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Offenbach Farbe für den Schandfleck

Bulgaren und Rumänen bemalen am Freiwilligentag den alten Hochbunker.

Graffiti an der alten Bunkeranlage verschwinden unter dem Bild einer Parklandschaft. Foto: Rolf Oeser

Die wuchtigen Klötze an der Ziegelstaße gelten in der Nachbarschaft schon lange als Schandfleck: Seit den 1980er Jahren gammeln die zwei ehemaligen Luftschutzbunker vor sich hin. Die Berufsfeuerwehr lagert dort noch Geräte. Empfindliche Materialien dürfen es nicht sein, weil innen wegen der hohen Luftfeuchtigkeit der Schimmel blüht.

Äußerlich sollen die Gebäude jetzt im Rahmen des Freiwilligentages aufgehübscht werden: Die Quartiersfamilie im Mathildenviertel hat sich die Bunker als Projekt für den Freiwilligentag im Mai ausgesucht. Der professionelle Schildermaler Albert Klein hat bereits einen Entwurf von einer Parklandschaft mit Pavillon und tanzenden Menschen gemacht, der auf die derzeit noch mit Graffitis verunstalteten Wand zur Ziegelstraße hin übertragen wird.

Die Farbe bringen dann Freiwillige auf, die um ein besseres Image in Offenbach kämpfen: „Wir werden mit Bulgaren und Rumänen dort malen“, erzählt Quartiersmanager Markus Schenk. „Sie wollen sich damit anders darstellen, als sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.“

Malen für ein besseres Image

Über die Vereine und Selbsthilfeorganisationen der Bulgaren und Rumänen wird das Projekt beworben, erste Zusagen gibt es bereits. Auch andere Bürger können mitmachen. Schenk rechnet mit großem Interesse: „Wir werden eher das Problem haben, dass wir nicht alle unterbringen.“

Die Anwohner hätten sich seit Jahren über den Zustand der Betonbauten beschwert, erzählt Schenk, der Freiwilligentag war jetzt Anlass, sich dieser Hinweise wieder anzunehmen. „Es war immer sehr schwierig, ein Zugriffsrecht auf diese Liegenschaft zu bekommen.

Die Erlaubnis, den Bunker zu bemalen, hat Ralf Reichmann, der Bunkerbeauftragte der Offenbacher Berufsfeuerwehr, eingeholt. Er hat sich beim Bund durch die Zuständigkeiten für ein solches Anliegen durchgekämpft. Erst einmal an die richtige Stelle durchgedrungen, kam die Genehmigung dann aber sehr flott und ohne Auflagen für die Gestaltung.

Die Bunkeranlage in der Ziegelstraße ist ein Relikt aus der Zeit des kalten Krieges und als einzige in Offenbach noch nicht aus der Zivilschutzbindung gefallen. Ursprünglich waren es 13 solcher Anlagen, die im Fall eines Angriffs mit ABC-Waffen die Zivilbevölkerung schützen sollte, erzählt Reichmann.

Wegen der politischen Veränderungen wurden die Vorgaben für solche Einrichtungen geändert. Viele Bunker wurden privatisiert. Zu den letzten verbliebenen Anlagen in der Zivilschutzbindung gehörte der Luftschutzbunker in der Jahnstraße, den ein privater Investor gekauft und in ein Wohngebäude integriert hat.

Jetzt überlegt die Stadt, der das Grundstück an der Ziegelstraße gehört, beim Bund zu beantragen, auch die Bindung für diese letzten beiden Bunker aufzuheben. Dann würde der Bund auch die dort noch anfallenden Umlagenkosten sparen.

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