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Offenbach "Es beginnt mit chronischer Heiserkeit"

Die Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin Birgit Kramer über Ursachen und Therapien von Stimmstörungen

22.02.2012 06:35
privat

Die Atem-, Sprech- und Stimmlehrerin Birgit Kramer über Ursachen und Therapien von Stimmstörungen

Die Stimme ist des Menschen wichtigstes Ausdrucksmittel. Das merkt er vor allem dann, wenn sie ihm wegbleibt. Dann ist oft professionelle Hilfe angesagt.

Fastnacht ist gerade vorbei, eine Kälteperiode liegt hinter uns – haben Sie zur Zeit mehr Patienten als sonst?

Es ist schon so, dass in der kalten Jahreszeit, ab Herbst, die Fallzahlen steigen. Erkältungen verschlimmern vorhandene Stimmbeschwerden.

Was sind die häufigsten Erkrankungen?

An erster Stelle steht die sogenannte funktionelle Dysphonie. Das bedeutet, die Stimme ist zwar organisch gesund, macht aber trotzdem Probleme – bricht etwa weg, wenn man mal lauter wird. 70 bis 80 Prozent meiner Klienten leiden darunter. Es gibt aber auch organische Schädigungen, wie zum Beispiel Stimmlippenknötchen. Rechtzeitig erkannt, kann man die noch ohne Operation wegkriegen.

Bei welchen Symptomen sollte man alarmiert sein?

Es beginnt mit der Heiserkeit. Wenn die nach einer Erkältung übrig bleibt oder unabhängig davon auftritt, ist das schon ein deutliches Warnzeichen. Ebenso häufige Kehlkopfentzündungen, Räusperzwang oder Sprechanstrengung – wenn der Druck im Hals so steigt, dass ich nicht mehr weiterreden mag oder kann.

Welche Berufsgruppen sind besonders gefährdet?

Professionelle Sprecher, Schauspieler, Sänger, Kantoren, aber auch Pfarrer, Lehrer, Menschen, die viel telefonieren oder Vorträge halten.

Was kann man denn falsch machen mit seiner Stimme?

Die meisten benutzen ihre Stimme nicht optimal. Normalerweise nimmt sie das auch nicht übel. Problematisch wird es, wenn ich sie viel und intensiv einsetze und dabei belaste. Das kann gravierende Folgen haben, bis zum völligen Verstummen, der Aphonie – ein quälender Zustand, vor allem, wenn er Tage und länger andauert.

Das hat sicher auch psychische Ursachen?

Stress und Anspannung spielen bei vielen Stimmbeschwerden eine wichtige Rolle. Sie bewirken, dass die Muskulatur ihre Balance verliert: Kiefer, Hals oder Schultern sind verspannt, während andere Bereiche, etwa der untere Rücken, eher unterspannt sind.

Wie können Sie helfen?

Wir versuchen, die Muskulatur wieder ins Gleichgewicht zu kriegen. Durch einfache Übungen, die Bewegung und Atmung miteinander verbinden, den Menschen ihr Körpergefühl zurückgeben. Auf dieser Basis kann sich auch die Stimme regenerieren und zu ihrer natürlichen Kraft zurückfinden.

Das Gespräch führte Jörg Echtler.

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