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Offenbach Um Satelliten schwirren Bienen

Die Studentin Linda Horn gestaltet eine brachliegende Flächen der HfG-Außenstelle zu einem Ökosystem um.

22.08.2014 19:50
Laura Eßlinger
Linda Horn mit einem Teil ihrer Bienen auf dem Dach der HfG-Außenstelle in der Geleitsstraße. Foto: Rolf Oeser

Da sage noch einer, Bienen seien nicht flexibel. Eigentlich kommen die Honigproduzenten von Linda Horn aus der Wetterau, sind also Landeier. Für ein Projekt im Rahmen ihrer Diplomarbeit hat die Studentin der Hochschule für Gestaltung (HfG) die Insekten mitten in die Großstadt verfrachtet. Das Dach der HfG-Außenstelle in der Geleitsstraße ist nun ihr neues Zuhause.

Horn will ein Ökosystem auf dem Gelände der von den Studenten als Satellit bezeichneten Außenstelle schaffen und so brachliegende Flächen für Menschen, Pflanzen und Tiere wieder nutzbar machen. Neben der Ansiedlung des Bienenvolkes hat sie dafür Blumen- und Gemüsebeete angelegt. Sitzmöglichkeiten und ein kleines Café für die Kunstschaffenden sollen folgen.

Die Offenbacherin studiert Visuelle Kommunikation mit den Schwerpunkten Grafikdesign und Illustration. Den theoretischen Teil ihrer Diplomarbeit – über lebende Honigbienen in der Kunst – hat sie schon abgegeben. Das Ökosystem-Projekt ist der praktische Teil. Den will sie ihren Prüfern im November vorstellen, sich danach aber weiterhin um das Projekt kümmern. Für Horn spielen vor allem Nachhaltigkeit und die Möglichkeit zur urbanen Selbstversorgung bei dem Konzept eine Rolle. Ausgesät werden deshalb nur Pflanzen, die von Bienen oder anderen Bestäubern und Vögeln genutzt werden können. Die Ernte will sie gemeinsam mit den Kommilitonen verkochen.

Prächtiges Wachstum

Die Sonnenblumen, Tomaten, Kürbisse und Gurken gedeihen prächtig. „Dass sie so gut wachsen, hätte ich gar nicht gedacht“, sagt Horn. Auch die Bienen haben ihren Umzug verdaut und sich in der Stadt gut eingelebt. 30 Kilogramm Honig hat das 60 000 Bienen starke Volk über den Sommer erwirtschaftet und baut munter neue Waben.

Horn überprüft regelmäßig den Zustand des Bienenstocks – leider nicht ohne dabei immer mal wieder gestochen zu werden. „Bei schlechtem Wetter sind sie nicht so gut drauf, da können sie nichts sammeln.“

Das Ökosystem versteht sie als Raumkonzept, als eine Installation. „Man kann auch von sozialer Skulptur sprechen.“ Die Arbeit ist ein Prozess. Sie hat dafür die Grundfeste gelegt, „jetzt passiert alles als Gruppe“. Als Werbung für das Projekt hat sie Siebdruckplakate erstellt, die die Grundrisse der urbanisierten Flächen in verschiedenen Farben zeigen. „Hier findet sich mein Schwerpunkt Grafikdesign wieder“, sagt Horn, die nebenbei als freie Grafikerin arbeitet. Auch die Etiketten für den selbstgeschleuderten Honig entwirft sie. Sollten die Bienen weiterhin so fleißig produzieren, erwägt sie die Vermarktung des Honigs.

Sitzecke geplant

Zusammen mit zwölf weiteren HfG-Studenten aus verschiedenen Lehrgebieten arbeitet Horn seit April an dem „Bestäubungsraum“, wie sie das Projekt nennt. Mit der Arbeit an dem Ökosystem will die 30-Jährige auch eine andere Art der Gemeinschaft schaffen. „Bisher gab es keine Aufenthaltsräume, jeder hatte sein Atelier, in dem er saß. Es gab keine richtige Interaktion“, sagt Horn. Sie sieht sich als Gestalterin, die ihre Umwelt gemeinsam mit anderen formen und ästhetisch neu konzipieren will.

Das Umgraben der Beete, die Begrünung und die Versorgung der Bienen hat sie übernommen. Die geplante Sitzecke im Eingangsbereich des Geländes bauen Kommilitonen. Horn will darauf achten, dass dafür nur nachhaltige und langlebige Arbeitsmaterialien wie Holz oder Stahl Verwendung finden.

Auf dem Schreibtisch in ihrem Atelier liegen Skizzen und Pläne für die Umgestaltung des Hinterhofs, der ab September „erobert werden soll“. Geplant ist auch eine Skateboard-Rampe. Ein selbstverwaltetes Café mit kleinen Speisen und Getränken für die Kunstschaffenden soll während Veranstaltungen in der Außenstelle auch die Gäste versorgen.

Um das alles zu realisieren, hofft sie auf Teilfinanzierung durch die HfG. Bislang hat sie das Projekt aus eigener Tasche und aus den Geldern finanziert, die über eine von ihr initiierte Spenden-Kampagne im Internet zusammenkamen. Einige Unternehmen haben Pflanzen gespendet. Insgesamt 3000 Euro müssen zusammenkommen, um weiter umgestalten zu können. Knapp die Hälfte hat sie schon zusammen. Horn ist zuversichtlich: „Das klappt schon.“

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