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Offenbach Mehr als nur ein Mittagessen

Das Caritas-Projekt „Aktiv altern“ bringt Senioren im Lauterborn zusammen. Das wöchentliche Mittagessen soll Sozialkontakte untereinander herstellen helfen.

Zum Abschluss ein Dessert: Die vier Köchinnen und ihre Tischgäste. Foto: Renate Hoyer

Der Applaus für die Köchinnen am Ende des gemeinsamen Mittagstisches ist für die Tischgäste inzwischen ein festes Ritual: Seit drei Jahren besteht die Lauterborner Küche im Stadtteilbüro in der Richard-Wagner-Straße. Im Rahmen des Caritas-Projektes „Aktiv altern im Lauterborn“ kommen hier jeden Donnerstag rund 25 überwiegend Seniorinnen und auch einige Senioren zum gemeinsamen Mittagessen an dekorierten Tischen zusammen.

„Wir wollen ältere Leute hier im Stadtteil unterstützen, möglichst lang und gut alleine zu leben“, sagt Projektleiterin Ingrid Wittfeld vom Caritasverband Offenbach. Das wöchentliche Mittagessen ist dabei ein Aspekt, um Sozialkontakte untereinander herzustellen. „Das ist eine ganz wunderbare Kombination.“ Denn rund um diese Mahlzeit gibt es noch ein ganzes Paket an Angeboten für ältere Menschen im Stadtteil: Ab und an ein Vortrag nach dem Essen ist nur eines davon.

Eine Frau mit Rollator wird besonders herzlich begrüßt. Drei Wochen war sie nach einer Fußoperation nicht gekommen. „Aber mir ist zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen“, erzählt sie. „Wir haben von unseren regelmäßigen Tischgästen die Telefonnummern und fragen nach, wenn jemand nicht kommt“, sagt Wittfeld. Manchmal werden die Senioren auch zum Essen abgeholt, wenn sie schlecht zu Fuß sind. Wer im Krankenhaus liegt, wird dort besucht. „Die Menschen hier sollen das Gefühl haben, dass sie wahrgenommen werden und jemand da ist.“

Klaus Großmann kommt seit drei Jahren zum Mittagstisch. „Ich bin Witwer und brauche donnerstags nicht zu kochen“, sagt er und mit dem Essen sei er zufrieden.

„Das Essen ist hervorragend“

„Das Essen ist hervorragend“, sagt auch Dieter Jahn. Der bisherige Offenbacher Stadtverordnete isst hier mit seiner Frau Gisela - das einzige Ehepaar unter den Gästen. Tischnachbar Horst Michl ist seit einem Jahr dabei. Inzwischen hat er eine Lebensgefährtin, aber „aus Treue“ kommt er weiterhin: „Hier sind nette Leute, hier bekomme ich Anregung, alles ist ohne Zwang. Wer kümmert sich denn sonst um uns Ältere?“

Eigens ausgebildete ehrenamtliche Seniorenlotsen halten montags nachmittags und donnerstags vormittags vor dem Mittagstisch ist Stadtteilbüro Sprechstunden. „Wir helfen dabei, Anträge auszufüllen, offizielle Dokumente zu verstehen oder beim Wechsel des Telefon- oder Stromanbieters“, sagt Lotsin Roswitha Behr, die nach ihrer Sprechstunde zum Mittagessen geblieben ist. Die Seniorenlotsen hätten sich die Aufgaben aufgeteilt – je nach Erfahrung und Kenntnissen. „Wir haben eine frühere Sozialarbeiterin und jemanden, der fit im Umgang mit Computern ist“, sagt sie. Manchmal begleiten sie die Leute zum Arzt. Behr erzählt von einer älteren Frau, die mithilfe der Seniorenlotsen nach drei Jahren wieder in die Innenstadt gefahren ist. „Es ist eine schöne Aufgabe, denn die alten Leute haben so viel Interessantes zu erzählen“, schwärmt sie von ihrem Ehrenamt.

Unterdessen wird in der Küche letzte Hand an das Mittagessen angelegt: Es gibt Frikadellen, Kartoffeln, Gemüse und Soße, zum Nachtisch schön garnierten Pudding. Sonderwünsche sind möglich, Hausmannskost, Salate und Fisch, so die Erfahrung der Köchinnen, sind besonders beliebt.

3.50 Euro zahlen die Tischgäste dafür und decken damit die Kosten für die Lebensmittel, die Köchinnen Erika und Larissa Schlegel, Mutter und Tochter, und ihre Kolleginnen Dragica Hadzija und Tatjana Kravets erhalten für ihren Einsatz an Topf und Herd neben dem Applaus eine Aufwandsentschädigung, die über Spenden gedeckt wird. Diese kommen vor allem von den Wohnungsbaugesellschaften, die im Stadtteil vertreten sind. Aber auch sonstige Spenden werden gerne genommen.

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