Lade Inhalte...

Offenbach Verdiente Frauen im Briefkopf

Von sechs neuen Straßen im Baugebiet Waldheim Süd erinnern drei an verdiente Bürgerinnen. Bereits 2015 beschloss das Parlament, dass Straßen, Wege, Plätze und Brücken in Offenbach vorrangig Namen von Frauen bekommen, damit mehr Gleichberechtigung herrscht.

Die Kastanienstraße im Baugebiet An den Eichen darf in diesem Teil ihren Namen behalten. Foto: Rolf Oeser

Wer in das Baugebiet An den Eichen in Waldheim Süd zieht, wohnt vielleicht in der Dr.-Rosa-Goldschmidt-Straße oder in der Ottilie-Carola-Moufang-Straße. Die Namen gehören zu den neuen Bezeichnungen, die die Stadtverordneten jetzt für die Erschließungsstraßen auf dem Bebauungsplan 618B „Waldheim Süd, nördlicher Teil“ einstimmig beschlossen haben. Damit ist der alte Beschluss aus dem Jahr 2003 teilweise aufgehoben, auf dem noch ein Irisweg, ein Gladiolenweg oder ein Steingarten eingezeichnet sind.

Die „Kastanienstraße“ benannte Erschließungsstraße darf laut Abstimmung im bereits bebauten südlichen Teil des Gebietes weiter so heißen, im Abschnitt nördlich der Straßen Am Anger und An den Linden wird sie anders benannt.

Mit dem Beschluss wird auch ein mehrheitlich von der Koalition von SPD, Grünen und Freien Wählern beschlossener Antrag der Grünen vom Oktober 2015 erfüllt. Dieser fordert, dass Straßen, Wege, Plätze und Brücken in Offenbach vorrangig Namen von Frauen bekommen, damit mehr Gleichberechtigung herrscht.

Skeptiker mahnten damals bei der Debatte, es gebe auf der städtischen Vorschlagsliste für solche Namensgebungen im öffentlichen Raum nahezu keine Frauen. Es wurde angeregt, das unter Federführung der städtischen Frauenbeauftragten Karin Dörr gerade entstehende Buch über 43 verdiente Offenbacherinnen aus der Geschichte der Stadt als Grundlage für künftige Straßennamen heranzuziehen.

Noch bevor das Buch erschienen ist, hat die aus Stadtverordnetenvorsteherin Sieglinde Nöller (CDU) und den Fraktionsvorsitzenden bestehende AG Straßennamen drei Frauen mit zumindest Offenbacher Bezug hervorgezaubert, die eines Straßenschildes würdig sind. Die Vorschlagsliste sei ein Instrument, das man nicht einsetzen müsse, sagt dazu Waltraud Schäfer, Leiterin des Stadtverordnetenbüros.

Platz heißt nach Änne Salzmann

Und wer sind nun die Geehrten, die künftig im Briefkopf der neuen Bewohner von Waldheim Süd stehen? Da ist zunächst Änne Salzmann, nach der ein Platz benannt wird. Sie lebte von 1905 bis 2005 und war 20 Jahre beim städtischen Sozialamt angestellt. Während der Nazizeit saß sie wegen ihrer Kontakte zu Sozialdemokraten und Widerstandsgruppen im Zuchthaus und kümmerte sich nach Kriegsende um Verfolgte des Regimes. Sie war eine der Mitbegründerinnen der Gewerkschaft ÖTV und Mitinitiatorin bei der Gründung der DKP.

Ein Weg wird nach Monsignore Dr. Karl Reiß benannt, der von 1910 bis 1985 lebte und als einer der bekanntesten und beliebtesten Seelsorger im Offenbacher Raum galt. Selbst aus Böhmen zwangsausgesiedelt, kümmerte er sich vor allem auch um die Heimatvertriebenen. Er hat als Priester die Gemeinde Heilig Kreuz im Stadtteil Waldheim und dem ehemaligen Lohwald-Gebiet aufgebaut. Die künftige Dr. Rosa-Goldschmidt-Straße erinnert an die 1895 in Offenbach geborenen Kinderärztin, die wissenschaftliche Studien in den Bereichen Hygiene, Bakteriologie und Serologie verfasste. Sie wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1949 für tot erklärt.

Der 1986 verstorbene Arzt und Schriftsteller, Homöopath und Psychotherapeut Georg Volk zog Patienten aus ganz Europa an und hatte weltweit Leser. Er wurde 1898 in Steinheim geboren, wirkte aber lange in Offenbach. Nach ihm wird ein Weg benannt.

Der künftige Pater-Förg-Weg erinnert an Manfred Förg, der von 1934 bis 2006 lebte. Sein Abitur machte er an der Rudolf-Koch-Schule, studierte im Anschluss Theologie und zog nach der Priesterweihe in den afrikanischen Busch nach Namibia, wo er als Seelsorger und Entwicklungshelfer wirkte.

Ottilie Carola Moufang war von 1925 bis 1944 Leiterin der Offenbacher Mädchenschule, der heutigen Schillerschule, und die erste Frau in dieser Position in der Stadt. Auch sie ist Namenspatin für eine Straße.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen