Lade Inhalte...

Offenbach Luxuriös, funktional, nachhaltig

Das Offenbacher Ledermuseum widmet dem wichtigstem Accessoire einer Frau eine Sonderausstellung: der Handtasche. 16 Designer aus vier Ländern stellen ihre exquisiten Lederwaren aus.

Einen Käfer zum kleinen Schwarzen? Kuratorin Rosita Nenno zeigt Lisa Farmers Kreation „Bug in her ear“. Foto: Monika Müller

Den Finger am Puls der Zeit und die Hand an der richtigen Tasche. So könnte das Motto der neuesten Ausstellung lauten, die das Deutsche Ledermuseum (DLM) Offenbach ab heute zeigt. 16 Designer exquisiter Lederwaren stellen dann bis Ende April ihre Taschenkreationen vor. Die sind nicht nur luxuriös, handgearbeitet und stehen für das traditionelle Handwerk des Täschnerns auf allerhöchstem Niveau, wie Kuratorin Rosita Nenno betont.

Auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Herstellung der Ausstellungsstücke eine wichtige Rolle. Nachhaltig nicht nur, weil hochwertigen Taschen ein langes Leben bestimmt ist, sondern auch, weil viele Stücke aus recyceltem Material bestehen.

16 Designer aus vier Ländern, Deutschland, Italien, den Niederlanden und Portugal, hat Rosita Nenno zusammengerufen, in Offenbach auszustellen. Ihre Taschen können unterschiedlicher kaum sein. Gaby Blam etwa fertigt Abendtaschen für das wesentlichste Equipment der Frau, schlicht in der Form, aufwendig in der Veredelung. Für ihre Dekore hat die Absolventin der Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG) ein Verfahren entwickelt, dass ihr hilft, 23-karätiges Blattgold auf Leder zu bringen.

Taschen aus wiederverwerteten Autositzen

Daniela Damm, ebenfalls Absolventin der HfG, fertigt klassische Handtaschen, denen immer dasselbe Schnittmuster zugrunde liegt. „Durch verschiedene handwerkliche Techniken, Details und Materialien, Nubuk-Leder, schwarzes Rindnappa oder Filz, entstehen trotzdem ganz unterschiedliche Taschen“, sagt die Designerin. Ihre Produkte werden schon länger in der Geschenkboutique des Museums verkauft.

Bei ihren Taschen legt Karen Häcker besonderen Wert auf die Wiederverwertung von Materialien. Für ihre kleine Reisetasche benutzt sie ausschließlich den Ausschuss der Automobilindustrie. Dafür verwendet sie hochwertige Hölzer von Bäumen wie dem Redwood, dem Küstenmammutbaum oder der Esche. Viele Automarken verwenden diese Hölzer, die bis zu 3000 Jahre alt sind, für die Innenverkleidung ihrer Autos, sagt die Absolventin der Bauhaus-Universität in Weimar. Häcker rettet sie vor der Entsorgung. Ebenso wie die Textilien der Sitzpolster. „In der Autoindustrie werden manchmal bis zu 200 Prototypen für Sitzbezüge fertiggestellt und dann entsorgt, bis die Bezüge selbst tatsächlich in Serie gehen“, erzählt die gebürtige Darmstädterin.

Praktische Alltagshilfen

Eine besonders funktionales Taschensystem hat Janina Albrecht für ihre Diplomarbeit an der HfG im Fachbereich Produktdesign in diesem Jahr entworfen. Die Arbeit trägt den Untertitel „Mit dem Fahrrad ins Büro“. Ihre Leitfrage: Wohin mit dem gebügelten Anzug, wenn zuvor eine schweißtreibende Anfahrt mit dem Rad zur Arbeit zu bewerkstelligen ist?

Albrecht hat die Antwort, ein System aus Kleidertasche mit zugehörigem Kleiderbügel und einem Beutel für das edle Lederschuhwerk. Dazu ein „Porter“ mit passenden Körben, der statt eines Gepäckträgers über dem Hinterrad angebracht wird. Und schon kann es losgehen.

Daneben finden sich weitere Highlights des Taschendesigns wie die insekten- und fischförmigen Abendtäschchen der gebürtigen Amerikanerin Lisa Farmer oder die Kunststoff-Beutel der Italienerin Chiara Maio, die mit Bildern der „militanten Fotografin“ und Cosa-Nostra-Kritikerin Letizia Battaglia aufwarten. Währenddessen schlummern hunderte, vielleicht tausende historische Taschen in der Sammlung des Deutschen Ledermuseums.

Nur ein Bruchteil wird derzeit ausgestellt. „Aber das Museum soll nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern den Blick auch in die Zukunft richten“, sagt Ines Florschütz, seit zwei Monaten die neue Leiterin des DLM. „Schließlich sind Taschen auch heute noch ein Statussymbol und für viele Frauen wichtiger, als eine Bluse oder eine Jacke.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen