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Offenbach Notfallpraxis für Menschen ohne Versicherung

Die Malteser wollen eine Notfallpraxis für Menschen ohne Krankenversicherung im Offenbacher Ketteler-Krankenhaus eröffnen.

Malteser
In der Malteser Migranten Medizin (MMM) finden Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus und Menschen ohne Krankenversicherung einen Arzt, der die Erstuntersuchung und Notfallversorgung bei plötzlicher Erkrankung, Verletzung oder einer Schwangerschaft übernimmt. Mittlerweile finden Patienten die MMM in 15 Städten in Deutschland Foto: Malteser

Ein Unfall, eine chronische Erkrankung oder eine Schwangerschaft: Was in diesen Fällen für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich der Gang zum Arzt, ist für eine Minderheit eine Katastrophe. Weil sie keine Krankenversicherung haben, weil Geld fehlt oder weil sie befürchten, als illegale Einwanderer entdeckt zu werden. In Offenbach wird ihnen jedoch bald geholfen werden.

Der Malteser Hilfsdienst gründet in Kooperation mit dem Ketteler-Krankenhaus eine Notfallpraxis für Menschen ohne Krankenversicherung. Dort werden Ärzte Patienten ehrenamtlich, kostenlos und auf Wunsch auch anonym behandeln. Die Eröffnung der Anlaufstelle im Ketteler-Krankenhaus ist für das erste Halbjahr 2019 geplant.

D ie Malteser wollen sofort mit dem Aufbau eines Netzwerkes beginnen und Ärzte, medizinisches Personal, Labore, diagnostische Einrichtungen und Apotheken sowie Spender und Förderer als Unterstützer für das Projekt gewinnen. Die Schirmherrschaft der „Malteser Medizin für Menschen ohne Krankenversicherung“ (MMM) in Offenbach haben der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) und Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) übernommen.

Grüttner nannte die Arbeit der Malteser „unschätzbar wertvoll“ für den Fall, den es eigentlich nicht geben sollte, der aber „leider zur Realität“ gehöre. Der Bischof verlangte in einem Grußwort, Menschen in Notsituationen dürften nicht durch das Raster von Gesetzen, Vorschriften und gesellschaftlichen Konventionen fallen. Schwenke sprach von einem „wertvollen Tag für die Menschlichkeit in Offenbach“. Bisher habe es kein strukturiertes medizinisches Angebot für Menschen ohne Versicherung gegeben.

N ach Angaben des Statistischen Bundesamtes gibt es in Deutschland rund 80 000 Menschen ohne Krankenversicherung, die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein. Zu den Betroffenen zählen vor allem EU-Staatsbürger aus Osteuropa, Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus, Wohnungslose, aber laut Grüttner vermehrt auch Selbstständige, die die hohen Versicherungsbeiträge nicht aufbringen könnten.

D er Minister erinnerte daran, dass das Angebot der Malteser bei der Gründung im Jahr 2001 „Migranten-Medizin“ gelautet habe. Inzwischen habe sich ein Wandel vollzogen, der auch im neuen Namen zum Ausdruck komme. Der Anteil der Illegalen, die das Angebot wahrnähmen, läge heute bei schätzungsweise 15 Prozent, während die Hälfte der Betroffenen EU-Bürger aus Osteuropa seien.

D ie Initiative für das neue Hilfsangebot, das eine Ergänzung des ambulanten medizinischen Dienstes der Caritas darstellt, war von dem im September verstorbenen Gründungsmitglied der Offenbacher Malteser, Gerhard Zimmer, ausgegangen. „Ohne sein Engagement wären wir heute nicht hier“, sagte Roy Kanzler, Geschäftsführer der Malteser in der Diözese Mainz.

Zimmers Sohn Matthias, Oberarzt am Ketteler-Krankenhaus, wird die Notfallpraxis begleiten. Er erzählte von Paulina, der Frau eines polnischen Handwerkers in Offenbach, die aus dem Krankenhaus trotz einer Entzündung am Rücken und starker Schmerzen wegen der fehlenden Versicherung entlassen worden war. Gerhard und Matthias Zimmer konnten helfen. Die Frau ist heute gesund und krankenversichert.

D ieser Kontakt war der Start für das MMM-Projekt in Offenbach. In Professor Stephan Sahm, Chefarzt des Ketteler-Krankenhauses, fanden die Malteser einen Kooperationspartner. Er wird Ärztlicher Leiter der Notfallpraxis.

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