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Offenbach Von Kiew nach Cannes

Mit „Road Movie Ukraine“ wollen zwei Offenbacher ins Dokumentarfilm-Programm des Festivals.

Ausgangspunkt: Der Maidan in Kiew. Foto: Lutz Jahnke

Außerhalb Kiews, scheint die Ukraine aufzublühen. Weite grüne Felder, aus denen sich kaum wahrnehmbare Hügel erheben, Flüsse die golden glitzern. Ein Ruderrennen, ein Grillfest. Bilder eines kurzen Frühlings weitab des Maidans. Einen scharfen Kontrast bilden die Bilder aus der ukrainischen Hauptstadt. Halbdunkle Musikkeller, Gespräche bei Nacht in einer WG-Küche, der Laminatboden im Wohnzimmer einer Kiewer Familie.

Allen Bildern, egal wo in der Ukraine sie entstanden sind, ist indes gemein, dass sie etwas überbordendes, beinahe barockes haben. Als ob das Leben aus dem Bildschirm herausströmt. „Man sagt, dass Schönheit die Welt retten wird“, sagt ein älterer Mann in einem grauen Kittel, ein Künstler aus Kiew, „das wird sie nicht.“

Bilder eines sehr kurzen Frühlings

„Mist! Das Bild muss runter!“ Solche Einwürfe rutschen Lutz Jahnke öfter heraus, wenn er sich die derzeitige Fassung von „Road Movie Ukraine“ ansieht. Es sind Aufnahmen die er selbst gemacht hat, zusammen mit Regisseurin und Partnerin Olga Petrova, letztes Jahr im Mai.

Seit ihrer Rückkehr aus der Ukraine arbeiten beide an der endgültigen Fassung ihres Dokumentarfilms, für den sie 14 Tage lang alle ihnen zugänglichen Ecken der Ukraine bereist haben. Wann genau und wo „Road Movie Ukraine“ Premiere feiern wird? Eine Präferenz haben die beiden Offenbacher Filmemacher: Cannes.

Es wäre ein spektakulärer Höhepunkt für einen betont ruhigen Film. Im Mai 2014 brachen Petrova und Jahnke auf, um das Portrait eines Landes zu filmen, das am Scheideweg steht. Die Revolte vom Maidan war beendet, Präsident Janukowitsch nach Russland geflüchtet und die Kämpfe im Donbass gerade erst am Aufflammen. Road Movie zeigt die Menschen der Ukraine, wie sie über das Geschehene reflektieren, sich fragen, wie es denn nun weitergehen soll.

In Kiew, Charkow, auf dem flachen Land oder vor der Ruine des Gewerkschaftshauses in Odessa, wo 40 Menschen ermordet wurden. Dazwischen sind immer wieder Szenen aus dem Alltag eingefügt. Und auffällig oft tanzende Menschen. Eine Interviewte spricht vom beginnenden Frühling, nach einem langen, grauen Winter. Es sollte ein kurzer Frühling bleiben.

„Road Movie Ukraine“ ist zu einem historischen Dokumentarfilm geworden, noch bevor er veröffentlicht wurde. Würde sie ihn heute noch einmal drehen, glaubt Petrova, er würde wohl anders ausfallen. So aber wie er jetzt ist, haben sie und Jahnke ihn für das Programm in Cannes vorgeschlagen. Wäre er dort im Dokumentarfilm-Programm zu sehen, würde sich für die beiden Offenbacher Filmemacher ein Traum verwirklichen. Die DVD mit der aktuellen Fassung sollte mittlerweile in Frankreich eingetroffen sein.

Doch selbst wenn es nicht so weit kommt, soll „Road Movie Ukraine“ schon bald einem größeren Publikum vorgestellt werden. Vorerst werden ihn nur Mitarbeiter und Helfer zu sehen bekommen, denn die Statuten des Filmfests in Cannes verbieten eine Veröffentlichung vorab. Doch es gibt bereits Anfragen. Von mehreren öffentlich-rechtlichen Sendern und einer ukrainischen TV-Station sowie von diversen Dokumentarfilm-Festivals. Wenn nicht Cannes dann eben Sundance oder das Odessa-Filmfestival.

Auf jeden Fall aber soll der Film dahin zurückkehren, wo er entstanden ist. Zusammen mit einem Musiker, den sie während der Dreharbeiten kennengelernt haben, planen sie eine Tournee durch ukrainische Programmkinos. Ob es am Ende Auszeichnungen regnet oder nicht, Olga Petrova ist mit ihrem Werk zufrieden. „Ich wollte in dem Film einfach meine Heimat zeigen“; sagt sie, das habe ich geschafft.“

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