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OFC gegen Waldhof Mannheim Entspanntes Derby

Umgeleitete Busse, gesperrte Straßen, hunderte Polizisten im Einsatz: Beim Risikospiel der Kickers gegen Waldhof Mannheim hält Offenbach die Luft an. Die befürchtete Randale bleibt aus. Der größte Aufreger sind die langen Schlangen an den Stadioneingängen.

Hunderte Polizisten sind im Einsatz, die Mannheim-Fans werden nach der Ankunft am Bahnhof Offenbach-Ost in einem Polizeikordon zum Stadion geleitet. Foto: Renate Hoyer

Umgeleitete Busse, gesperrte Straßen, hunderte Polizisten im Einsatz: Beim Risikospiel der Kickers gegen Waldhof Mannheim hält Offenbach die Luft an. Die befürchtete Randale bleibt aus. Der größte Aufreger sind die langen Schlangen an den Stadioneingängen.

Wie sie denn jetzt am einfachsten nach Bürgel komme, möchte die ältere Dame wissen. Und wer sollte das besser wissen als die Polizei. Praktischerweise steht an der Mühlheimer Straße stadtauswärts ein Mannschaftswagen. Der Beamte davor hat gerade nichts zu tun, außer den Verkehr zu beobachten. Ein Bild, das sich an diesem Samstagmittag in Offenbach an dutzenden Stellen bietet.

Von einem Ausnahmezustand hatte eine Lokalzeitung tags zuvor geschrieben. Busse werden umgeleitet, Straßen gesperrt, Hunderte Polizisten sind im Einsatz. Alles wegen eines Viertliga-Fußballspiels: Kickers Offenbach gegen Waldhof Mannheim. Zwei Vereine mit großer Vergangenheit, trister Gegenwart und Fans, deren Leidenschaft ebenso bewundert wie gefürchtet wird. Seit es am Vatertag 1999 beim Duell der beiden Klubs in Offenbach zu schweren Ausschreitungen kam, gilt jedes Aufeinandertreffen als Risikospiel. Auf der Mühlheimer Straße ist indes davon wenig zu spüren. „So wie üblich“, lautet die knappe Wegbeschreibung des Polizeibeamten.

Woher die Rivalität zwischen Waldhof und den Kickers genau kommt, scheint eigentlich niemand so recht zu wissen. Die meisten emotional derart aufgeladenen Duelle haben eine Geschichte: Nachbarstadt gegen Nachbarstadt, Arbeiterverein gegen Intellektuellenklub, politisch Rechts gegen Links.

Die Rivalität zwischen Waldhof und den Kickers indes existiert erst seit jenem Vatertag 1999. Trotzdem hatten im Hinspiel Waldhof-Fans den Mannschaftsbus der Kickers angegriffen, und in Fanforen beider Vereine freuten sich im Vorfeld des Rückspiels bereits einige Anhänger darauf, der Gegenseite „eins aufs Maul“ zu geben. 900 Gewaltbereite würden anreisen, schätzte das Polizeipräsidium Südosthessen. Aus dem Umfeld von Waldhof und den Kickers war bereits im Vorfeld zu hören, dass diese Zahl wohl übertrieben sei. Zitieren lassen will sich mit dieser Aussage aber niemand – falls doch etwas passiert, will man nicht als Verharmloser dastehen.

Das Gros der Mannheimer reist per Zug an. Etwa 2000 Fans schätzt der Sprecher des Waldhof-Fan-Projekts, Martin Willig. Gegen 12 Uhr kommen sie am Bahnhof Offenbach-Ost an und werden im Polizeikordon zum Stadion begleitet. Sieben werden von der Polizei festgesetzt. Einer wegen Mitführens pyrotechnischer Artikel, drei wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot und drei weitere wegen Drogenbesitz. „Alles in allem“, wird Willig später sagen, „war es ein entspanntes Spiel.“

Ähnlich werden sich Fanvertreter der Kickers äußern. Der größte Aufreger bleiben die langen Schlangen an den Stadioneingängen. Der Andrang von mehr als 10 000 Fans sorgt dafür, dass die Partie mit zehn Minuten Verspätung angepfiffen wird.

Im Stadion selbst hat die Polizei zwei Blocks als Puffer zwischen den Fangruppen abgesperrt. Die beschimpfen sich als Waldhof- beziehungsweise Kickers-Schweine und geben sich ansonsten an diesem Weltfrauentag jede Mühe, die Männlichkeit des Gegners in Frage zu stellen – vorzugsweise indem man ihn als „schwul“ bezeichnet. Das übliche Mackertum im Fußballstadion.

Am Ende bleiben Zahlen. Waldhof gewinnt 1:0. Die Kickers hängen auf Platz elf der Regionalliga fest. Der Sonderzug nach Mannheim fährt pünktlich um 17.03 Uhr ab. Die Polizei verkündet insgesamt 29 Festnahmen und 26 Strafanzeigen. Gegen 18.30 geht es auch am Offenbacher Marktplatz noch einmal um Fußball. „Schon gehört?“, fragt ein Jugendlicher seinen Kumpel, „Bayern gegen Wolfsburg – 6:1!“

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