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Obertshausen Das größte Paketzentrum der DHL

Rund 50.000 Pakete pro Stunde soll es bewältigen. Das neue Paketzentrum der DHL in Obertshausen wird deutschlandweit das Größte seiner Art sein, wenn es 2016 ans Netz geht. Im Gewerbegebiet Herbäcker, einem ehemaligen Bundeswehrgelände, fand der Paket-Expressdienst die passenden Bedingungen vor.

Die riesigen Hallen in Obertshausen sollen laut Unternehmenssprecher keine Konkurrenz für das Paketzentrum Rodgau sein. Foto: dhl

„Der Standort hat uns überzeugt“, sagt Unternehmenssprecher Stefan Heß. Die direkte Anbindung an die Autobahnen A 3 und A 5 sowie die Nähe zum Flughafen seien starke Argumente.

Die Hallen stehen bereits seit Ende 2013 und leuchten in den Unternehmensfarben Gelb und Rot. Die freitragende Konstruktion in Form eines großen U überspannt rund 40 000 Quadratmeter Grundfläche. DHL investiert einen zweistelligen Millionenbetrag – auch in die neuartige Sortiertechnik, die zurzeit gerade eingebaut wird. Details will Heß noch nicht verraten, doch „sie wird uns ganz neue Möglichkeiten eröffnen“, sagt er. Mit seiner Sortierleistung sei das Paketzentrum europaweit eines der größten – „wenn nicht sogar das größte“.

Es geht um Kapazitätssteigerung, mehr Flexibilität und schnellere Laufzeiten. „Der Internethandel beschert uns neue Kunden“, sagt Heß. „Und viele von ihnen sitzen im Rhein-Main-Gebiet.“ Man rechne weiterhin mit Steigerungen von fünf bis sieben Prozent pro Jahr.

Die Existenz des Paketzentrums in Rodgau sei durch den Neubau nicht gefährdet, betont der Unternehmenssprecher. Es ist eines von 33 bereits bestehenden Zentren, die jeweils Kapazitäten von rund 28 000 Paketen pro Stunde haben.

Am neuen Standort Obertshausen sollen 600 Arbeitsplätze entstehen. „Wirklich neue Stellen, keine Verlagerungen“, verspricht Heß. Jeweils 250 Mitarbeiter sollen im Schichtbetrieb tätig sein. Die Pakete sollen aus der gesamten Rhein-Main-Region nach Obertshausen kommen und von dort an ihre Bestimmungsorte gehen.

Das bedeutet Verkehr. Den An- und Abtransport der Postsendungen besorgen Lastwagen. Wie viele das dann sein werden, kann Heß nicht sagen. Er nennt eine Vergleichszahl: Ein Paketzentrum in der Größe von Rodgau würden pro Tag etwa 300 Lastwagen anfahren. Entsprechend höher wäre das Aufkommen in Obertshausen anzusetzen.

Bürger der angrenzenden Städte Obertshausen und Heusenstamm befürchten, dass ihre Orte unter dem zusätzlichen Verkehr leiden werden. „Wir haben das auf dem Schirm“, versichert Heß. Man habe bei der Fachhochschule Kassel ein Gutachten in Auftrag gegeben, das nun bei Hessen Mobil liege.

Auch die Stadt Obertshausen hat zur Aufstellung des Bebauungsplans für das Gewerbegebiet eine detaillierte Verkehrsuntersuchung machen lassen. „Wir gehen davon aus, dass die Probleme lösbar sind“, sagt Erster Stadtrat Hubert Gerhards (CDU). Die Hauptarbeitszeiten der DHL lägen in den Nachtstunden und somit außerhalb der Verkehrsstoßzeiten. Zusammen mit Heusenstamm setze sich die Stadt aber für einen Ausbau des Autobahnanschlusses ein. „Die Zufahrt von der Landesstraße müsste verbessert werden“, sagt Gerhards. Auch durch die Verlängerung der Einfädelspuren ließe sich einiges erreichen. „Kurzfristige Lösungen sind hier aber nicht zu erwarten“, räumt der Stadtrat ein.

Es gibt Planungen für einen vierspurigen Ausbau der A 3. Der könne aber noch zehn bis 15 Jahre dauern, befürchtet Gerhards. „Wir hoffen, dass es mit unserem Anschluss schneller geht.“

Heusenstamms Bürgermeister Peter Jakoby (CDU) macht kein Hehl daraus, dass er mit dem Paketzentrum an seiner Gemarkungsgrenze „gar nicht glücklich“ ist. Er spricht von „Tausenden von Verkehrsbewegungen an einer Kreuzung, die jetzt schon täglich morgens und abends dicht ist“. Man habe zu kurz gedacht, habe den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht.

Zur Verkehrsplanung hatte auch die Dietzenbacher Landtagsabgeordnete Ulrike Alex (SPD) eine Kleine Anfrage an den Hessischen Landtag gestellt. In seiner Antwort schrieb Verkehrsminister Tarek Al-Wazir, die jeweiligen Städte und Gemeinden seien für die Ausweisung von Gewerbegebieten zuständig und müssten somit auch eine leistungsfähige Verkehrsanbindung sicherstellen.

Da erste Untersuchungen zeigten, dass die vorhandenen Ampeln nicht leistungsfähig genug sind, habe Hessen Mobil 2014 das Ingenieurbüro SPP Consulting aus Bergisch Gladbach mit einer großräumigen Verkehrsuntersuchung der A 3 zwischen Frankfurter Kreuz und der Anschlussstelle Hanau bis zum Tannenmühlkreisel beauftragt. Die ersten Analyseergebnisse wurden den Bürgermeistern im Dezember 2014 vorgestellt.

Derzeit würden Lösungsmöglichkeiten entwickelt, in die auch die Ideen aus Heusenstamm und Obertshausen einfließen. Außerdem werde eine Verkehrsprognose erarbeitet, die sowohl das Gewerbegebiet Herbäcker als auch regionale und deutschlandweite Veränderungen des Verkehrs berücksichtige. Erste Lösungskonzepte sollen im Frühjahr in einem Gespräch mit Hessen Mobil und den Städten vorgestellt werden.

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