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Offenbach Stillstand am Hauptbahnhof

Die Situation scheint festgefahren. Nach wie vor ist kein behindertengerechter Ausbau für den Hauptbahnhof in Sicht. Die Bahn würde nur eine Lösung in Betracht ziehen, bei der auch die Stadt viel Geld investieren müsste. Dafür ist aber kein Geld vorhanden.

Nur noch wenige Fahrgäste nutzen den Hauptbahnhof. Foto: Monika Müller

Vor einem Jahr sah es noch so aus, als ob sich am Offenbacher Hauptbahnhof noch etwas bewegen könnte. Nicht nur Pächter für die leere Shop-Passage sollten gefunden werden, auch Bemühungen um einen leichteren Zugang zu den nur über lange, steile Treppen erreichbaren Gleisen schien es zu geben. Es werde überlegt, die Station in die Rahmenvereinbarung Personenbahnhöfe aufzunehmen, teilte eine Sprecherin im Januar 2014 mit. Damals hatte gerade der Kiosk im Empfangsgebäude als letztes verbliebenes Geschäft geschlossen.

Nur 3500 Fahrgäste am Tag

Doch der Hauptbahnhof, der seinen Namen nur noch in Erinnerung an Zeiten vor der Eröffnung der S-Bahn führt, krankt vor allem an seiner geringen Nutzung. Gerade mal 5000 Menschen betreten ihn täglich - Reisende und Passanten zusammengezählt.

Laut zuständigem Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) wurden von der Bahn nur 3500 tatsächliche Fahrgäste registriert. Das sind keine Zahlen, die die Bahn überzeugen und wohl auch keine, die potenzielle Pächter in Scharen anlocken. Es gebe immer mal wieder Gespräche, sagt eine Bahn-Sprecherin, aber keine hätten zu einem Abschluss geführt.

Doch für Behinderte, Eltern mit Kinderwagen und Menschen mit schwerem Gepäck dürfte das Manko der fehlenden Aufzüge viel schwerer wiegen. Aber hier dreht sich die Zuständigkeit im Kreis. Die Bahn lege auf den Hauptbahnhof keine Priorität, sagt Peter Schneider. „Aber wir dringen darauf, dass das anders wird.“ Es gebe immer mal wieder Gespräche zwischen Rathaus und Bahn-Vertretern. „Die Bahn hat kein Interesse selbst zu investieren und stellt uns anheim, selbst etwas zu machen“, lautet das Fazit, das Schneider daraus gezogen hat.

Tatsächlich wäre der Stadt selbst mit einer Aufnahme des Bahnhofes in die Rahmenvereinbarung Personenbahnhöfe nicht geholfen. Denn die Finanzierung der jeweiligen Umbauten sieht neben der Übernahme von 50 Prozent der Kosten durch die Bahn und einer Förderung durch das Land Hessen auch eine Beteiligung der jeweiligen Kommune vor. 3 Millionen Euro müsste die Stadt für einen barrierefreien Umbau des Empfangsgebäudes zuschießen - angesichts der finanziellen Notlage der Stadt eine aussichtslose Forderung.

Auch die an Peter Schneider herangetragene Idee der Bahn, einen Investor wie beim Frankfurter Südbahnhof zu holen, der dann auch noch für Barrierefreiheit sorgt, scheitert an der Realität: „Da wird man so schnell niemanden finden“, sagt der Bürgermeister, der die Verantwortung einer problemlosen Erreichbarkeit der Gleise auch für Rollstuhlfahrer bei der Bahn sieht.

Doch die betont zwar gerne, dass die „Herstellung von Barrierefreiheit“ für das Unternehmen „eine große Bedeutung“ habe, wie auch der Konzernbevollmächtigte für das Land Hessen, Klaus Vornhusen, auf eine entsprechende Anfrage des Offenbacher Seniorenrates an dessen Vorsitzende Emma Gros schreibt. Doch er verweist in dem Brief sofort auf die geringe Bedeutung des Bahnhofs.

Einen möglichen Ausbau könnte eben nur über die Aufnahme des Bahnhofs in die Rahmenvereinbarung Personenbahnhöfe geben - mit entsprechender finanzieller Beteiligung der Stadt.

Barrierefreie S-Bahnhöfe

Und während sich die Zuständigkeit vor sich hin kreiselt, hilft es Behinderten und Senioren wenig, wenn die Bahn nicht müde wird zu betonen, dass dafür die Offenbacher S-Bahnhöfe barrierefrei eingerichtet seien. Wer im Rollstuhl sitzt und nach Wächtersbach möchte, kann sich über die problemlose Anbindung nach Dietzenbach vermutlich nur mäßig freuen. Zumal die Aufzüge am Marktplatz auch nicht so zuverlässig funktionieren, wie es die Statements der Bahn glauben machen möchten.

Da mag es dann ein wenig trösten, dass dem Halt trotz seines Abgleitens in die Bedeutungslosigkeit zumindest der Name nicht aberkannt wird. „Da gibt es keine Regel. Ein Hauptbahnhof bleibt Hauptbahnhof“, sagt die Bahn-Sprecherin.

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