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Offenbach „Ein echtes Schnäppchen“

Das Haus der Stadtgeschichte erwirbt bedeutende Gemälde des Fabrikanten-Ehepaars Krafft. Philipp Casimir Krafft hat die Offenbacher Stadtgeschichte vor allem als Gründer der Industrie- und Handwerkskammer geprägt. Er wurde 1821 ihr erster Präsident.

Restauratorin Sabine Kuypers und Wolfgang Rawer von der Dr.-Marschner-Stiftung präsentieren die Gemälde. Foto: Monika Müller

Ein wahrer Coup ist dem Haus der Stadtgeschichte gelungen: Zum Preis von knapp 500 Euro gelang es dem Museum, zwei großformatige Gemälde zweier Persönlichkeiten der Offenbacher Industriegeschichte zu erwerben. Durch die Förderung der Dr.-Marschner-Stiftung können die Gemälde zur Zeit restauriert werden.

Die beiden Gemälde mit schwerem, goldfarbenem Rahmen zeigen den 1773 in Kaiserslautern geborenen Philipp Casimir Krafft und dessen Ehefrau Louise Christiane, geborene Heintz. „Der Name Krafft hat für die Offenbacher Stadtgeschichte eine immense Bedeutung“, sagt Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte, „er ist einer der Väter der Offenbacher Industrie.“

Gründer der IHK

Krafft, dessen Familie um 1780 nach Offenbach kam, gehörte zu den Gründern der später nach ihm benannten Rauchtabakfabrik und der Offenbacher Freimaurerloge. Nachhaltig geprägt hat Krafft die Offenbacher Stadtgeschichte aber vor allem als Gründer der Industrie- und Handwerkskammer, 1821 wurde er ihr erster Präsident.

Die Bedeutung seiner Persönlichkeit und der seiner Frau unterstreiche auch die Darstellung auf den Gemälden, sagt Eichenauer. Es sind herrschaftliche Darstellungen, er mit rosigen Wangen im dunklen Gewand mit weißem Halstuch, sie in roter Robe, im gelockten Haar eine mit Spitzen verzierte Haube. Die Holzrahmen sind mit üppigen Schwanenmotiven und Palmetten verziert.

„Die Gemälde wurden wohl Mitte des 19. Jahrhunderts, also erst nach dem Tod Kraffts und seiner Frau, von dem Wiener Porträtmaler Anton Hähnisch erstellt und waren lange in Familienbesitz“, sagt Eichenauer. Da der letzte Nachfahre Kraffts 1985 verstarb, verliert sich für die vergangenen knapp 30 Jahre deren Spur. Erst im Dezember vergangenen Jahres tauchten sie wieder auf.

Ein Freund und Förderer des Museums entdeckte sie im Rücklauf eines Wiesbadener Auktionshauses und handelte entschlossen: Er telefonierte kurz mit Eichenauer, kaufte die Bilder und brachte sie nach Offenbach. Das Museum erstattete ihm den Einkaufspreis von rund 250 Euro pro Bild. „Die Gemälde wurden regelrecht verramscht“, sagt Eichenauer. Da sie einzeln angeboten wurden, wären sie beinahe für immer getrennt worden.

Restauration durch Stiftung

„Allerdings waren sie in einem erbärmlichen Zustand“, so Eichenauer. Die Leinwand war gewellt und die Ornamente des Rahmens an vielen Stellen abgebröckelt. Nur durch die Förderung der Dr.-Marschner-Stiftung sei es möglich, die Gemälde restaurieren zu lassen. „Das kostet gut 4500 Euro – selbst zu Zeiten vor dem Schutzschirm hätte dies unsere Möglichkeiten weit überstiegen.“

Die freiberufliche Restauratorin Sabine Kuypers ist seit Ende Sommer mit Konservierungs- und Ausbesserungsarbeiten an den Bildern und Rahmen beschäftigt. Mitte des 20. Jahrhunderts habe es schon einmal einen Restaurationsversuch gegeben, sagt sie, „aber einen dilettantischen.“ Die ursprüngliche Blattgoldauflage des Rahmens sei damals mit einem Lack überzogen und herausgebrochene Ornamente notdürftig mit Kittmasse ersetzt worden. „Am Bild von Philipp Casimir Krafft gab es zwei Löcher in der Leinwand“, sagt Kypper, die Reparatur mit Flicken auf der Rückseite zeichne sich nun auch auf der Vorderseite ab.

Bis Jahresende möchte Kypper ihre Arbeit beenden. Bis dahin will sie den inzwischen bräunlich schimmernden Lack vom Rahmen entfernt und den ursprünglichen Goldglanz wieder hergestellt haben. Fehlende Ornamente werden ersetzt, indem sie von den erhaltenen Modelabdrücke nimmt. „Das ist eben der Vorteil, zwei identische Rahmen zu haben“, sagt sie. Ab nächstem Jahr sollen die Gemälde in der Dauerausstellung gezeigt werden.

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