenbacher Kripobeamter hat offenbar im großen Stil Geld von Spielhöllenbetreibern und Schutzgelderpressern genommen. Schwerkriminelle konnten ungestört ihren Geschäften nachgehen, weil der altgediente Beamte sie vor Kontrollen seiner Kollegen warnte.

Justitia achtet auf Gerechtigkeit. Foto: ddp

Bestechlichkeit, Geheimnisverrat und Strafvereitelung, das Ganze in 22 Fällen. Die Liste ist lang, mit der die Offenbacher Staatsanwaltschaft in den Prozess gegen einen Kriminalbeamten aus dem Polizeipräsidium Südosthessen geht. Der 60-Jährige war unter anderem zuständig für Ermittlungen bei Glücksspielen und Schutzgelderpressungen. Von Menschen aus diesem Milieu soll er zwischen März 2007 und Juni 2009 Bestechungsgeld genommen haben. Im Gegenzug soll er sie vor Kontrollen gewarnt oder Anzeigen gegen sie nicht verfolgt haben. So habe er sich, teilt das Landgericht Darmstadt mit, „teilweise eine fortlaufende Einnahmequelle verschaffen wollen“.

Der Prozess beginnt am 17. Januar im Landgericht Darmstadt vor der 15. Strafkammer mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen. Angeklagt werde dort aufgrund des zu erwartenden Strafmaßes, sagt die Leiterin der Offenbacher Staatsanwaltschaft, Annette von Schmiedeberg, zur Frankfurter Rundschau. Allein für gewerbsmäßige Bestechung sei das mindestens ein Jahr. Schon jetzt hat die Kammer sechs Verhandlungstage angesetzt. Das liege auch an der Zahl der Zeugen, fast 40 seien geladen, allein zwölf am zweiten Verhandlungstag, sagt Gerichtssprecher Harald Wellenreuther.

Seit 40 Jahren bei der Polizei

Umfangreich ist auch die Anklageschrift. So soll der Mann, der seit fast 40 Jahren im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen arbeitet, zum Beispiel einem Betreiber von illegalen Glücksspielen in Offenbach Kontrollen angekündigt und dafür 300 bis 400 Euro erhalten haben. Um 200 bis 250 Euro sei es bei einem Spielkasino in Seligenstadt gegangen.

Verwickelt sein soll der Angeklagte auch in einen spektakulären Fall von Schutzgelderpressung, den die Behörden vor knapp einem Jahr veröffentlicht hatten. Ein Zwillingspaar, Trainer in einem Kick-Box-Club, soll systematisch Schutzgeld von Geschäftsleuten in Offenbach und Umgebung erpresst haben. Ein Bruder wurde im Februar 2010 gefasst, nach dem anderen werde noch gesucht, sagt von Schmiedeberg.

Der Kriminalbeamte soll den Zwillingen Verhaltenstipps und Hinweise aus dem Informationssystem der Polizei gegeben haben. Zudem soll er ohne Erlaubnis einen Revolver samt Munition besessen haben.

Seit Ende Juni 2009 ist der Mann vom Dienst suspendiert. Anfang 2009 habe sich eine Person an die Polizei gewandt, von Schmiergeld berichtet und so die Ermittlungen angestoßen, sagt von Schmiedeberg. Ermittelt hat die Abteilung interne Ermittlung Amtsdelikte des Landeskriminalamts.

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