Lade Inhalte...

Offenbach Keine Angst vorm Scheitern

Regisseurin Alicia Rost betreibt eine Film-Produktionsfirma. Am 26. September feiert sie im Offenbacher Ostpol die Premiere ihres Abschlussfilms, einer 30-minütigen Ménage à Trois, die am Mainufer vor der Skyline, auf dem Frankfurter Flughafen und dem Offenbacher Friedhof spielt.

24.09.2014 19:07
János Erkens

Die Befürchtung, ihnen könne der Himmel auf den Kopf fallen, ist wohl so bekannt wie Asterix und seine gallischen Freunde. Diese Angst, die in der Sprache der Psychologie „Uranophobie“ heißt und dem der jüngste Film der Offenbacher Regisseurin Alicia Rost seinen Titel verdankt, wurde beim Dreh fast Wirklichkeit: „Dem Team ist buchstäblich der Himmel auf den Kopf gefallen: Es gab Wolkenbrüche sondergleichen, dabei hätten wir dringend Sonnenschein gebraucht“, erzählt Rost mit dem Lächeln derer, die eine Hürde gemeistert haben und nun gelassen in die Vergangenheit blicken können.

Am Freitag, 26. September, feiert sie im Offenbacher Ostpol die Premiere ihres Abschlussfilms, einer 30-minütigen Ménage à Trois, die am Mainufer vor der Skyline, auf dem Frankfurter Flughafen und dem Offenbacher Friedhof spielt. Die Bildsprache von Wolken, Fliegen, Abheben und Fallen begleitet die Geschichte von zwei Männern und einer Frau, die sich nicht trauen, nach den Sternen zu greifen: „Den Figuren steht ein Himmel voller Möglichkeiten offen, aber nur eine wagt es, die Hand danach auszustrecken – und scheitert dennoch.“

Abhandlung über menschliche Unzulänglichkeiten

Es ist eine Abhandlung über menschliche Unzulänglichkeiten und Versagen, wie Rost es zusammenfasst: „Das ist irgendwie mein Thema: Menschen, die ihr bestes geben und trotzdem scheitern. Das kehrt in vielen meiner Geschichten wieder.“

Geschichten hat die 27-Jährige schon zahlreiche geschrieben, einige davon gekrönt von Preisen des Jungen Literatur Forums Hessen-Thüringen. Eigentlich hatte sich die gebürtige Schwanheimerin ohnehin stets mehr als Literatin denn als Regisseurin gesehen und seit ihrer Kindheit Geschichten aufgeschrieben: „Ich habe grundsätzlich mehr Ideen, als ich umsetzen kann und arbeite meistens parallel an drei bis vier Geschichten gleichzeitig“, erzählt Rost.

Dennoch quittierte sie ihr Germanistik-Studium zugunsten eines Filmstudiums an der Hochschule Darmstadt: „Das Studium der Germanistik war mir zu theoretisch und ich wollte lieber die Möglichkeit haben, meine kreativen Ideen umzusetzen.“ Zwar gebe es sowohl formale als auch inhaltliche Unterschiede dazwischen, einen Roman zu schreiben oder aber ein Drehbuch zu verfassen, allerdings sei die Arbeit am Film auch reizvoll: „Beispielsweise geben die Schauspielerinnen etwas zu der Geschichte dazu, das für mich nicht vorhersehbar ist.“

Nie gedacht, dass es läuft

Um sich ganz dem Drehbuchschreiben und Filmen zu widmen, gründete sie mit ihrem Lebensgefährten Rafael Bujotzek vor einem Jahr die Offenbacher Produktionsfirma InZwischenZeit, die neben eigenen künstlerischen Projekten auch kommerzielle Werbe-, Image- und Veranstaltungsfilme produziert: „Es gibt im Frankfurter Raum verhältnismäßig wenige kreativ- und Medienunternehmen und wir waren einfach so kühn, zu probieren, ob das klappt.“

Dass sie mit dieser Arbeit mittlerweile ihren Lebensunterhalt bestreiten kann, wundert Rost ganz offensichtlich: „Ich hätte nie gedacht, dass das tatsächlich läuft.“ Laufen soll in naher Zukunft nun auch „Uranophobie“ auf diversen Festivals für Kurzfilme dieser Länge. Wenn er bei den Juroren Anklang findet, winken dann vielleicht Preisgelder und Förderungen für zukünftige Projekte von Rost und Bujotzek. „Aber ehrlich gesagt denke ich soweit gar nicht“, winkt Alicia Rost ab. Angst, auch die vor der Zukunft, spielt offensichtlich nur in ihren Filmen eine große Rolle.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen