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Offenbach Die Suche nach dem perfekten E-Bus

In Offenbach wird diese Woche ein E-Bus im Linienbetrieb getestet. Die Verkehrsbetriebe nehmen unterschiedliche Modelle unter die Lupe – bis 2023 sollen bis zu 45 Prozent der Offenbacher Busse elektrisch fahren.

E-Busse in Offenbach
Wollen E-Busse in Offenbach: Dezernentin Sabine Groß und OVB-Leiterin Anja Georgi (v. l.). Foto: Renate Hoyer

Kaum werden Fahrverbote für Dieselfahrzeuge und alte Benziner auch in Rhein-Main konkret, fährt schon der erste E-Bus im Linienbetrieb durch Offenbach. Doch die zeitliche Überschneidung ist Zufall – und der Bus des niederländischen Herstellers Ebusco verkehrt lediglich für drei Tage auf der Linie 104 zwischen dem Stadtteil Bieber und dem Kaiserlei. Die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) testen derzeit verschiedene E-Bus-Typen. Die Erfahrungen der Probefahrten fließen in ein Lastenbuch ein, das Grundlage für eine europaweite Ausschreibung für E-Busse und Ladeinfrastruktur wird.

Die OVB, deren Busflotte derzeit noch komplett mit Dieselmotoren betrieben wird, will in fünf Jahren bereits 36 elektrische Stadtbusse unterhalten – das wären zwischen 40 und 45 Prozent der Busse. Anfang des Jahres wurde für 2023 noch ein Anteil von einem Drittel angestrebt, doch die OVB hat ihre Zielsetzung in der Zwischenzeit erhöht. Bei der aktuellen Ausschreibung geht es zunächst aber nur um sieben Busse und um die Ladeinfrastruktur – beides soll ab Ende 2019 funktionsbereit sein. In den darauffolgenden Jahren sind dann weitere Ausschreibungen geplant. Zum Vergleich: Frankfurt will in diesem Jahr zunächst fünf E-Busse einsetzen, Wiesbaden hingegen plant, bis 2022 die gesamte städtische Busflotte mit mehr als 200 Bussen elektrifiziert zu haben.

OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi erklärte während einer ersten Fahrt mit Offenbachs temporärem E-Bus am Dienstag, warum die Ausschreibung dort stückchenweise erfolgt und nicht auf einen Schlag: Zum einen gehe die „Entwicklung ja weiter“. Soll heißen: In fünf Jahren sind womöglich Modelle auf dem Markt, die geeigneter oder günstiger sind als die zurzeit erhältlichen Busse – immerhin kostet ein E-Bus mit rund 500 000 Euro etwa doppelt so viel wie ein herkömmlicher Dieselbus, auch wenn E-Busse länger genutzt werden können und weniger gewartet werden müssen, wie es bei der OVB heißt. Die Umstellung sei ein „Riesenkraftakt“, sagt Georgi.

Ein weiterer Grund der stückweisen Anschaffung ist wohl, dass bisher weder vom Land noch vom Bund Förderbescheide für die neuen Busse vorliegen. Aber darauf warten wollten die Offenbacher auch nicht: „Man muss sich irgendwann trauen, den ersten Schritt zu machen, sonst kommt man nie vorwärts“, sagt Georgi. Voll hinter der Elektrifizierung der Offenbacher Busflotte steht auch Mobiltätsdezernentin Sabine Groß (Grüne), die seit vergangener Woche im Amt ist und die unter anderem die Verbesserung der Luftqualität durch den Einsatz der Stromer betont. Auch in Offenbach könnte es wegen schlechter Luft zu Fahrverboten kommen – verhandelt wird voraussichtlich im nächsten Jahr.

Langfristig sollen laut städtischem Nahverkehrskonzept alle Stadtbusse in Offenbach elektrisch fahren. Ein Problem stellt hierbei noch der sogenannte Bieberer Schlupf dar: Diese Unterführung ist für die meisten E-Busse zu niedrig. Georgi hofft deshalb darauf, dass es in ein paar Jahren flachere Modelle gibt, die auf der Schlupf-Route eingesetzt werden können.

Das Ebusco-Modell, das seit Dienstag leise, sauber und klimatisiert, wegen des schweren Akkus auf dem Dach aber auch ein kleines bisschen schwankend durch Offenbach surrt, schafft mit einer Ladung 220 bis 250 Kilometer am Tag – genug also, um die 13-Kilometer-Strecke der Linie 104 einen Tag lang elektrisch zu befahren.

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