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Offenbach Von Antisemiten beschimpft

An die antisemitischen Beleidigungen hat sich der Stadtschulsprecher Max Bonifer fast schon gewöhnt. Doch nachdem er von einem Jugendlichen mit dem Tod bedroht wird, will er die Offenbacher Schüler nicht mehr vertreten.

Fast täglich rufen ihm Jugendliche "Jude" auf der Straße hinterher: Max Moses Bonifer will nicht mehr Stadtschulsprecher in Offenbach sein. Foto: Renate Hoyer

An die Beleidigungen habe er sich fast schon gewöhnt, sagt Max Moses Bonifer. Daran, dass ihm Jugendliche auf der Straße fast täglich „Jude“ hinterherufen und es als Schimpfwort meinen, oder von einer „Judenaktion“ sprechen, wenn sie etwas für hinterhältig halten. „Es ist schlimmer geworden seit den letzten Kämpfen in Gaza“, sagt der Offenbacher Stadtschulsprecher. Letzte Woche erst seien ihm offenkundig muslimische Jugendliche nachgelaufen und hätten ihn mit dem Tode bedroht. „Das sind Schüler, die ich zu vertreten habe. Und das kann ich nicht mehr“. Deshalb legt der 18-Jährige sein Amt zum 1. Dezember nieder.

Streng genommen ist Bonifer eigentlich nur kommissarischer Stadtschulsprecher. Seine Amtszeit ist bereits im Sommer abgelaufen, er selbst nach Mühlheim gezogen. Doch weil sich kein anderer Kandidat für das Amt fand, übte er es weiter aus. Am 7. Dezember soll eigentlich ein neuer oberster Repräsentant der Schülerschaft in Offenbach gewählt werden. Ob sich jedoch genug Kandidaten finden, ist auch diesmal unklar. Bonifer allerdings will nicht einmal mehr bis zu diesem Datum durchhalten. Auch weil er mit der Integrationspolitik der Stadt nicht einverstanden ist. „Was Integration angeht, wird in Offenbach sehr viel beschönigt“, sagt der angehende Abiturient.“

Jede Menge Frust

In einer Email an diverse regionale Medien hat Bonifer seinem Unmut Luft gemacht. Unter den muslimischen Schülern sei ein reges Anwachsen radikalislamischer Einstellung zu beobachten, ebenso eine Zunahme salafistischer Aktivitäten. Gleichzeitig bescheinige sich die Offenbacher Stadtpolitik immer wieder führend in Sachen Integrationspolitik zu sein. „Meine Erfahrung nach einem Jahr in dem Amt ist eine andere“, sagt Bonifer, „ich halte eine Mehrheit der muslimischen Schüler in Offenbach derzeit für nicht integrierbar.“

Es ist ein Urteil in dem jede Menge Frustration mitschwingt. Keinesfalls aber möchte Bonifer dies als Generalkritik am Islam verstehen. Er habe nichts gegen den Islam, seine Freundin sei muslimisch und er persönlich ein Anhänger einer multikulturellen Gesellschaft, in der Platz für alle Religionen sei. „Rechtspopulistisch wäre es, wenn ich sagen würde, es ist der Islam an sich, der nicht integrierbar ist, aber das glaube ich nicht.“ Die Hauptverantwortung liegt seiner Überzeugung nach bei der Politik.

Zu viel Symbolik

„Die Stadt bescheinigt sich selbst oft genug, dass das was sie tut, toll ist“, erklärt Bonifer, „doch so wie wir derzeit Integration betreiben, läuft es offensichtlich falsch.“ Die Stadt setze viel zu sehr auf symbolische Gesten, anstatt direkt „in die Familien“ zu gehen. Auch bei der Landesschülervertretung Hessen habe er mit seiner Kritik immer wieder „auf Granit gebissen“ All das habe ihn nicht nur dazu bewegt, sein aktuelles Amt niederzulegen, sondern auch nicht, wie geplant, im Landkreis Offenbach als Kreisschülersprecher zu kandidieren.

Das Ende seines politisches Engagements sei das allerdings nicht. In naher Zukunft wolle er mit einigen Gleichgesinnten alternative Integrationskonzepte erarbeiten, ohne in die rechte Ecke abzudriften. „Integrationskritik geht auch ohne Polemik und populistische Thesen“, so Bonifer.

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