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Offenbach Wenn aus Xi einfach Bettina wird

Chinesische Altenpflegerinnen kommen aus ihrem Heimatland nach Deutschland, um dort für ein besseres Gehalt zu arbeiten. Im Offenbacher Starthaus drücken sie die Schulbank, um medizinische Fachausdrücke und das Ausfüllen von Protokollen in Deutsch zu lernen.

Die deutschen Worte für die Organe und deren Funktionen wollen für chinesische Pflegekräfte erst mal gelernt sein. Foto: Sascha Rheker

Wie heißen Sie? „Elisabeth“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ungläubige Blicke: Wie eine Elisabeth sieht sie nun wirklich nicht aus. Die Frau mit den langen pechschwarzen Haaren und der typisch asiatischen Lidfalte lacht verschmitzt. Eigentlich heiße sie ja Zhihong, gibt sie zu. Aber weil sich die Seniorinnen und Senioren des Frankfurter Pflegezentrums „Am Wasserpark“ an der Friedberger Landstraße diesen Namen so schwer merken können, wurde er „eingedeutscht“. Genauso wie der ihrer vier chinesischen Kolleginnen, die dort arbeiten und im Offenbacher Starthaus allesamt vier Monate lang berufsbezogenes Deutsch für die Pflege erlernen.

Jenny, Katja, Elisabeth, Dominique und Bettina sind was Besonderes: Sie sind die ersten ihrer Zunft, die von außerhalb Europas kommen. Die fünf jungen Damen haben in China alles hinter sich gelassen, um in Deutschland in der Altenpflege zu arbeiten. Eine mutige Entscheidung, die sich finanziell nur für die lohnt, die im Norden und im Westen des „Reiches der Mitte“ gewohnt haben. Dort verdienen sie in ihrem Beruf nur die Hälfte. Im Süden und im Osten Chinas dagegen sei das Gehaltsniveau ähnlich wie in Deutschland, erzählt Jie, die Katja genannt wird.

Das Quintett ist hochqualifiziert. Die 24- bis 35-Jährigen haben die Pflege in ihrer Heimat vier bis fünf Jahre lang studiert, die meisten von ihnen in ihrer Studienzeit ein einjähriges Praktikum als Krankenschwester absolviert.

Arbeiten und Lernen

Nun arbeiten sie nicht mehr im Krankenhaus, sondern in der Altenpflege. 20 Stunden pro Woche kümmern sie sich im Frankfurter Curanum-Domizil um deutsche Senioren, die anderen 20 Stunden sind sie vom Arbeitgeber freigestellt, um im Offenbacher Starthaus die Schulbank zu drücken. Dort werden von der Pflegefachwirtin Andrea Wogatzke und der Sprachlehrerin Voichita Pienaru unterrichtet, lernen medizinische Fachausdrücke und das Ausfüllen von Protokollen. Noch sind sie nur Pflegeassistentinnen. Aber nach der Pflegedeutschprüfung am 7. und 8. Mai und den anschließenden theoretischen und praktischen Fachprüfungen dürfen sie sich Gesundheits- und Krankenpflegerinnen nennen.

Es ist nicht nur das Sprachproblem, das den kleinen schmächtigen Frauen zu schaffen macht. Die Arbeit sei schwer, weil „deutsche Menschen größer sind als Chinesen“, sagt Bettina, die eigentlich Xi heißt, und unverkennbar den Schalk im Nacken hat. Sie sei hierher gekommen, weil der Vater so gerne Bier trinkt, erzählt sie. „Vielleicht kann ich meinen Papa so das beste Bier mitbringen“, sagt sie mit einem breiten Grinsen. Da wundert’s nicht, dass die fröhliche Asiatin im Seniorenpflegeheim schon zwei „Fans“ gefunden hat. „Eine der Omas ist schon wie meine eigene Oma“, sagt sie.
Dass es große Unterschiede zwischen Deutschland und China gibt, haben alle schnell gemerkt: In ihrer Heimat sind sie mit Verbänden, Blutdruck messen oder Infusionen in der medizinischen Verantwortung. Die Basispflege übernehmen die Angehörigen.

Überhaupt ist hier einiges anders: Das Essen, „das ganz anders schmeckt“, die Busse, die längst nicht so vollgestopft sind wie in China, die Luft, „die viel frischer ist“, die China-Restaurants, die „in der Ausstattung chinesischer sind als in China“. In einem allerdings unterscheiden sich asiatische Frauen anscheinend wenig von ihren deutschen Altersgenossinnen: Vom ersten selbstverdienten Geld wurden Kleidung, Schuhe und Taschen gekauft.

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