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Offenbach/Neu-Isenburg Ein neuer Weg für 2000 Radfahrer täglich

Die Sprendlinger Landstraße soll versuchsweise eine Fahrradspur erhalten.

Radfahrer Infotour von OF nach Neu Isenburg
Mit einem 30-köpfigen Pulk wurde die Lösung für die Sprendlinger Landstraße gesucht. Foto: Monika Müller

Ordnungshütergeleit und polizeiliche Absperrung bei der Überquerung der Sprendlinger Landstraße – so sicher kommt man als Radfahrer normalerweise nicht von Offenbach nach Neu-Isenburg. Die rund 30-köpfige Gruppe aus Behördenvertretern, die sich am Montagvormittag auf den Sattel schwang, erlebte trotzdem hautnah, was es heißt, mit dem Fahrrad in die Nachbarstadt unterwegs zu sein: Die Gefahr lauert quasi überall.

Ein Netz an Fahrradrouten soll künftig Offenbach durchziehen. „Bike Offenbach“ nennt sich das Projekt, das bis 2021 den Radverkehr kreuz und quer durch die Stadt und bis in die Nachbarstädte führen soll. Der Weg nach Neu-Isenburg stellt dabei eine besondere Herausforderung dar: Die Sprendlinger Landstraße läuft vierspurig aus der Stadt, einen Radweg gibt es dort nicht. Professor Jürgen Follmann, Verkehrswissenschaftler an der Hochschule Darmstadt, bezeichnete die Straße als eine „Horrorstrecke“: „Es wird viel zu schnell gefahren, der seitliche Raum wird von Lastwagen beparkt, die auch noch quer über die Straße die Fahrtrichtung ändern.“

Aber gerade die Sprendlinger Landstraße  ist eine enorm wichtige Achse: „Wir rechnen hier mit 2000 Radfahrern pro Tag“, sagte Follmann, der mit Beteiligten aus beiden Kommunen die möglichen Varianten für den Weg nach Neu-Isenburg plant. Er will auch bei der Landesverkehrsbehörde Hessen Mobil Druck machen, die hinter der Offenbacher Stadtgrenze zuständig ist; dieses Teilstück ist nämlich eine Landesstraße.

Follmanns Zahl ist nicht zu hoch gegriffen: „1200 Menschen fahren täglich von Offenbach nach Neu-Isenburg zum Arbeiten, 650 in die umgekehrte Richtung“, erklärte Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos). Dazu müsse man noch Schüler-Verkehr rechnen sowie Pendler, die an Neu-Isenburg vorbei weiter nach Dreieich fahren.

Versuchsweise soll nun eine der vier Fahrspuren der Sprendlinger Landstraße mit Markierungen und rot-weißen Abgrenzungen zum kombinierten Weg für Radfahrer und Fußgänger umfunktioniert werden. Das haben sich die Planer überlegt, die bisher in fünf großen Abstimmungsrunden zusammensaßen. Der verbleibende Platz reiche immer noch aus, dass sich Autos nebeneinander aufstellen können, so Follmann. Nur für Lastwagen sei das nicht mehr möglich.

Nach dem Offenbacher Ortsschild bietet der Standstreifen genügend Platz für die Fahrradspur. Die Buswendeschleife, die nicht mehr gebraucht wird, könnte sich Follmann auch als Mobilitätsstation vorstellen, auf der Pendler vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Auf lange Sicht könne man sogar eine Brücke über die Sprendlinger Landstraße ins Auge fassen, sagte Planer Ulrich Lemke von der Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft (OPG). So komme man sicher auf die andere Straßenseite, spare sich die Ampel an der Buswendeschleife, um die parallel laufende Schumannstraße zu befahren.

Stadtauswärts soll die Fahrradroute kurz vor dem Geisfeldkreisel rechts in den Wald abbiegen. Die Stadt Offenbach müsste den Weg noch asphaltieren, was „sofort gemacht werden kann, weil die Gelder da sind“, so Lemke. So wäre die lebensgefährliche Fahrt durch den Kreisel nicht mehr nötig, den Radler laut Follmann bisher eigentlich nehmen müssen, um verkehrsrechtlich richtig zu fahren.

Im weiteren Verlauf soll die A 3 auf dem Mehrzweckstreifen überquert werden, bevor man auf Neu-Isenburger Gemarkung zum „Nadelöhr für den Radverkehr in der Region“ kommt. Radwege führen von hier in alle Richtungen: nach Dietzenbach, Dreieich und Neu-Isenburg. Der Radfahrer muss bisher zwei Ampeln queren, um auf den Gravenbruchring zu kommen. Bürgermeister Hunkel sprach sich dafür aus, Büsche zu roden und den Radweg dann einfach nördlich weiterzuführen.

Als Zeithorizont für die Realisierung der Radroute wurde 2019 genannt. „Wir sind frohen Mutes, dass wir das schaffen“, so Lemke.

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