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Offenbach Beharrlichkeit am Bahnhof zahlt sich aus

Die Initiative „HBF OF“ macht den leerstehenden Offenbacher Hauptbahnhof ab diesem Wochenende zum temporären Kulturort. Das Land fördert eine Veranstaltungsreihe dort.

Seiteneingang Hauptbahnhof OF
Hinter einem Seiteneingang am Hauptbahnhof versteckt sich Offenbachs neuester Kulturort: Dieses Wochenende geht?s dort los. Foto: Monika Müller

Als eine Handvoll Aktiver vor etwa einem Jahr in Offenbach die Initiative „HBF OF“ gründete, mit dem Ziel, das voluminöse leerstehende Bahnhofsgebäude inmitten der Stadt zu beleben, da wurde die Gruppe von einigen belächelt. Zwar bedachte unter anderem der damals frisch gewählte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) die Initiative mit kräftigem Zuspuch, doch gab es eben auch kritische Stimmen: „Zu groß“ sei ein solches Projekt für ein Grüppchen von Idealisten, zu hoch gegriffen die vielen Ideen, die sich um kulturelle Nutzungen und generell um eine Aneignung des verlassenen Bahnhofsgebäudes durch die Stadtgesellschaft drehten.

Heute dürften jene Kritiker die Realisierungschancen des Projekts durchaus etwas anders beurteilen als damals. Denn die Hauptbahnhofs-Initiative hat in der Zwischenzeit nicht nur Zulauf bekommen – es sind derzeit zwischen 20 und 50 Leute aktiv –, sondern im Rahmen des Programms „Ab in die Mitte!“ auch 10 000 Euro an Fördergeldern des Landes erhalten. „Unser Konzept ist einfach gut angekommen“, sagt Mitinitiator Kai Schmidt. Mit dem Fördergeld hat die Gruppe nun ein umfassendes Veranstaltungsprogramm auf die Beine gestellt. Das Besondere daran: Bis auf eine Reihe von Diskussionsabenden, die schon gelaufen ist, finden die Konzerte, Lesungen und Poetry-Slam-Abende tatsächlich am Hauptbahnhof statt.

Die Deutsche Bahn hat die Nutzung eines Hinterhofs zwischen dem Bahnhofsgebäude und den Gleisen sowie eines Raumes und eines Gartens durch die Initiative genehmigt, erzählt Schmidt. Bei dem „Garten“ handelt es sich um die ehemalige Terrasse des Bahnhofslokals direkt an der Unterführung zum Senefelderquartier. Der Bereich wurde bereits im Frühjahr im Rahmen des Lichtfestivals „Luminale“ bespielt und „Paradiesgarten“ getauft. Aktive der HBF-Initiative haben den Bereich in den vergangenen Wochen nun noch einmal grundlegend aufgeräumt und von jeglichem Müll befreit. Vorbereitungen laufen jetzt noch in dem bislang namenlosen länglichen Hinterhof: Eine Kompost-Toilette steht dort seit ein paar Tagen bereits und auch Lichterketten hängen schon: Am Samstag geht das Kulturprogramm dort mit einer Lesung los. Ob auch die ehemalige Schalterhalle des Bahnhofs für Konzerte und Co. genutzt werden kann, ist noch unklar.

Seit Inbetriebnahme der S-Bahn-Strecke durch Offenbach hat der Hauptbahnhof seine Funktion als Verkehrsknotenpunkt weitgehend verloren: Nur rund 3500 Personen – ein Zehntel der Frequenz an der S-Bahn-Station am Marktplatz – verkehren hier noch am Tag, das letzte Geschäft schloss vor vier Jahren. Seitdem steht der alte Bau, in dem ungewöhnliche architektonische Details aus den 20ern erhalten sind, komplett leer.

Die Initiative „HBF OF“ will einer lediglich gewinnorientierten Entwicklung der Immobilie, die in der Stadt immer wieder im Gespräch ist, zuvorkommen. Um den Möglichkeitenraum auszuloten haben die Aktiven in den letzten Monaten Vertreter zahlreicher Initiativen nach Offenbach geholt, die dort ihre – erfolgreichen – Projekte vorstellten: Etwa die Initiatoren des „Bürgerbahnhofs Cuxhaven“: Rund 100 Leute haben dort mit einer Genossenschaft den alten Backstein-Bahnhof erworben und saniert. Im Oktober ist Wiedereröffnung: mit Infoschalter, Gastronomie, Büros und einer öffentlichen Toilette.

Die verschiedenen Konzepte, die landauf, landab von Bürgerinnen und Bürgern in alten Bahnhöfen umgesetzt werden, seien inspirierend und zeigten, dass ein „Bürgerbahnhof“ auch in Offenbach funktionieren könne, sagt Kai Schmidt: „Das alles war sehr wertvoll für uns“. Auch konkrete Finanzierungskonzepte sind besprochen worden. Doch jetzt soll erst einmal – getreu dem diesjährigen Motto des „Ab in die Mitte!“-Förderprogramms – mithilfe von Kultur aus einem verwahrlosten Ort mitten in der Stadt ein „Wohlfühlort“ werden. Er soll Lust machen auf mehr.

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