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Offenbach Ästhetik für unterwegs

Studenten der Hochschule für Gestaltung (HfG) zeigen ihre Diplomarbeiten aus dem Fachbereich Produktgestaltung.

Sarah Langerfeld mit einem System für Fernbusse. Foto: Monika Müller

Es ist das pralle Leben, dem die Studenten eine sinnvolle und ästhetische Form geben möchten. Ob ein Motorroller für die verstopften Straßen von Jakarta, eine Werkbank für spezielle Arten zur Zubereitung von Speise-Eis, ein Krabbel- und Greiftrainer für sehbehinderte Babys oder eine Transportbox für Organspenden: Die 16 Diplomandinnen und Diplomanden des Fachbereichs Produktgestaltung präsentierten jetzt ihre Abschlussarbeiten in der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Die Nierentransplantation ihres Onkels regte Victoria Hammel zur Beschäftigung mit dem Thema Organspende an. Sie entwarf ein Transportsystem, in dem lebensrettende Spenderorgane sicher zum Empfänger in die Klinik gelangen. Die Box „Organ Care“ sei „rund wie ein Mutterleib und vermittelt den Eindruck von Schutz“, sagt die Studentin, die ihren Entwurf in dieser Woche bei der Deutschen Stiftung Organtransplantation vorstellen wird.

Bei den Diplomarbeiten gehe es nicht darum, dass sie in Serie gehen, sagt Peter Eckart, Professor des Fachbereichs Produktgestaltung. „Aber es gibt immer wieder Produkte unserer Studenten, die auch von der Industrie realisiert werden oder bei denen großes Interesse besteht.“ Entsprechend sollen die Studenten die Hersteller auch nicht aus dem Blick verlieren, wenn sie sich über ihre Abschlussarbeiten Gedanken machen. Ein Ziel der Studienzeit sei zu lernen, wie die Industrie denkt, sagt Eckart. Das Gerät „Leap Fitness“ mit gleichen, ringartigen Komponenten in verschiedenen Materialien und angeschlossenem Sensor von Janina Anjuli Schmidt sei beispielsweise so weit entwickelt, dass es sofort produziert werden könne.

Auch Sarah Langerfeldt hat bereits Kontakte geknüpft, um ihre Idee für besseres Reisen in einem Fernbus an den Veranstalter zu bringen. „Tess“ (Textile Enclosing Seat System“) heißt das System, das vor allem textile Bänder umfasst, die für mehr Privatsphäre während der Fahrt sorgen sollen. „Fernreisen im Bus liegen im Trend“, sagt die Produktgestalterin, „aber man kann sich seinen Sitznachbarn nicht immer aussuchen.“

Ihr Sitzsystem lässt die größte Flexibilität zu. Die Bänder können als Trennlinie zum Nachbarn aufgezogen werden, dienen als seitliche Lehne, sind nicht schmutzempfindlich und lassen sich waschen. Auch die Armlehne kann bei dem Sitzsystem auf oder weggeklappt werden – je nach Verhältnis zum Fahrgast nebenan. „Das System lässt sich auch auf Flugzeuge übersetzen“, sagt Langerfeldt. Geschäftsleute, die im Job einem gehobenen Dresscode unterliegen, aber gerne mit dem Rad zur Arbeit fahren, hat Janina Albrecht bei ihrem „Herold & Porter“ genannten Gepäckträgertransportsystem vor Augen gehabt.

Anzüge und Businessschuhe ohne Knickfalten und Gepäckträgerabdrücke lassen sich damit transportieren, Kleider- und Schuhtasche sind so entworfen „dass sie nicht wie eine Fahrradtasche aussehen, sondern auch ins Büro mitgenommen werden können“, sagt die Studentin. Sie lassen sich mit faltbaren Kleiderbügeln ergänzen. Sie fahre selbst Fahrrad, sagt Albrecht, vergangenes Jahr war sie viel von ihrem Wohnort Offenbach zum Praktikumsplatz in Frankfurt mit dem Rad unterwegs gewesen. „Ich habe Herold & Porter aber nicht für mich entworfen, sondern wollte ein generelles Problem angehen.“.

Nicht für die Produktion, sondern als „künstlerische ästhetische Utopie“ hat Martin Hirth sein Wassertransport- und Trinkzubehör entworfen. Er will mit dem aus natürlichen Materialien wie Glas und Flechtbinsen gefertigten Set auf die Widersprüche von weit hertransportierten Wasser in PET-Flaschen aufmerksam machen.

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