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Offenbach Areva will weg aus Offenbach

Schlechte Nachrichten vom Arbeitsmarkt: Das international tätige Kraftwerksunternehmen Areva will die Stadt verlassen. Die rund 700 Mitarbeiter kämpfen um den Standort.

Vielleicht bald menschenleer: Das Bürogebäude am Kaiserlei muss neu vermarktet werden, wenn Areva auszieht. Foto: Rolf Oeser

Areva nennt es Verlagerung des Offenbacher Standorts, die IG Metall nennt es Schließung. De facto möchte das international tätige Kraftwerksunternehmen bis Mitte 2016 seinen Standort in der Kaiserleistraße verlassen. Einen entsprechenden Beschluss möchte das Management bis Sommer diesen Jahres fassen.

Allerdings gibt es einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass es doch anders kommt: Aufgrund der Proteste der Belegschaft hat sich die Geschäftsführung zu einer Prüfung des Vorhabens bereit erklärt. Die Arbeitnehmervertreter können Alternativen zur Unternehmenskonsolidierung vorschlagen, die laut Stefan von Schleidt, Sprecher der Areva-Geschäftsführung, offen diskutiert werden sollen. Die Gespräche beginnen in Kürze. Allerdings sagt er auch, dass an der Konsolidierung kein Weg vorbeiführe. Das Standortkonzept müsse „optimiert“ werden, um Kosten zu senken, teilt er mit.

Gekündigt wird nicht

Entlassungen sind dabei nicht geplant. Die rund 700 Mitarbeiter in Offenbach, vorwiegend Ingenieure und Techniker, erhalten das Angebot, je nach Tätigkeit an den Standorten Karlstein oder Erlangen beschäftigt zu werden. Bis Ende des Jahres können aufgrund einer nach dem deutschen Atomausstieg 2011 geschlossenen Vereinbarung ohnehin keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen werden.

Nur der Abbau von 1550 Stellen an den drei Standorten bis Ende 2015 war damals anvisiert, und zwar durch die Nichtbesetzung freier Stellen. Noch im November 2014 hatte das Unternehmen verkündet, so in Offenbach nur Stellen zu streichen, und zwar ein Drittel der 750 Arbeitsplätze. Von Standortschließung war nicht die Rede. Jetzt also die Wende.

„Wir möchten die Ingenieure stärker mit den Testeinrichtungen und der Fertigung verzahnen und den reinen Bürostandort Offenbach aufgeben“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Pursche gestern. In Karlstein unterhält das Unternehmen große Test- und Versuchsanlagen, zudem liegt dort die Fertigung, unter anderem der Brennelemente. Dort sind 300 Personen beschäftigt.

Am Hauptstandort Erlangen, wo 3400 Menschen arbeiten, gibt es sowohl Test- und Versuchsanlagen als eine kleinere Produktion. Neben dem Atomausstieg machten dem Unternehmen auch die anderen Branchenprobleme zu schaffen, sagt Pursche, darunter das niedrige Strompreisniveau. Neben dem Export von Atomkraftanlagen spezialisiert sich Areva auf deren Rückbau und auf Offshore-Windkraftanlagen. In Offenbach wird an Atomanlagen und am Rückbau gearbeitet.

Marita Weber von der IG-Metall hält die Schließung des Offenbacher Standorts für „wirtschaftlich widersinnig“. „Die Kernkraftkompetenzen der Mitarbeiter kann man nicht einfach nach Erlangen übertragen“, sagt sie, „die sind dann weg.“ Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) lässt durchblicken, dass dies gewollt sein könnte.

„Es wird Mitarbeiter geben, die aufgrund privater Verflechtungen das Angebot ablehnen, das lässt eine Absicht vermuten“, sagt er. Er macht Managementfehler für die Misere verantwortlich. Seiner Meinung nach ist es auch nicht nachzuvollziehen, dass Areva die auf 20 Jahre angemieteten Räumlichkeiten verlässt. Einen Nachmieter zu finden, könnte schwierig werden. Laut Pursche sind dies 13000 Quadratmeter Bürofläche.

Geht Areva weg, wird das für die Region zum Problem. 2013 hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben Aufträge an Firmen in Stadt und Kreis in Höhe von 8,5 Millionen Euro vergeben. Was aus der Krippe „Energiebündel“ wird, die von Areva mitfinanziert wird und 24 Kleinkinder betreut, ist offen. Laut Pursche soll ihr Erhalt Gegenstand der Verhandlungen mit der Belegschaft sein.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Atomausstieg

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