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Offenbach „Bella Italia“ mal ganz anders

Eine neue Italo-Filmreihe im Filmklubb zeigt ein Land im Wandel jenseits der Klischees. Zu sehen sind Filme im Original mit Untertiteln, dazu gibt’s italienisches Essen.

Offenbach. Filmkiubb, Italo Filme. TAGESHONORAR
Nicole Werth (links) und Ida Todisco in der ehemaligen Halle einer Luftpumpenfabrik, in der seit 2011 Filme gezeigt werden. Foto: Renate Hoyer (Renate Hoyer)

Die Chinesin Shun Li hat es in das kleine Städtchen Chioggia am unteren Zipfel der Lagune von Venedig verschlagen, wo sie in einem Café der chinesischen Mafia die einheimischen Fischer in deren Stammlokal bedienen soll. Der Konflikt ist programmiert. Von der kleinen Frau, die nicht einmal weiß, was ein Caffè Corretto ist, lassen die Männer sich nichts sagen. Nur zu Bepi, einem Außenseiter wie sie, der vor 30 Jahren als Migrant in den Ort gekommen war, entwickelt sich eine warmherzige Beziehung. Mit dem Spielfilm „Io sono Li“ (Auf Deutsch „Venezianische Freundschaft“) des Dokumentarfilmers Andrea Segre aus dem Jahr 2011 eröffnet der Filmklubb unter dem Motto „Cinema & Cena“ am Freitag, 11. Mai, die neue Italo-Filmreihe von Ida Todisco.

Die 52-Jährige, die seit 2006 in Offenbach lebt und sich mit zwei Büchern über ihre neue Wahlheimat als Lokalpatriotin erwiesen hat, verfolgt mit der Reihe ein ehrgeiziges Ziel. Todisco will Filme jenseits der Klischees von „Bella Italia“ präsentieren. Sie hat sich deshalb zumindest für das erste Jahr (Fortsetzung ist geplant) gegen „Super-Klassiker“ mit Gina Lollobrigida oder Sophia Loren und für Filme aus jüngerer Zeit entschieden, die von Fremdheit und Unterwegssein, der Suche nach Heimat und Identität handeln. Auch um Arbeit und Liebe geht es, zwei Themen, die übrigens die meisten Italiener, so auch Todiscos Vater, vor 60 Jahren nach Deutschland geführt haben.

Segres „Io sono Li“ wählte sie als Eröffnungsfilm aus, weil er anschaulich zeige, dass sich Italien von einem Auswanderer- zu einem Immigrantenland entwickelt hat. Der Film handele große Themen wie Globalisierung, Menschenhandel und mafiöse Strukturen ab, „aber ohne den moralischen Zeigefinger zu heben“, betont Todisco.

 

Original und originell sind zwei zentrale Stichworte der neuen Italo-Reihe. Gezeigt werden sieben Filme im Original, die meisten mit deutschen Untertiteln. Zu einer internationalen Stadt wie Offenbach, in der mehr als 4000 Italiener lebten, passten Filme in den Originalversionen, meint nicht nur Todisco, die davon Nicole Werth überzeugen konnte. Die Gründerin des Filmklubbs war zunächst etwas skeptisch gewesen, ob die Untertitel nicht von den Bildern ablenken würden. Doch nach Gesprächen bei mehreren Tassen Kaffee waren sich die beiden Filmenthusiastinnen einig, das Experiment zu wagen.

Die Filme „Die Welt der Anderen“ (ein Drama um das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die sich in einen Mann verliebt, der nicht wie ihre Familie den Zeugen Jehovas angehört) und „Die Überglücklichen“ (zwei Psychiatrie-Patientinnen brechen aus der Klinik aus) stammen aus dem Jahr 2016. „Stilles Chaos“ von 2008 ist ein Film über die Lebenszeit und die Frage, in welchem Tempo man am meisten von ihr haben kann. „Erklärt Pereira“ zeigt Marcello Mastroianni 1995 in seinem vorletzten Film. Der 1994 auf der kleinen Insel Salina gedrehte „Der Postmann“ handelt von der Freundschaft zwischen dem im Exil lebenden chilenischen Dichter Pablo Neruda und einem Fischer, der sein Briefträger wird.

Bekannt ist der Filmklubb nicht nur für sein Autorenkino mit Streifen der vergangenen 50 Jahre, für Hollywood- und Stummfilme mit Live-Vertonung und die Möglichkeit, dank eines Projektors aus dem Jahre 1947 auch analoge Filme zeigen zu können. Immer wieder sind auch Filmleute und Künstler zu Gast. Geboten werden im Hinterhof am Isenburgring aber auch Konzerte, Kabarett und Tanzveranstaltungen. Darüber hinaus erwartet die Besucher vor dem Filmgenuss portugiesisches Essen von Werths Lebensgefährten José Da Noiva.

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