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Offenbach Die Heilkraft der Musik

Ein Konzert im Wiener Hof eröffnet eine Charity-Musik-Tour für Forschungsprojekt über Gesundheit. Das Eintrittsgeld geht an einen guten Zweck, denn die Bands spenden ihre Gage.

Mit der Gitarre unterwegs: Andreas Goldschmidt

Auf der Harfe angenehme Töne anstimmen oder mit dem Xylophon ein Liedchen spielen, kann dies medizinische Therapie sein, die mehr hilft als Tabletten? Der Gesundheitswissenschaftler Andreas Goldschmidt aus Bieber kann sich schon vorstellen, dass Musik nicht nur glücklich sondern auch gesund macht. Vielleicht ist er ja dieser Auffassung, weil er in seiner Freizeit selbst Gitarre spielt und als Kind eine Waldorfschule besuchte, wo viel Wert auf Musik und ganzheitliches Denken gelegt wird.

Aber nur an körperliche Effekte glauben, das genügt dem Mediziner nicht. Er möchte erforschen, ob Musik tatsächlich eine therapeutische oder präventive Wirkung auf die menschliche Gesundheit hat. Um Geld für sein groß angelegtes Forschungsprojekt namens „Musik statt Pille“ zu sammeln, startet er jetzt seine Charity-Musik-Tour im Wiener Hof. Besucher hören dann nicht nur gute Musik, sie geben ihr Eintrittsgeld auch für einen guten Zweck, denn die Bands spenden ihre Gage.

Musiktherapie aus der esotherischen Ecke herausholen

„Zurzeit ist Musik noch keine anerkannte Therapie“, erklärt Goldschmidt, der Professor für Gesundheitsmanagement an der Universität Trier und Direktor der privaten FOM School of Health and Social Management in Essen ist. Daher bezahlen die Krankenkassen Musiktherapie in der Regel noch nicht. Goldschmidt geht es daher darum, einen wissenschaftlichen Nachweis zu erbringen und Musiktherapie aus der esoterischen Ecke zu holen.

Der 60-Jährige hat dafür fünf interdisziplinäre Forschergruppen zusammengetrommelt, darunter Ärzte, Gesundheitswissenschaftler, einen Hirnforscher, Musiker, Musiktherapeuten und Informatiker. An einigen hundert Probanden sollen Versuche gemacht werden. Die Vorarbeiten dazu, das sind Patientenbefragungen und Literaturrecherche, starteten kürzlich in Trier und Essen.

Doch auch in Universitätskliniken im Rhein-Main-Gebiet sollen sich Patienten an dem Projekt beteiligen können. Dabei ist es durchaus nicht so, dass jeder mit Mozart oder Vivaldi beschallt wird. Die Teilnehmer dürfen sich die Musik aussuchen, nach der ihnen gerade ist. Damit keine Gema-Gebühren anfallen, produzieren Musiker selbst entwickelte Stücke. Während die Patienten die Musik hören, werden Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und Hautfeuchtigkeit gemessen.

Mit eigens zu entwickelnden Apps für Smartphones oder Tablet-Computer können sich die Patienten auch mitwirken, vielleicht mitsummen oder den Takt schlagen. Die Patienten werden über drei Jahre beobachtet. Die Patienten verpflichten sich dazu, ihre Empfindungen zu protokollieren. Mit Ergebnissen ist daher frühestens 2019 zu rechnen.

Keine Pharmafirmen oder Sponsoren im Hintergrund

„Musik wird ja bereits in den Krankenhäusern eingesetzt“, sagt Goldschmidt, „vor allem im Umgang mit Demenzkranken und Koma-Patienten“. Die Studie untersucht jetzt aber die Heileffekte bei Menschen mit Rückenleiden, Kopfschmerzen, leichteren Depressionen, Tinnitus und bei Menschen, die nach einem Tumorleiden in Reha sind.

Die geplanten klinischen Studien haben das gleiche wissenschaftliche Niveau wie Medikamentenstudien mit dem Unterschied, dass sie weder von Pharmafirmen, Sponsoren oder staatlichen Vorgaben abhängig sind. Deshalb muss Goldschmidt auch zusehen, wie er die 300 000 bis 500 000 Euro dafür zusammenbekommt. Die Konzerte sind nur ein Teil des Plans. Einen Grundstock an Forschungsmitteln hat er schon gespart. „Ich glaube daran, dass das klappen wird, ich habe genug Forscher und Musiker an meiner Seite, die sich dafür begeistern“, sagt er.

Das zeigt sich auch beim Konzert im Wiener Hof, wo Goldschmidt als Gitarrist der Offenbacher Band Folk-n-Rock Rhein-Main auf der Bühne stehen wird. Als zweite Gruppe spielt Fom All Stars, deren Musiker allesamt Professoren der Hochschule FOM sind.

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