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Offenbach/Rödermark Der Bewährungshelfer

Hans-Dieter Amthor hilft Straftätern, sich wieder in ein geordnetes Leben einzugliedern. Für manche mag Amthor vielleicht der Einzige sein, der sich anhört, was sie zu sagen haben und vor allem: der hält, was er zusagt.

26.08.2010 12:09
Juliane Ziegler
Aufmerksam zuhören, das gehört zur Arbeit von Bewährungshelfer Hans-Dieter Amthor. Foto: Andreas Arnold

Seine letzte Station an diesem Tag ist der Boxclub im Offenbacher Nordend. Dort kontrolliert Hans-Dieter Amthor, ob einer seiner Probanden, wie sie im Justizjargon heißen, regelmäßig zum Training erscheint. „Was die Teilnehmer hier lernen, ist ganz wichtig: Disziplin und Regeln“, erklärt Amthor.

Er arbeitet als Bewährungshelfer am Landgericht Darmstadt und hilft Straftätern, sich wieder in ein geordnetes Leben einzugliedern. Dabei muss er ihnen in erster Linie Werte vermitteln, die auch hinter dem Boxclub-Projekt stehen: Feste Strukturen und Verbindlichkeiten. Das ist es, was Amthors Probanden häufig fehlt.

Rund 70 ehemalige Häftlinge betreut Amthor im Raum Rödermark und begleitet sie in der ersten Zeit nach dem Gefängnis. Er trifft sie bei ihnen zu Hause, besucht sie an ihrer Arbeitsstelle oder geht mit ihnen einen Kaffee trinken. Er hilft bei der Stellensuche, berät bei persönlichen, rechtlichen und finanziellen Problemen oder begleitet sie zu Ämtern sowie bei der Wohnungssuche.

An manchen Arbeitstagen fährt Amthor mehr als hundert Kilometer. Heute beginnt sein Zeitplan mit zwei Terminen in Offenbach: Erst trifft er einen Richter am Amtsgericht, dann hat er ein Gespräch im Suchthilfezentrum Wildhof mit einem Sozialarbeiter, mit dem Amthor sich über verschiedene Fälle austauscht.

Danach geht es weiter zu einem Außentermin in die Friedrichsdorfer Waldklinik, wo der Bewährungshelfer eine Probandin besucht – sie ist dort auf Drogenentzug. „Wie geht es nach der Klinik weiter? Wie stellen Sie sich das vor?“ – Amthor fragt nach den Plänen der 23-Jährigen und hört ihr aufmerksam zu.

Für manche mag Amthor vielleicht der Einzige sein, der sich anhört, was sie zu sagen haben und vor allem: der hält, was er zusagt. So hat er der Frau eine Postkarte geschickt, als er beruflich unterwegs war – versprochen ist versprochen, Verbindlichkeit gegen Verbindlichkeit.

Der Verwaltungsaufwand, der bei dieser Arbeit entsteht, ist enorm: die Vor- und Nachbereitung der Termine ist sehr zeitintensiv und jedes Gespräch mit Richtern, Drogenberatern oder Sozialarbeitern, die Treffen mit den Probanden – alles muss genau dokumentiert werden. So verbringt Amthor nach solchen Tagen mit vielen Terminen einige Zeit in seinem Offenbacher Büro.

Wieder zurück aus Friedrichsdorf trifft Amthor in Rödermark drei Probanden. Um Gewalttaten, Drogendelikte oder Betrügereien geht es meistens. Im Umgang mit den Straftäter ist der Grat sehr schmal: Amthor ist Helfer und „Aufpasser“ in einer Person. Einerseits unterstützt er die Probanden immens, andererseits überwacht er, ob sie ihre Bewährungsauflage erfüllen.

In erster Linie geht es bei allen um ein Leben ohne Kriminalität. Dennoch: Je nach Proband und seiner jeweiligen Straftat muss Amthor seine Aufgabe neu definieren. Ein „Danke“ hört er dafür selten. Das komme im Sprachgebrauch seiner Probanden nicht häufig vor, meint Amthor.

Bei manchen Probanden ist er nach der Bewährungszeit recht sicher, dass sie straffrei bleiben, bei anderen hat er ein ungutes Gefühl. Trotzdem: hundertprozentige Sicherheit gebe es nie. „Und natürlich lassen einen manche Fälle nicht los. Aber man muss einfach versuchen, abzuschalten.“

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