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Offenbach Hafen 2 Kleine Räume, große Felder

Der Betrieb läuft, aber so ganz angekommen wirkte der Hafen 2 am neuen Standort bisher noch nicht. Nun hat sich für das Kulturprojekt endlich ein neuer Kunstraum gefunden - ein Kamelwagen, der bis vor kurzem noch Paarhufer für einen Zirkus transportierte.

Godot wird nicht kommen: Dafür aber Andrea Weiß (hinten) und Benedikte Bjerre. Foto: ROLF OESER

Man sollte denken, dass sechs Monate genug Zeit sind, um alle Überreste eines Umzugs zu beseitigen. Zumal wenn man weiß, dass man die nächsten 20 Jahre sicher bleiben wird. Der neue Hafen 2 indes wirkt immer noch ein bisschen unaufgeräumt, wie eine neubezogene Wohnung, deren Mieter auch nach Monaten noch aus den Kisten leben. Rechts und links des Hauptgebäudes stehen noch allerlei Anhänger und Wagen. Der Betrieb läuft. Aber so ganz und gar angekommen wirkt das Kulturprojekt am neuen Standort noch nicht.

„Unsere oberste Prämisse war, dass alle Sparten mit umziehen können“, sagt Andrea Weiß, Mitbegründerin von Hafen 2. Im Mai 2013 war es soweit. Nach langen Verhandlungen und mit viel Einsatz von Förderern und Fans, die 330 000 Euro zum Neubau am westlichen Ende des Nordrings beitrugen. Insgesamt durften die Baukosten 830 000 Euro nicht überschreiten. Weshalb am Ende eine Sparte, allen Bemühungen zum Trotz, keinen Platz am neuen Standort fand. „Ausstellungen waren von Anfang an Teil unseres Konzepts“, erklärt Weiß, „aber einen Kunstraum hatten wir bislang noch nicht.“

Weiß spricht nicht von Ungefähr in der Vergangenheitsform. Tatsächlich hat sich mittlerweile eine Lösung gefunden. Nur wenige Meter vor dem Eingang zum Hafen 2-Café steht ein strahlend weißer Lkw-Anhänger. Die Rampe ist runtergelassen, das Innere leer. Der „Kamelwagen“, wie er hier genannt wird, weil er bis vor kurzem tatsächlich noch Paarhufer für einen Zirkus transportierte, soll schon bald den abhanden gekommenen Kunstraum ersetzen.

Die Geschichte dahinter ist typisch für das Projekt Hafen 2, wo Improvisation und spontan ergriffene Chancen schon immer irgendwie zum Konzept gehörten. Im Sommer sollte erstmals am neuen Standort ein Open-Air-Kino angeboten werden. Eine Leinwand war zwar vorhanden, stellte sich jedoch als zu groß heraus. Abhilfe fand sich im Internet, wo der Kamelwagen für 3500 Euro zu Verkauf stand. Die Wände des Anhänger waren eine ideale Projektionsfläche für die abendlichen Filmvorführungen.

Die Freiluftkino-Saison ist zu Ende. Der Kamelwagen hat aber noch lange nicht ausgedient. „Man kann auch mit wenig Raum, große Felder geistig öffnen“, sagt Andrea Weiß. Wahrscheinlich kommt es eher darauf an, wie man ihn nutzt. Um den Kunstraum mit Leben zu füllen, haben sich die Hafen 2-Macher Hilfe geholt; und zwar vom anderen Mainufer.

Zum Hafen 2 gehört ständige Veränderung

Benedikte Bjerre wird die Ehre zuteil, den Kamelwagen quasi einzuweihen. Die ehemalige Städelschülerin wird die erste Künstlerin sein, die den neuen Kunstraum ab Sonntag, 27. Oktober, nutzen darf. Sie wird das auf durchaus eigenwillige Weise tun – indem sie ihn leer lässt. „Es wird darum gehen, diesen Raum zu verdeutlichen“, sagt Bjerre. Außerhalb des Kamelwagens wird eine Neon-Licht-Installation auf einer kleinen Insel am Mainufer angebracht, sowie ein Film gezeigt.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bjerre im Hafen 2 ausstellt. Bereits 2011 war sie Teil der Ausstellung „Finally a last group show“, damals allerdings noch am alten Standort. In ihren neueren Arbeiten setzt sich die Künstlerin, die ursprünglich aus Kopenhagen stammt, mit ihrer unmittelbaren Umgebung auseinander: Dem Frankfurter Osthafen und dem Hafengelände in Offenbach. „Da ist soviel Geschichte drin versteckt“, sagt sie, „das wie eine Art Zeit-Collage. Und es ist bezeichnend, wie schnell sich alles verändert.“

Ständige Veränderung gehört auch zu Hafen 2. „Wir haben nicht wirklich ein Budget“, sagt Weiß, „aber wir machen weiter mit unserem Programm. Tag für Tag, Stück für Stück.“

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