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Offenbach, Mato-Fabrik Ein Kunstraum stirbt

Ende nach 20 Jahren: 2014 müssen die Künstler aus der Mato-Fabrik endgültig ausziehen. Letztmals gewährten sie am Wochenende Einblick in ihre Ateliers.

Nochmal gucken: Besucher der Open Ateliers. Foto: Monika Müller

Wie er den anstehenden Umzug bewerkstelligen soll, weiß Robert Mondani auch nicht so genau. „Hier hat ja nach all den Jahren auch alles seine Ordnung“, sagt er, während seine Blicke durch das vielleicht 20 Quadratmeter große Atelier wandern. Schwere Steinskulpturen, anthrazitfarben und beige, stehen an den Wänden. Nebenan, im kleinen Lagerraum, gibt es noch mehr davon. 15 Jahre diente Mondani ein kleiner Teil des Verwaltungsgebäudes der ehemaligen Mato-Fabrik als Werkstatt. Spätestens im Juni 2014 ist damit Schluss. Er und rund 40 weitere Kreative müssen dann das Gelände räumen. Der Mietvertrag für die Künstlerateliers wurde nicht verlängert. „Das wir mal ein Umzug“, scherzt Mondani.

Es ist das Ende einer Institution. 20 Jahre lang hatten Künstler das einstige Fabrikgelände für ihre Arbeit genutzt. Mit der Zeit war so etwas wie eine Kolonie entstanden, ein „kultureller Hotspot“, wie Eva Moll, vom Vorstand es nennt. Doch im September erfuhren die Künstler vom bevorstehenden Aus. 20 Jahre lang waren die Mietverhältnisse Jahr um Jahr verlängert worden. Damit ist nun Schluss. Auf dem einstigen Firmengelände sollen Wohnungen entstehen.

Es geht wohl mehr verloren als nur ein Industriedenkmal. Die selbst abgesteckten Arbeitsräume der Künstler haben das einst funktional angelegte Raumkonzept längst konterkariert. Die Besucher der „Open Ateliers“, wie sich der Tag der offenen Ateliers in der Mato-Fabrik nennt, laufen an diesem Samstag durch ein beinahe organisch anmutendes Labyrinth, in dem sie alle naselang von Ateliers in Werkstätten, von Werkstätten in Lagerräume und von dort wieder in Ateliers stolpern. In den Gängen hängen grüne Sticker an den Wänden. „Der Kunstbetrieb existiert nicht mehr“, steht darauf. Man könnte es als Omen oder ironischen Kommentar lesen. Auch wenn sich die Mato-Künstler selbst sicher nicht als Teil eines Betriebs sehen würden.

Fairer Vermieter

„Wir waren darauf vorbereitet, dass der Tag kommt“, sagt Ruth Luxenhofer, ebenfalls Mitglied im Vorstand des Mato e.V.. „Der Vermieter ist mit uns immer sehr fair umgegangen.“ So oder so ähnlich formulieren es fast alle Künstler an diesem Wochenende. Eine merkwürdig pragmatische Einstellung gegenüber dem absehbaren Ende eines Langzeitprojekts.

„Natürlich sind wir alle traurig“, sagt Luxenhofer dann doch irgendwann. Dennoch versuchten viele der ansässigen Künstler, das Aus am alten Standort als Chance für einen Neustart zu interpretieren. Zudem sei trotz aller Nostalgie der Zustand der Gebäude alles andere als optimal. Die Fenster sind undicht, die Heizung läuft nur wochentags und auch dann nur bis 18 Uhr. Doch vor allem soll das Netzwerk der Künstler, das sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, erhalten bleiben. Der Verein Kunstraum Mato wird weiterbestehen.

Ungeklärt ist derweil für die meisten Künstler, wohin sie mit ihren Ateliers ausweichen sollen. In der Mato-Fabrik zahlen sie derzeit 4,20 Euro pro Quadratmeter. In Frankfurt sind die Raummieten im günstigsten Fall doppelt so hoch. In Offenbach gebe es vermutlich sogar noch das eine oder andere Gelände, dass als Ausweichquartier in Frage käme. „Aber die Vermieter sind nicht bereit, einzeln an die Künstler zu vermieten. Die wollen einen, der das ganze Objekt anmietet“, sagt Künstler Ralph Zoller.

Zoller gehörte vor 20 Jahren, als in den unteren Geschossen der Fabrik tatsächlich noch produziert wurde, zu den ersten Mietern. An diesem Wochenende ist er einer der wenigen, die offen die Sorge um die Zukunft der Künstler formulieren. „Man hatte sich ja doch daran gewöhnt, dass der Vertrag jedes Jahr aufs Neue verlängert wurde.“ Er hofft noch. Hofft vor allem auf Unterstützung durch die Stadt. „Ich glaube die Stadt müsste nicht einmal Geld in die Hand nehmen, sie müsste nur als Türöffner für uns auftreten.“

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