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Offenbach Mit 80 die erste Fahrt im Beiwagen

Das Seniorenzentrum organisiert für seine Tagesgäste einen Ausflug mit Motorrädern. Und so sitzt so mancher im hohen Alter zum ersten Mal im Beiwagen.

Im Büsing-Palais machte die Gespann-Fahrt Station. Foto: Rolf Oeser

Es war ein echter Hingucker: Neun große Motorräder mit stylishen Beiwagen fuhren gestern in zwei Gruppen durch Offenbach. Die coolen Gefährte machten den Beifahrern besonderen Spaß: Sie sind Tagesgäste des Seniorenzentrums in der Elisabethenstraße, haben einen Schlaganfall hinter sich , leiden an Demenz, Parkinson und anderen Erkrankungen. In Kooperation mit der Interessengemeinschaft Gespannfahrer (IGG) und ihrem Vorsitzenden Ralph Hutwelker hatte das Zentrum den Ausflug der etwas anderen Art organisiert. Viele saßen das erste Mal in einem Beiwagen.

Vorbei am Kickers Stadion auf dem Bieberer Berg, zum Baugebiet an den Eichen und über die Mühlheimer Straße zum Büsing- Palais führte die Tour. Im Hof des Palais gab es eine Rast. Silke Schäfer vom Zentrum für Beratung und Begleitung am Seniorenzentrum wartet hier mit einer Erfrischung für alle und kümmert sich darum, dass alle Fahrgäste für die Pause die Helme absetzen und in den Schatten kommen.

„Hier habe ich früher als Kind viel gespielt“, sagt eine 80-jährige, nachdem sie aus dem Beiwagen geklettert ist und sich im Hof des Büsing-Palais umgeschaut hat. Damals sei das Gebäude noch nicht so schön gewesen, aber in der Anlage dahinter habe sie viel Spaß gehabt, erinnert sie sich.

Es sei nicht so leicht gewesen, neun Gespanne an einem Werktag zusammenzubekommen, sagt Klaus Pies, Mitarbeiter im Seniorenzentrum und als Fahrer ohne Beiwagen Anführer der einen Gruppe. Die andere wird von dem Offenbacher Hans Hartmann geleitet, der auch die Ortskenntnis hat. Aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet hat die IGG Fahrer zusammengetrommelt. Die Fahrt im Konvoi habe hervorragend geklappt, „das sind alles erfahrene Biker“, lobt Pies.

Und eine Bikerin ist auch dabei. „Ich bin eine Biker-Mama. Wie andere Mamas auch, nur cooler“, steht auf ihrem T-Shirt. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen, aber sie hat Erfahrung mit solchen Fahrten. In ihrem Beiwagen sitzt Angelika Klaus, deutlich jünger als die anderen Mitreisenden. Sie besucht die Tagespflege, nachdem sie eine Hirnblutung hatte, erzählt sie. „Früher war ich an fünf Tagen pro Woche da, als es mir noch sehr schlecht ging, heute bin ich noch an zwei Tagen da.“ Inzwischen sei ihr Mann im Ruhestand und könnte sich immer um sie kümmern, „aber ich wäre heute nicht wieder so weit, wenn ich nicht die Möglichkeit hätten, dort hinzugehen“, lobt sie die Einrichtung.

30 Plätze hat die Tagespflege, die von Montag bis Freitag zwischen ein bis fünf Tagen gebucht werden kann. 50 Gäste kommen jede Woche, es gibt eine lange Warteliste. „Seit die Pflegekassen die Tagespflege viel mehr bezuschusst, haben wir auch mehr Zulauf“, sagt Silke Schäfer . Auf dem Programm stehen sonst auch eine Trommelgruppe, Zeichnen und Feste. „Aber die Ausfahrt heute war schon was ganz Besonderes.“

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