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Offenbach Engagierte Streiter für die Inklusion

Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen gemeinsam zur Schule gehen. Dieses Ziel verfolgt die Initiative Gemeinsam lernen, indem sie Eltern unterstützt und der Politik auf den Zahn fühlt. Dafür erhält der Verein heute den Ferdinand-Kallab-Preis der Stadt Offenbach.

Streitthema Inklusion: „Es geht darum, die Menschen zu sensibilisieren.“ Foto: Michael Schick

Behinderte und nicht behinderte Kinder sollen zusammen die Schulbank drücken. Dafür streitet der Verein Initiative Gemeinsam lernen für Stadt und Kreis Offenbach (Igel-Of) seit knapp vier Jahren. Für dieses Engagement wird ihm heute Abend der Ferdinand-Kallab-Preis der Stadt verliehen.

Heute hat der Verein über hundert Mitglieder – vorwiegend Eltern, aber auch Lehrer, Therapeuten oder Sozialarbeiter. Die Arbeit hat zwei Schwerpunkte. Zum einen die Beratung und Begleitung von Familien mit behinderten Kindern bei der Einschulung, dem Schulwechsel und der Durchsetzung ihrer rechtlichen Ansprüche. Zum anderen die Lobbyarbeit für Inklusion bei den politischen Entscheidern in Land. Kreis und Kommune.

„Die Schulen werden offener für den gemeinsamen Unterricht“, beobachtet die Igel-Vorsitzende Dorothea Terpitz. Trotzdem musste der Verein auch im vergangenen Schuljahr 25 Mal das Recht behinderter Kinder vor Gericht einklagen. Manchmal ist es gerade die Hartnäckigkeit der Eltern, die eine nachhaltige Veränderung bewirkt. Terpitz nennt das Beispiel eines Kindes mit Down-Syndrom aus Rödermark. Inzwischen sei die anfangs widerstrebende Grundschule, die das Kind dann doch aufnahm, eine Vorreiterin in Sachen Inklusion.

Zu den Schulen in Stadt und Kreis unterhält der Verein nach Möglichkeit engen Kontakt. Nachholbedarf gebe es vor allem noch an den weiterführenden Schulen. „Da müssen wir Eltern manchmal noch raten, ihr Kind lieber an eine Förderschule zu schicken“, sagt Terpitz.

Inklusion kostet Geld. Im Moment tragen die Kommunen die Kosten. „In Offenbach haben wir keine Probleme“, sagt Terpitz. Anträge auf Teilhabeassistenz würden von der Stadt bislang ausnahmslos genehmigt. Anders sieht es im Kreis aus. „Dort werden Eltern immer wieder ausgebremst.“ Der Fall des Jungen Chinar hatte wie berichtet jüngst für Ärger gesorgt. Der Kreis hatte sich lange geweigert, die Kosten für den Transport des Erstklässlers zu übernehmen.

Das Thema Inklusion in die Öffentlichkeit zu tragen, ist ein weiteres Anliegen des Vereins. „Wer nicht betroffen ist, interessiert sich meist nicht dafür“, sagt Terpitz. „Es geht darum, die Menschen zu sensibilisieren.“ Denn Inklusion endet für Terpitz und ihre Mitstreiter nicht an der Schultür. „Letztlich geht es darum, das Umfeld so zu gestalten, dass sich alle wohlfühlen“, sagt sie.

Deshalb bemüht sich der Verein auch, den Aktionsplan Inklusion in Offenbach voranzubringen. Ihn aufzustellen, haben die Stadtverordneten beschlossen. „Doch seit einem Jahr tut sich da nichts“, moniert Terpitz.

Neben Mitgliedsbeiträgen finanziert sich der Verein, der auch beim Mainuferfest und mit einem jährlichen Aktionstag präsent ist, durch Sponsoren. Fraport und EVO zählen zu den Geldgebern. Doch auch die 1020 Euro Preisgeld kann der Verein für seine Aktivitäten gut gebrauchen.

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