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Offenbach Gegen die Wohnungsnot anbauen

Frankfurts OB Feldmann freut sich über den Neubau im Offenbacher Nordend. Für das hoch verschuldete Offenbach ist der Bevölkerungszuwachs Bestandteil des Schutzschirmvertrags.

NH-Geschäftsführer Westphal schaut den OBs Schneider (links) und Feldmann auf die Finger. Foto: Renate Hoyer

Witze? Über Offenbach? Von Frankfurtern?!? Ach was. Die werde er jetzt sozusagen qua Amtes verbieten, sagte gestern Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) in aufgeräumter Stimmung auf Offenbacher Boden. Anlass war das Neubauprojekt „Heimathafen“ der Nassauischen Heimstätte (NH), deren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Feldmann ist. Dafür wurde gestern auf dem früheren Gelände der Firma Jado der Grundstein gelegt. In die auf sechs Häuser verteilten 125 Mietwohnungen sollen auch jede Menge Frankfurter einziehen, die dem Druck auf dem heimischen Wohnungsmarkt weichen.

Es sei eine große Herausforderung, angesichts der steigenden Kosten bezahlbare Mietswohnungen im Rhein-Main-Gebiet zu bauen, sagte NH-Geschäftsführer Constantin Westphal während der Feier. Doch habe die NH, deren Gesellschafter auch das Land Hessen und die Stadt Frankfurt sind, einen sozialen Auftrag. Deshalb werde sie weiter den Auftrag erfüllen, gegen den Wohnungsdruck anzubauen. „Wir sind eine Region und bieten hier den Menschen Wohnraum, die von der Kostenspirale aus Frankfurt herausgetrieben werden.“

Auch Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) und sein Frankfurter Amtskollege waren sich unter gegenseitigem Geplänkel einig, dass man nur gemeinsam in der Region genügend Wohnraum schaffen könne. Für das hoch verschuldete Offenbach ist der Bevölkerungszuwachs Bestandteil des Schutzschirmvertrags „und da sind wir gut unterwegs“, sagte Schneider. Das im „Heimathafen“ gebotene Spektrum von Ein- bis Vierzimmer-Wohnungen ziele genau auf die Bürger, die Offenbach brauche: „Menschen mit Einkommen und Familie“.

Gerne aus Frankfurt, fügte er noch an, denn von den rund 10 000 Neubürgern, die die etwa 4000 aktuell fertiggestellten und im Bau befindlichen Neubauwohnungen in der Offenbacher Innenstadt beziehen, kommen rund die Hälfte aus der Nachbarstadt. Und an die Adresse von Feldmann sagte er: „Ihr könnt es mit euren 1,6 Milliarden Euro Gewerbesteuereinnahmen auch verkraften, wenn wir euch auch das eine oder andere Unternehmen abspenstig machen.“

Noch in diesem Jahrzehnt sollen laut Schneider in der Innenstadt alle aus der Blüte der Offenbacher Industriezeit übrig gebliebenen Brachen bebaut werden. Er sprach von einer „Häutung“, die die Innenstadt damit durchlebe. Offenbach profitiere aber nicht nur „von dem, was der Magnet Frankfurt anzieht, wir sind der Kern der prosperierenden Region.“

Frankfurt sei in der Frage, ob die Frankfurter sich Frankfurt noch leisten können, auf kreative Lösungen angewiesen, sagte Feldmann angesichts des Neubauprojektes nahe von Fechenheim. Es werde keinen Export von Sozialhilfeempfängern nach Offenbach geben, auch Menschen, die gutes Geld verdienten, könnten hier wohnen. Für alle müsse die Region Wohnraum zur Verfügung stellen. „In einer Generation werden sich die Leute so um die Wohnungen in Offenbachs Nordend hauen wie heute in Frankfurts Nordend.“ Die Gemarkungsgrenzen ließen sich ohnehin kaum noch ausmachen. „Frankfurt und Offenbach müssen zum Kern einer neuen regionalen Zusammenarbeit werden“, sagte Feldmann. „Wir werden weiter zusammen bauen.“

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