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Offenbach Soja-Ernte in der Stadt

Als Teil eines bundesweiten Versuchs werden in einem Garten im Offenbacher Nordend Bohnen angebaut, die zu Tofu verarbeitet werden.

Sojapflanzen am Goetheplatz
Verfolgen das Pflanzenwachstum: Sabine Süßmann und Thomas Mix. Foto: Sophie Schüler

Jetzt, wo die ersten Blätter fallen, geben auch die Sojapflanzen auf: Dicke Schoten ziehen die Pflanzen mit ihrem wachsenden Gewicht Tag für Tag etwas tiefer in Richtung Boden – für Sabine Süßmann ein Indiz dafür, dass die Pflanzen auf dem Goetheplatz im Offenbacher Nordend bald reif sind für die Ernte. Sie zückt einen Papierbogen und geht ein paar Parameter durch: Die Farbe der Blätter zum Beispiel. Doch die sind immer noch ziemlich grün:. Die Pflanzen dürfen also noch etwas stehen bleiben, bevor sie abgeerntet werden.

Die Ernte einfahren, das heißt: Die Schoten aufbrechen, die harten Bohnen herauspicken und sie in Plastikbeuteln verpackt an die Saatzuchtanstalt der Universität Hohenheim schicken, wo sie untersucht werden. Anschließend landen die Bohnen bei der Firma Taifun in Freiburg, die das Soja testweise zu Tofu verarbeitet. Unternehmen und Hochschule wollen herausfinden, welche Soja-Kreuzungen wo in Deutschland am besten gedeihen – und aus welchen Bohnen sich gute Tofuprodukte herstellen lassen. Deshalb hat Taifun – in diesem Jahr zum zweiten Mal – das „Soja-Experiment 1000 Gärten“ initiiert: Rund 1200 Hobby-Landwirte aus ganz Deutschland bauen im Rahmen dessen Sojapflanzen an und dokumentieren deren Wachstum sowie die Ernten. Ein Sensor zeichnet in jedem der Gärten zudem eine Temperaturkurve auf. 

Die Mini-Plantage auf dem Offenbacher Goetheplatz ist in diesem Jahr Teil des Projekts. Zwölf Reihen Sojapflanzen hat Süßmann dort im Mai auf sechs Quadratmetern ausgesät. Die freundliche Nordend-Bewohnerin leitet das Projekt „Besser leben in Offenbach“ des kommunalen Stadtwerke-Konzerns (SOH), dessen Ziel die Verschönerung des öffentlichen Raums, mehr Sauberkeit und die Förderung von nachbarschaftlichem Engagement ist. In dieser Funktion betreut Süßmann auch eine Handvoll auf öffentlichem Grund angelegter Gärten. 

„Ich bin im Internet über das Projekt gestolpert und dachte, das wäre eine schöne Geschichte für den Nordendgarten und für die Schule dort“, erzählt Süßmann. Und so orderte sie in Freiburg die nötigen Soja-Sorten und begann mit einer zweiten Klasse der benachbarten Goetheschule das Pflanzprojekt. „Da waren Kinder dabei, die hatten noch nie einen Regenwurm gesehen“, erzählt Thomas Mix, der im Auftrag der SOH im Nord- und Westend nach Müllablagerungen oder Beschädigungen im öffentlichen Raum Ausschau hält. Im Nordendgarten hilft Mix Süßmann unter anderem beim Gießen der durstigen Sojapflanzen – denn der anfangs vorhandene Einsatz der Zweitklässler sei nach den langen Sommerferien etwas abgeebbt, sagt Süßmann.

Und so sind es auch diese Woche wieder Süßmann und Mix, die mit Gartenwerkzeug und Uni-Dokumentationsbogen den Sojapflanzen zu Leibe rücken. Süßmann notiert Pflanzenhöhe, Gelbfärbung der Blätter und den Abstand zwischen Bohnenhülsen und Boden. Die Daten werden bald gemeinsam mit den Bohnen zur Auswertung abgeschickt. Zehn von zwölf Reihen sind schon abgeerntet, die restlichen folgen dieser Tage. 

Süßmann ist mit anderen Sojagärtnerinnen und -gärtnern vernetzt. Deshalb kann sie sagen, dass es ganz gut zu laufen scheint in Offenbach. Sowieso ist der 50 Quadratmeter kleine Nordendgarten im dicht bebauten und dadurch warmen Nordend ein üppiges, fast mediterranes Fleckchen Grün: So wachsen direkt neben den Sojapflanzen Auberginen und selbst eine Yucca-Palme hat hier ihren Platz gefunden.

Könnte das urbane Rhein-Main-Gebiet vielleicht ein Zentrum für den Sojaanbau werden? Bei Taifun heißt es mit Bezug auf die Ergebnisse von letztem Jahr: „Wir hatten in allen Regionen sehr gute wie auch eher mangelhafte Standorte.“ Ob manche Regionen besonders geeignet sind, soll nun die zweite Runde zeigen.

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