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Offenbach Baudenkmäler Nicht für die Ewigkeit gemacht

Weitgeschwungene Brücken, gigantische Staumauern, himmelhohe Bürotürme – Beton macht die kühnsten Architektenträume wahr. Doch auch dieser Baustoff hat Grenzen.

Hielt länger als gedacht, aber eben doch nicht ewig: Betonpavillon im Dreieichpark. Foto: Monika Müller

Das erweist sich, nachdem so manche Betonkonstruktion in die Jahre gekommen ist. Betonsanierung ist inzwischen zum eigenen Fachgebiet avanciert. In Offenbach haben die Experten eine besondere Aufgabe. Die Bauten im Dreieichpark wirken ein wenig wie überdimensionierte Bauklötze, die ein junger Riese dort vergessen hat. Die unscheinbare graue Farbe täuscht leicht über ihre Bedeutung hinweg: Das Ensemble steht seit 1986 unter Denkmalschutz.

Entstanden sind die „Cement-Arbeiten“ ein Jahrhundert zuvor. Zur Landesgewerbeschau 1879 stellte die Portland-Cementfabrik Feege und Gotthardt die Objekte auf das Ausstellungsgelände am Westrand der Stadt, um die Möglichkeiten des damals brandneuen Baustoffs der Öffentlichkeit vorzuführen.

Seit knapp zwei Jahren ist das Ensemble nun teilweise abgesperrt, der zentrale Pavillon mit Holzelementen abgestützt. „Eine reine Vorsichtsmaßnahme“, betont Anna Heep, zuständig für Hochbaumanagement beim Amt für Stadtplanung. Unmittelbar einsturzgefährdet sei er nicht. Passiert ist in den zwei Jahren aber nichts. Stadt und Denkmalschutzbehörde sollten ein Sanierungskonzept entwickeln, sind aber bisher bei der Ursachenforschung steckengeblieben.

Warum entstehen im historischen Beton immer wieder Risse und Abplatzungen? „Wir wissen es nicht genau“, räumt Heep ein. Die Suche sei unerwartet kompliziert und zeitraubend. Schon die Suche nach Experten sei schwierig. Zurzeit sei man mit Forschern der Technischen Hochschule Karlsruhe in Kontakt. Die sollen jetzt alle Objekte scannen und 3-D-Modelle herstellen. „Dann können wir auch nach Innen blicken und schauen was dort passiert“, erklärt Heep. Eindringende Feuchtigkeit kann den Beton auch chemisch verändern

Die Objekte sind als Schaustücke entstanden. „Niemand dachte daran, sie 130 Jahre lang der Witterung auszusetzen“, betont Heep. Es ergab sich, dass die „Cement-Arbeiten“ nach dem Ende der Gewerbeschau nicht mit den Ausstellungshallen verschwanden, sondern stehenblieben und schließlich zum Bestandteil des geschützten Dreieichparks – der ersten Grünanlage Offenbachs – wurden. „Eine Verpflanzung würden sie auch gar nicht mehr überleben“, meint Heep. „Von den Kosten ganz abgesehen.“

Risse und Abplatzungen

Die Objekte wurden in größeren Abständen immer wieder saniert. Eine Postkarte von 1913 zeigt das Ensemble komplett mit Efeu überwuchert. „Wann der weggekommen ist, wissen wir nicht“, sagt Heep. Dokumentiert sind Arbeiten in den Jahren 1970 und 1984. Die Schäden sind immer wieder die gleichen: Risse und Abplatzungen. Zuletzt reinigte man 2005 die Objekte, verschloss Hohlstellen und Risse mit einem Spezialmörtel und imprägnierte die Oberflächen. Die freischwebende Treppe wurde durch Kunststofflamellen verstärkt und ist wieder standsicher.

Seither wurden die Betonobjekte im Rahmen der Brückenprüfungen jährlich untersucht. So entdeckte man die neuen Schäden schnell. „Dass sich immer wieder Risse bilden, werden wir wohl nicht verhindern können“, räumt Heep ein. Auch Beton ist eben nicht für die Ewigkeit.

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